Bartpflege gefällig? Friseurmeister Milad Kakone zusammen mit den Betriebsberatern der Handwerkskammer Aachen Sabine Wessing und Thomas Dudkiewicz. Foto: Doris Kinkel
Handwerkskammer Aachen
Bartpflege gefällig? Friseurmeister Milad Kakone zusammen mit den Betriebsberatern der Handwerkskammer Aachen Sabine Wessing und Thomas Dudkiewicz. Foto: Doris Kinkel

In drei Jahren vom Flüchtling zum Friseurmeister

News 15.04.2020

…und acht Monate später der eigene Salon. Für Milad Kakone geht es schnittig zum Erfolg.

Weilerswist. „Sprache ist die wichtigste Voraussetzung, um sich integrieren zu können“, sagt Milad Kakone. Er ist Friseurmeister in Weilerswist und hat dafür sehr viel auf sich genommen. Und eben unter anderem alles daran gesetzt, Deutsch zu erlernen.

Aber von vorn: Milad Kakone lebt mit seiner Familie im fünften Jahr in Deutschland. Die Kakones stammen aus dem Irak. Dort hatte Milads Vater über 35 Jahre einen eigenen Herren-Salon, in den sein Sohn sozusagen hineingewachsen war. Aufgrund der gefährlichen politischen Situation musste die Familie ihre Heimat Ende 2015 verlassen und wählte Deutschland als Zuflucht. Milad, seine Eltern sowie seine zwei Schwestern wollten ein sicheres und besseres Leben in Europa haben. Als Katholiken in einem christlichen Dorf, das von Muslimen und von den Truppen des Islamischen Staates umgeben ist, wurde es zunehmend schwerer. Die Kakones erhielten hier Asyl, wurden als Flüchtlinge anerkannt. Nur Milads Bruder entschied, im Irak in einem katholischen Priesterseminar zu bleiben.

Das im Irak abgeschlossene Studium der Telekommunikationstechnik in der neuen Heimat zum Beruf auszubauen kam für den 29-Jährigen nicht in Frage. Einerseits war ihm die Arbeit des Friseurs sehr ans Herz gewachsen, andererseits wollte er seinem Vater unbedingt einen Job geben – den des Friseurs.

Seit Mitte 2016 arbeitet Milad Kakone als Friseur in Weilerswist und hat viele Erfahrungen gesammelt. Die Lehre machte er bei Theobert Thater in dessen Salon. Zu ihm pflegt er bis heute einen guten Kontakt. Milad stieg die Karriereleiter hoch, absolvierte ein Praktikum in London, legte die belgische sowie die deutsche Gesellenprüfung mit hervorragenden Noten ab und schaffte zu guter Letzt auch noch den Friseurmeister. Bei den belgischen Nachbarn holte er sich die Zusatzqualifikation zum Barbier. Zielstrebig verfolgte er sein Vorhaben, einen eigenen Friseur-Meisterbetrieb zu eröffnen.

Dafür holte er sich auch Hilfe bei den Betriebsberatern der Handwerkskammer Aachen. Allen voran Sabine Wessing und Thomas Dudkiewicz. „Wir hatten ein eigenes Postfach für Herrn Kakone“, blickt Wessing mit einem Augenzwinkern zurück. „Ohne die Hilfe der Handwerkskammer hätte ich das so aber auch nicht geschafft“, bekräftigt Milad Kakone. Die Berater standen ihm mit Rat und Tat zur Seite. Vom Businessplan zum Bankengespräch, wo der junge Mann auf voller Linie überzeugen konnte, bis hin zur entsprechenden Marketingstrategie nutzte Milad Kakone die Angebote, die die Kammer für ihre Mitglieder bereithält.

„Die Leute haben gewartet und gesagt: Was macht Kakone als nächstes“, sagt Milad und lacht. Das war natürlich nicht immer so. „Anfangs habe ich geglaubt, die Menschen kommen auf mich zu, weil ich neu ins Land gekommen bin. Aber im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass es anders ist. Ich muss auf die Menschen zugehen. Das mache ich und jetzt habe ich viele Kontakte knüpfen können.“

Um die deutsche Sprache zu erlernen, ist Milad Kakone zum Beispiel Mitglied in drei Chören in seiner neuen Heimat Weilerswist geworden. Er ist Mitglied der Flüchtlingsinitiative, engagiert sich ehrenamtlich in verschiedenen Prüfungsausschüssen von Innung und Kammer. Zuvor hatte Milad Kakone in staatlichen Sprachprogrammen und mit der Hilfe eines pensionierten Lehrers ein stabiles Fundament gebaut. Aber hier konnte er nicht nur seine Sprachkenntnisse erweitern, sondern auch Leute kennenlernen, mit ihnen sprechen und feiern. Kein Wunder, dass zur Eröffnung seines Salons „Milad - Barber und Hairstylist“ der Laden rappelvoll war.