Erfolgreiche Übergabe: Manfred Berners (r.) übergibt seinen Heizungstechnik-Betrieb an seinen Mitarbeiter Jonas Sitta (M.). Im Gespräch mit Handwerkskammer-Präsident Marco Herwartz tauschten sie ihre Erfahrungen und Erwartungen aus. Foto: Elmar Brandt
Handwerkskammer Aachen
Erfolgreiche Übergabe: Manfred Berners (r.) übergibt seinen Heizungstechnik-Betrieb an seinen Mitarbeiter Jonas Sitta (M.). Im Gespräch mit Handwerkskammer-Präsident Marco Herwartz tauschten sie ihre Erfahrungen und Erwartungen aus. Foto: Elmar Brandt

Junger Übernehmer, erfahrener Übergeber

News 14.10.2020

Nachfolge bei Haustechnik Berners in Schleiden: Präsident Marco Herwartz im Gespräch mit Jonas Sitta und Manfred Berners

Schleiden. Drei Männer sitzen an einem Tisch und reden über das Handwerk. Ein erfahrener Handwerksunternehmer, der viele Jahre in seinem Beruf und mit seinem Betrieb hervorragende Arbeit geleistet hat, ein weiterer erfolgreicher Unternehmer, der sich ehrenamtlich an der Spitze der Handwerkskammer für die Interessen der Betriebe einsetzt, und ein junger Übernehmer mit Meistertitel, der jetzt bald die Betriebsleitung zu seiner Aufgabe macht und den Schritt in die Selbstständigkeit wagt.

Seit dem Frühjahr ist Marco Herwartz Präsident der Handwerkskammer Aachen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Betriebe im Kammerbezirk zu besuchen, um vor Ort mit den Unternehmern zu sprechen, ihre Betriebe und ihre Arbeit kennenzulernen und Eindrücke zu sammeln, wo es gut läuft und wo es hakt. Bei Manfred Berners ist er da an einer guten Adresse. Denn Berners liegen die Interessen des Handwerks sehr am Herzen. Nicht nur die seines eigenen Betriebs, sondern auch die der Kollegen. Deshalb hat er sich jahrelang in der Innung engagiert, in den 1980er Jahren unterrichtete er Meisterschüler im Sanitär-Heizungs- und Klimahandwerk im Bildungszentrum BGE Aachen der Kammer.

Berners selber hat sogar zwei Meisterbriefe, einen als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer und einen als Gas- und Wasserinstallateur. Im Februar 2021 wird er das 50 Jahre alte Unternehmen Haustechnik Berners an seinen Mitarbeiter Jonas Sitta übergeben. Der 23-jährige Installateur- und Heizungsbauermeister freut sich auf die neue Herausforderung und möchte das Unternehmen mit den bisherigen Grundwerten in der gewohnten Qualität fortführen. Manfred Berners wird ihn zunächst noch nach Bedarf unterstützen. Er selber hatte die Leitung des Unternehmens 1992 von seinem Vater Josef Berners übernommen, 1980 war das damalige Einzelunternehmen in eine GmbH mit den beiden gleichberechtigten Gesellschafter-Geschäftsführern umgewandelt worden. Mit der eigenen Nachfolge hat Manfred Berners sich erstmals vor gut zehn Jahren beschäftigt. Es war gut, dass er das Thema frühzeitig angegangen ist. Die Beratung der Handwerkskammer Aachen und ihres angestellten Diplom-Kaufmanns Thomas Dudkiewicz sei eine große Hilfe gewesen, die Zusammenarbeit sehr gut.

Jetzt folgt Jonas Sitta, der nach seiner Ausbildung schon früh davon überzeugt war, dass er den Betrieb seines Chefs einmal übernehmen könnte. Den Meister hat er mit einem hervorragenden Ergebnis gemacht. Somit sieht er sich gut gerüstet und ist mit Berners einer Meinung, dass es ohne den Meister in ihrem Gewerk nicht geht, zumindest, wenn man einen Betrieb führen und somit hauptverantwortlich für die verrichtete Arbeit sein will.

Berners kriegt bei der Qualität, die er an manchen Anlagen sieht, „kalte Füße“ – er selber habe immer darauf geachtet, dass sein Betrieb hochwertige Arbeit liefert, die nachhaltig ist. Letztlich führe auch wegen der ganzen Verordnungen und Vorschriften kein Weg am Meister vorbei. Die Zusammenhänge würden immer komplexer, so zum Beispiel in der Anlagentechnik, bei der Elektrotechnik, bei der Nutzung von EDV und digitalen Technologien – das alles könne man sich nicht alleine mit Hilfe des Internets beibringen. Dafür müsse man schon zur Meisterschule gehen und in der beruflichen Praxis lernen.

Eine Erfahrung, die auch Kammerpräsident Marco Herwartz in seinem Elektrounternehmen gemacht hat. Der Kunde wolle heutzutage möglichst alles aus einer Hand, sagt er. Deshalb sei gewerkübergreifende Zusammenarbeit wichtig, Kenntnisse über die anderen Berufe ebenfalls. Dass ein Handwerker nicht immer alle Felder abdecken kann, liegt dabei auf der Hand. Hier empfiehlt Manfred Berners dann auch mal den „Mut zur Lücke“. „Es ist besser sich für bestimmte Arbeiten zu spezialisieren als alle möglichen Dienstleistungen abdecken zu wollen“, sagt er. Die Kernkompetenzen seines Unternehmens seien Heiztechnik und Bäder.

Wer gut ist, ist gefragt. Deshalb hat die Corona-Krise dem Unternehmen von Manfred Berners, demnächst Jonas Sitta, nicht geschadet. „Eher im Gegenteil“, sagen die beiden fast gleichzeitig. Dieses Jahr toppe alles. Das liege auch an den verlockenden Förderprogrammen zur Steigerung der Effizienz. Die Nachfrage sei groß, und deshalb müssen die Handwerker ihre Kunden auch mit längeren Wartezeiten vertrösten. Dabei achten sie aber darauf, ständig mit den Kunden im Austausch zu bleiben und sie zu informieren, denn „Service ist das Allerwichtigste“, so Manfred Berners. Das sieht Marco Herwartz genauso, der in diesem Zusammenhang erzählt, dass seine Mitarbeiter bei einem größeren Projekt mal eigens einen Tannenbaum dort aufgestellt haben, weil sie vor Weihnachten nicht mehr fertig werden konnten. Den Auftraggebern machten sie damit eine Riesenfreude.

Viel Arbeit, zu wenige Mitarbeiter. Dieses Problem kennen Manfred Berners und Jonas Sitta auch. Sie würden gerne einen weiteren Lehrling ausbilden, aber es fehlt ihnen an geeigneten Bewerbern. Logische Folge: Die Trommel für das Handwerk muss weiter geschlagen werden. Die bundesweite Imagekampagne unterstützt dieses Vorhaben.

Jonas Sitta ist sicher ein gutes Vorbild für junge Menschen. Als nächstes möchte er gerne den Kundendienst digtaler steuern und den Aufwand im Büro verringern. Sitta ist einer, der seine Chancen und Talente im Handwerk bisher genutzt hat und dafür belohnt wird. Auf Erfahrung und Unterstützung der gestandenen Unternehmer kann er dabei weiter bauen.