Seit März gilt das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Es schafft den rechtlichen Rahmen für eine gezielte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern.
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Seit März gilt das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Es schafft den rechtlichen Rahmen für eine gezielte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern.

Im beschleunigten Verfahren Mitarbeiter gewinnen

News 14.10.2020

Neues Zuwanderungsrecht ermöglicht das Anwerben von Fachkräften. Der Weg ist nicht ganz einfach.

Kammerbezirk. Seit März des Jahres gilt das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Es schafft den rechtlichen Rahmen für eine gezielte Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern und kann daher zu einem wichtigen Baustein für die Fachkräftesicherung  von Handwerksbetrieben werden. Der Weg dahin ist nicht ganz einfach.

Um potenzielle Arbeitnehmer aus dem außereuropäischen Ausland für einen Betrieb in Deutschland zu gewinnen, müssen erst einmal Fachkräfte identifiziert werden. Im Anschluss müssen die Bewerber einen gültigen Arbeitsvertrag mit einem Betrieb in Deutschland abschließen. Zusätzlich muss der Berufsabschluss in Deutschland zumindest als teilweise gleichwertig anerkannt sein. Stellen sich bei der Anerkennung Defizite heraus, dann können diese während der Beschäftigung in Deutschland beseitigt werden.

Anerkennung des Abschlusses

Im Idealfall findet der Betrieb also im Ausland eine passende Fachkraft, die sowohl eine formale Ausbildung vorweisen kann als auch über Deutschsprachkenntnisse auf  mindestens Niveau B1 verfügt. Bei der Suche nach geeigneten Bewerbern unterstützen zahlreiche Hilfs- und Bildungsorganisationen.

Hat der Handwerksbetrieb einen interessanten und interessierten Bewerber im Ausland gefunden, sollte dieser bei der örtlichen Handwerkskammer die Anerkennung der Gleichwertigkeit des im Ausland erworbenen Berufsabschlusses beantragen. Das geschieht also vor der Einreise nach Deutschland. Dafür muss das Abschlusszeugnis aus dem Herkunftsland mit den zugehörigen Unterlagen in einer deutschen Übersetzung vorgelegt werden. Häufig kommt es hierbei nur zu einer teilweisen Anerkennung. Die Kammer erlässt einen Bescheid, in dem die Defizite des ausländischen Bewerbers dargestellt sind.  

Für das Anerkennungsverfahren bei der Handwerkskammer fällt je nach Aufwand eine Gebühr von durchschnittlich 400 bis 450  Euro an. Zusätzlich entstehen eventuell Kosten für die Übersetzung von Dokumenten. Üblicherweise wird es möglich sein, nach einer Arbeitsaufnahme in Deutschland die festgestellten Defizite der Fachkraft innerhalb von maximal zwei Jahren durch Qualifizierungskurse oder Berufspraxis im Betrieb auszugleichen. Spätestens bei der Visumerteilung muss ein Weiterbildungsplan vorliegen, aus dem sich ergibt, dass die wesentlichen Unterschiede ausgeglichen werden sollen. Auch muss der Betrieb zusichern, die Defizite der ausländischen Fachkraft in Deutschland ausgleichen zu können.

Damit der Bewerber endgültig einreisen darf, ist es erforderlich, dass er vom Betrieb eine verbindliche Einstellungszusage oder einen Arbeitsvertrag erhält. Für einen solchen Arbeitsvertrag gelten natürlich die arbeits- und tarifrechtlichen Vorschriften in Deutschland.

Zentralstelle

Zur Erteilung eines Visums gibt es die Option, dass der Bewerber selbst ein Visum im Heimatland bei der deutschen Botschaft unter Vorlage der genannten Dokumente beantragt. Der Prozess kann allerdings sehr langwierig sein. Deswegen ist es ratsam, ein beschleunigtes Verfahren durch den zukünftigen Arbeitgeber einzuleiten.

Das Verfahren wird durch eine Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und der zuständigen Ausländerbehörde in Gang gesetzt. In NRW ist für dieses Verfahren die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung (ZFE) in Bonn zuständig. Diese Stelle leitet auch das Anerkennungsverfahren ein, organisiert die Voraussetzungen für die Visumserteilung und dient als zentraler Ansprechpartner für Arbeitgeber und Handwerkskammer, die Bundesagentur für Arbeit und die Auslandsvertretung. Am Ende des beschleunigten Verfahrens stehen alle benötigten Dokumente sowie das erforderliche Visum. Die Kosten für das beschleunigte Verfahren in Höhe von zusätzlich 411 Euro trägt der an der Einstellung interessierte Arbeitgeber.

Da die Fachkräfte aus dem Ausland sich in der Regel erstmals in Deutschland aufhalten, brauchen sie auch bei alltäglichen Dingen starke Unterstützung des Beschäftigungsbetriebs (Wohnungsbeschaffung, Hilfe bei den Behördengängen etc.). Bei der Handwerkskammer Aachen sind seit März erst drei beschleunigte Verfahren über die ZFE eingeleitet worden. Auch wenn das neue Gesetz eine sinnvolle Zielsetzung hat, scheint es aufgrund der komplexen Verfahrensschritte in der Praxis noch nicht richtig angekommen zu sein.

Info: Ihr Ansprechpartner bei der Handwerkskammer Aachen ist Geschäftsführer Georg Stoffels, +49 241 471-117, georg.stoffels@hwk-aachen.de.