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Frauke Riether - pixabay.com

News 12.05.2021In den Betrieben wird schon viel getestet

ZDH-Umfrage: Kosten, rechtliche Unsicherheiten und Lieferengpässe verhindern eine noch bessere Quote

Berlin. Um Informationen über das Corona-Testgeschehen in den Handwerksbetrieben zu erlangen, hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) eine Betriebsbefragung vorgenommen, an der sich 2.924 Betriebe beteiligten. Die Ergebnisse belegen, dass die überwiegende Mehrheit der Handwerksunternehmen ihren Beschäftigten bereits ein Corona-Testangebot unterbreitet beziehungsweise dies zeitnah plante. Deutlich wurde aber auch, dass die Lieferengpässe bei Test-Kits ein beschränkender Faktor blieben. Bei vielen Betrieben ohne Testangebot handelt es sich um Einpersonen-Betriebe. Auch die Kostenbelastung durch ein Testangebot und die rechtlichen Unsicherheiten bei der Dokumentation von Testergebnissen verhinderten, dass die Betriebe ihren Mitarbeitern Corona-Tests anboten.

Absehbar mehr als 80 Prozent der Betriebe wollten ihren Beschäftigten ein Testangebot machen. Der ZDH folgert daraus, dass ein partnerschaftlicher Schulterschluss der Politik zielführend gewesen wäre, um das Test- und vor allem das Impfgeschehen zu beschleunigen, so dass ein Ende der Lockdown-Maßnahmen zumindest absehbar möglich wäre. Stattdessen belaste sie die Betriebe mit der Verpflichtung zum Testangebot mit neuen bürokratischen Pflichten.

Zur Unterstützung des Testgeschehens in den Handwerksbetrieben sollten laut ZDH Bund, Länder und Kommunen den Betrieben Zugang zu ihren eigenen Beschaffungskontingenten für Corona-Tests gewähren. So könnten die Unternehmen von den erheblich günstigeren Beschaffungskonditionen pro Test bei Großbestellungen profitieren. Darüber hinaus sollte (zumindest bei Kleinbetrieben) die kostenfreie Nutzung von Corona-Testzentren ermöglicht werden.

Insgesamt sind die Testaktivitäten in den Betrieben in den vergangenen Wochen stark angestiegen. 33 Prozent der Betriebe ermöglichen den Beschäftigten während der Arbeitszeit den Besuch von Testzentren. Dennoch: Nicht alle Beschäftigten nutzen die Gelegenheit zum Corona-Test. Im Durchschnitt aller Betriebe liegt die Beteiligungsquote der Belegschaften bei 66 Prozent. Dass einer von drei Beschäftigten nicht auf die Testmöglichkeit zurückgreift, ist vermutlich auf fehlendes Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Corona-Tests zurückzuführen.

Mehr Tempo beim Impfen
Im Hinblick auf den stattgefundenen Impfgipfel fordert Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH): „Bund und Länder bleiben mit ihren Absprachen zur Steigerung des Impftempos hinter ihren Möglichkeiten. Angesichts der aktuellen Pandemielage wäre es unbedingt geboten gewesen, den Impf-Turbo zu zünden. Doch mit dem, worauf man sich verständigt hat, ist die notwendige starke Beschleunigung beim Impfen sehr zeitnah nicht zu erwarten. Dabei haben wir keine Zeit zu verlieren: Jede Impfung bringt uns ein Stück näher an die Rückkehr in ein normaleres Leben und Arbeiten, weshalb es keinen Impfaufschub geben darf. Die Devise muss weiter lauten: impfen, impfen, impfen und das 24/7. Eine verlässliche Öffnungsperspektive wird es nur mit einer ausreichend großen Anzahl von Geimpften geben. Impf-Verzögerungen haben somit Öffnungs-Verzögerungen zur Folge und bremsen eine wirtschaftliche Erholung.“

Wollseifer findet es bedauerlich, dass die betriebsärztlichen Strukturen nicht schon früher, rascher und ausgestattet mit den nötigen Impfkapazitäten eingebunden werden. Dadurch könnte eine deutliche Impf-Beschleunigung erreicht werden. „Die Politik ist aufgefordert, so rasch wie möglich die hierfür nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Bei der Suche nach einem Betriebsarzt, der dann zeitnahe Impfungen vornehmen kann, können sowohl die Berufsgenossenschaften helfen wie auch die auf der gemeinsamen Internetseite der vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft verlinkten Plattformen zur Betriebsarztsuche www.wirtschaftimpftgegencorona.de. Richtig und wichtig ist die Verständigung von Bund und Ländern darauf, für Geimpfte und Genesene Erleichterungen auf den Weg zu bringen, was etwa den Zugang zu Ladengeschäften und bestimmten Dienstleistungen angeht. Das konkretisiert Öffnungsperspektiven und ist ein zentraler Schritt auf dem Weg hin zu einer Nach-Pandemiezeit.“