Mit 22 Jahren schon ausgezeichneter Meister: Timo Seidel arbeitet in der Schreinerei Wolff in Düren als Produktionsleiter.
Foto: privat
Mit 22 Jahren schon ausgezeichneter Meister: Timo Seidel arbeitet in der Schreinerei Wolff in Düren als Produktionsleiter.

News 12.05.2021Ich bin gewillt, Verantwortung zu tragen

Meisterpreisträger Timo Seidel aus Düren lernt gerne und hat es damit schon weit gebracht

Düren. „Etwas zu erschaffen, was sowohl Design als auch Nutzen im Alltag erfüllt ist ein sehr schöner Gedanke“, sagt Timo Seidel über seinen Beruf. Der 22-Jährige Tischlermeister aus Düren gehört zu den Meisterpreisträgern der Sparkasse, also jenen jungen Handwerksmeistern, die ihre Prüfung mit guten und sehr guten Ergebnissen abgeschlossen haben und dafür vom regionalen Geldinstitut extra belohnt werden.

Timo Seidel ist inzwischen als Produktionsleiter in der Schreinerei Wolff in Düren beschäftigt. Seit seinem Abitur 2016 hat er die Zeit für seine Qualifizierung im Handwerk genutzt und kaum vier Jahre später, im Juli 2020, den Meister gemacht. „Ich hatte keinen speziellen Studienwunsch, sondern habe es als gute berufliche Grundlage gesehen, erst einmal eine Ausbildung im Handwerk zu machen“, sagt Timo Seidel. In den Tischler-Beruf habe er sich regelrecht „verliebt“ und nennt als Grund dafür die „Schönheit des breit gefächerten Berufsbildes“. Möglicherweise spielt auch die Familie eine Rolle – sein Onkel führt die Schreinere Lenzen in Freialdenhoven.

Dass Ästhetik im Handwerk für Timo Seidel eine Rolle spielt, zeichnete sich schnell ab. Er gewann den Wettbewerb „Die Gute Form“ im Kreis Düren und erhielt eine Begabtenförderung, die ihm den Weg zum Meister ebnete. Dabei spielt für ihn der Umgang mit dem Rohstoff Holz eine wichtige Rolle. „Holz ist für mich der schönste Rohstoff, den es gibt. Es ist ökologisch, lebendig und einzigartig“, sagt Timo Seidel.

Was den jungen Meister als Person auszeichnet, ist seine Begeisterung fürs Lernen. „So viel zu lernen wie möglich, als Mensch und als Handwerker, das ist mir wichtig.“ Mit dieser Einstellung hat er es weit gebracht. Als Produktionsleiter trägt er bereits mit 22 Jahren große Verantwortung im Betrieb – seinem Chef und den Mitarbeitern gegenüber. Dieser Verantwortung ist er sich bewusst. „Ich bin gewillt, diese zu tragen. Sie eröffnet mir im Gegenzug die Möglichkeit, Entscheidungen eigenständig zu treffen und frei zu handeln.“

Als Produktionsleiter übernimmt er handwerkliche Aufgaben – von der Planung über die Konstruktion bis hin zur Montage – und ist darüber hinaus als Ausbilder tätig. Dabei geht er den Auszubildenden mit seiner Zielstrebigkeit und Lern- und Leistungsbereitschaft selbsterklärend als gutes Beispiel voran.

Timo Seidel selbst hat jetzt erst einmal genug vom formalen Lernen. „Es gibt zwar noch die Option des Betriebswirts, jedoch erst wenn der Bedarf entstehen würde. Für mich zählt grade eher das Handwerk und die Berufserfahrung, um mein theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden.“ Und dennoch bleibt die Offenheit für Veränderungen. Denn Timo Seidel begreift sich selbst als Teil eines Wandels. Er sagt: „Ich hatte das Glück, das Handwerk in meinem Lehrbetrieb auch noch analog und von Grund auf zu erlernen und durch den digitalen Fortschritt zu ergänze und zu vertiefen.“ Sein Gesellenstück hat er beispielsweise sowohl mit Bleistift und Papier als auch mit einem CAD-Programm entworfen. „Den Blick auf Neues darf man jedoch nie verlieren. “

Modernisierung und Digitalisierung sind in seinem Beruf Prozesse, die er im Auge behält. Zumal sie in seinem Arbeitsalltag längst eine grundlegende Rolle spielen. „Unsere Fertigungsstraße fängt schon bei der Arbeitsvorbereitung digital an. Das reicht vom Schnittplan über die Kantenbearbeitung bis hin zur CNC. Als Produktionsleiter muss ich alle Abläufe kennen und bedienen können.“

Timo Seidel hat seine Schulzeit durch den Berufseinstieg zwar schnell, jedoch auch noch nicht vor allzu vielen Jahren hinter sich gelassen. In die Situation junger Menschen in der Phase der Berufsorientierung kann er sich gut einfühlen. Sein Tipp: „Wer einen Beruf ausüben möchte, bei dem man seiner gestalterischen Kreativität freien Lauf lassen kann, empfehle ich, das durch das Erlernen von handwerklichem Können zu realisieren.“  Ich empfinde meinen Beruf als sehr breit gefächert, der mich nicht nur für das Arbeitsleben gut ausstattet.“ Ein Handwerksberuf sei die perfekte Grundlage, auch um später eine andere berufliche Laufbahn einzuschlagen. Wichtig findet er die Bereitschaft, auch körperlich zu arbeiten. „Schwere Möbel und Bauteile zu tragen, das gehört nun mal dazu!“

Wie geht es weiter, wenn man schon so viel erreicht hat? „Ich möchte jetzt erst einmal Erfahrungen sammeln und meine Position als Produktionsleiter ausüben“, sagt Timo Seidel über seine Zukunftsperspektiven. „Die Selbstständigkeit und der Einstieg in den familiären Betrieb sind natürlich immer eine Option und ein sehr reizvoller Gedanke.“