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Wenn das Werkzeug nicht zum Einsatz kommt: Betriebe, deren Auftragslage sich in der Krise drastischverschlechtert, können für ihre Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragen.

Jobs in der Krise sichern, Mitarbeiter weiterbilden

News 10.03.2021

Kurzarbeit stabilisiert den Arbeitsmarkt. Interview mit Ulrich Käser und Heinz-Konrad Rüffer von der Arbeitsagentur.

Aachen. Kurzarbeitergeld hilft Betriebsinhabern wertvolle Arbeitskräfte zu erhalten, auch wenn die Beschäftigten vorübergehend zu wenig Arbeit haben. Für die Zeit der Kurzarbeit ersetzt es einen Teil der Kosten des Entgelts für die Beschäftigten. Außerdem werden die Sozialversicherungsbeiträge abzüglich der Arbeitslosenversicherung pauschaliert zu 50 oder 100 Prozent erstattet. Kurzarbeitergeld erfordert, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So müssen zum Beispiel mindestens zehn Prozent der Mitarbeiter einen Entgeltausfall von mehr als zehn Prozent haben und Angestellte Überstunden sowie positive Zeitguthaben abgebaut haben (bis auf bestimmte Ausnahmen). Sind die Voraussetzungen erfüllt, erhalten Beschäftigte 60 Prozent des Netto-Entgelts als Kurzarbeitergeld, Beschäftigte mit mindestens einem Kind 67 Prozent.

Die „Handwerkswirtschaft“ sprach mit Ulrich Käser, Leiter der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, und Heinz-Konrad Rüffer, Geschäftsführer vom Operativen Service der Arbeitsagenturen Aachen-Düren, Brühl und Mönchengladbach.

  • Warum ist das Instrument der Kurzarbeit in der Krise so wichtig?
    Ulrich Käser: Die Kurzarbeit stabilisiert den Arbeitsmarkt, weil sie die Menschen vor der Arbeitslosigkeit bewahrt. Das heißt: Sie sichert aktuelle Jobs in der Krise.
  • Können Unternehmen die Kurzarbeit auch positiv nutzen?
    Käser: Ja, das können sie. Wir raten Unternehmen, während der Kurzarbeit ihre Beschäftigten weiterzubilden. Durch die Verknüpfung von Kurzarbeit und Qualifizierung können Unternehmen die Zeit nutzen und ihre Beschäftigten zum Beispiel für die Digitalisierung fit machen. Interessierte Unternehmen können sich an den gemeinsamen Arbeitgeberservice wenden. 
  • Warum erfolgt eine Abschlussprüfung zum Bezug von Kurzarbeitergeld?
    Heinz-Konrad Rüffer: Damit die Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld so schnell wie möglich erhalten, wird es zunächst vorläufig ausgezahlt. In einem ersten Schritt müssen also keine Nachweise für die Auszahlung vorgelegt werden. Der Arbeitgeber versichert uns mit seiner Unterschrift die Richtigkeit seiner Angaben. Erst, wenn der Arbeitgeber kein Kurzarbeitergeld mehr erhält und der Bezug abgeschlossen ist, erfolgt die Prüfung. Geprüft werden das ausgezahlte Kurzarbeitergeld und auch die Beiträge zur Sozialversicherung, die der Arbeitgeber erhalten hat. Eventuell zu viel gezahlte Beträge werden mit der Abschlussprüfung zurückgefordert, Nachzahlungen werden im Anschluss ausgezahlt. Erst mit dem Prüfungsbescheid, den das Unternehmen von uns erhält, werden die Entscheidungen zur Zahlung bindend.
  • Ab wann wird geprüft?
    Rüffer: Grundsätzlich nach Beendigung der Kurzarbeit im Betrieb und Auszahlung des letzten Kurzarbeitergeldes. Aufgrund der sehr hohen Fallzahlen wurde während der Pandemie bisher nur in Einzelfällen anlassorientiert geprüft. Voraussichtlich ab Anfang beziehungsweise Mitte März werden die Prüfungen ausgeweitet. Die Prüfungen werden vermutlich noch bis in das Jahr 2022 andauern.
  • Welche Arbeitgeber werden geprüft?
    Rüffer: Alle Betriebe, die Kurzarbeitergeld oder Beiträge zur Sozialversicherung abgerechnet haben, werden geprüft.
  • Wie läuft die Prüfung ab und welche Unterlagen muss ich als Arbeitgeber einreichen?
    Rüffer: Die Prüfung wird dem Betrieb rechtzeitig angekündigt. Der Arbeitgeber erhält von uns eine schriftliche Mitteilung über die Prüfung und hat dann genügend Zeit, die erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen. Die Prüfung selbst findet in den meisten Fällen bei uns im Haus anhand der eingereichten Unterlagen, wie zum Beispiel Lohnabrechnungen, Auszahlungsnachweise und Stundenzettel, statt. In Ausnahmefällen bietet sich nach Absprache auch die Prüfung im Betrieb oder bei der Lohnabrechnungsstelle an. Das teilen wir dem Betrieb aber natürlich ebenfalls rechtzeitig mit. Wichtig ist, dass die Unternehmen erstmal nichts tun müssen, bis sie von uns eine Prüfungsmitteilung erhalten haben. Wir bitten also von Rückfragen abzusehen.