Kostbarer Schrank, von Meisterhand restauriert: Marcus Schiffers (l.) und Marco Herwartz vor dem mit Schellack überzogenen Familienstück. Foto: Elmar Brandt
Handwerkskammer Aachen
Kostbarer Schrank, von Meisterhand restauriert: Marcus Schiffers (l.) und Marco Herwartz vor dem mit Schellack überzogenen Familienstück. Foto: Elmar Brandt

In der Werkstatt wie bei Meister Eder

News 10.03.2021

Restaurierung ist das Spezialgebiet der Schreinerei Schiffers – Betriebsbesuch von Kammerpräsident Marco Herwartz

Von Elmar Brandt

Aachen. In der Werkstatt von Marcus Schiffers ist es tatsächlich ein bisschen wie beim Meister Eder, außer, dass beim Gesprächs- und Fototermin nichts Merkwürdiges passiert, weil ein unsichtbarer Pumuckl Schabernack treibt und der Schreinermeister Bayerisch spricht. Tradition ist im Aachener Betrieb trotzdem Trumpf, Restaurierung spielt eine riesige Rolle. Aber auch die modernen Arbeitstechniken kommen zum Einsatz.

Marcus Schiffers hat sich spezialisiert auf Restaurierung und Fertigung von Möbelstücken. Nach seinem Großvater Paul und Vater Ewald führt er den 1947 gegründeten Betrieb seit 2013 in dritter Generation, beschäftigt zwei Mitarbeiter und eine Auszubildende. Er arbeitet oft an Unikaten, in vielen Fällen vererbte Familienstücke und Kostbarkeiten, die früher mal einen viel höheren materiellen Wert hatten, aber für ihre Besitzer häufig immer noch eine große emotionale und ideelle Bedeutung haben. Wie zum Beispiel der große, mit glänzendem Schellack überzogene Schrank, der mitten in der Werkstatt steht. Die Exklusivität der Möbel und der Geruch von Holz beeindrucken Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer Aachen, der in der Reihe seiner Betriebsbesuche diesmal zwischen historischer Werkbank und moderner Fräsmaschine Station macht und sich am Ende auch selber im Sägen und Hämmern probiert – und das durchaus erfolgreich.

Ja, Marcus Schiffers führt nicht den typischen Tischlerbetrieb von heute mit vielen technischen Geräten, aber Tradition verpflichtet nun mal. Seine Aufträge erledigt er häufig in älteren Gebäuden, vor allem im Aachener Innenstadtbereich, speziell in der Nähe des Lousbergs, aber auch außerhalb der Stadtgrenzen, so zum Beispiel in größeren Bibliotheken mit Kirschbaumholz oder in belgischen Wasserschlössern. Bei der Auftragsakquise kommen ihm die Mitgliedschaft in der Innung und der funktionierende Austausch mit den Kollegen aus anderen Betrieben zugute. Denn untereinander empfehlen sich die Handwerker weiter und geben Anfragenden schon mal einen Tipp, wer für welche Arbeiten prädestiniert ist. So kommen die Kunden mit Restaurierungsarbeiten häufig zu ihm. Oftmals haben diese vorher einen Blick auf seine professionelle und durch beeindruckende Fotos ansprechende Webseite geworfen und wurden dort bestärkt, Kontakt aufzunehmen.

Zwar führt Marcus Schiffers nicht den offiziellen Titel „Restaurator im Handwerk“, dennoch hat er an der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld schon Lehrgänge besucht und dort seine Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich Restaurierung erweitert. Darüber hinaus hat er auch eine Zeit lang Architektur an der FH Aachen studiert. Schiffers arbeitet gerne an ausgefallenen Objekten, die zum Teil sehr kunstvoll gefertigt sind. Den Respekt vor dem nachhaltigen Werkstoff Holz, seiner Beschaffung und die Tricks bei seiner Bearbeitung hat er von Opa und Papa frühzeitig mit auf den Weg bekommen.

Und dass Unternehmer in diesen herausfordernden Corona-Zeiten plötzlich ganz unerwartet überrascht werden können, hat Marcus Schiffers vor Kurzem tatsächlich erlebt. Da stand nämlich plötzlich das Amt für Arbeitsschutz in seiner Werkstatt und prüfte spontan sein Corona-Schutzkonzept. Dass Sicherheitsmaßnahmen im Moment notwendig sind, zweifelt Schiffers überhaupt nicht an, allerdings erscheinen ihm einige Vorgaben und Forderungen doch etwas kleinlich für einen kleinen Betrieb wie seinen, und er ist der Meinung, dass einige Vorschriften und Pflichten für Unternehmen doch teilweise zu einem unverhältnismäßigen Aufwand führen, der enorm viel Zeit und Geld beanspruche.

Kammerpräsident Marco Herwartz weiß um diese Belastung für viele Handwerksbetriebe. Schließlich führt er selber ein Elektrounternehmen und kennt die Anforderungen beim Arbeitsschutz oder auch bei steuerlichen Angelegenheiten sehr genau. Als Interessenvertreter setzt er sich bei der Politik für die Belange des Handwerks ein. Dafür besucht er ja die Betriebe, um von den Handwerkern zu erfahren, was gut läuft und wo es hakt. Was er auch bei diesem Betriebsbesuch bei Marcus Schiffers wieder erfreut feststellt, ist, dass „viele Handwerker, die ich treffe, mit großer Leidenschaft ihren Beruf ausüben und ihre Arbeit gerne tun“. Dies sei schon ein großer und wichtiger Faktor für Zufriedenheit und letztlich auch für den unternehmerischen Erfolg. Da Marcus Schiffers seine Arbeit liebt, wird es weiterhin ähnlich bleiben wie bei Meister Eder, aber eben doch auch anders …