Maurer bei der Arbeit, solange noch Material vorrätig ist: Besonders die Bau-Branche ist stark getroffen.
amh-online.de - Falk Heller
Maurer bei der Arbeit, solange noch Material vorrätig ist: Besonders die Bau-Branche ist stark getroffen.

News vom 10.05.2022Lieferschwierigkeiten und dramatische Erhöhungen

Bauhandwerk stark betroffen. Obermeister Philippen: Preise sind explodiert.

Berlin/Region. Trotz der abklingenden Coronakrise leidet der Mittelstand unter Lieferkettenproblemen und großer Unsicherheit wegen des Ukraine-Krieges. Zwar ist der Anteil der von Materialknappheit betroffenen Firmen laut der Förderbank KfW von 48 Prozent im September 2021 auf 42 Prozent im vergangenen März gesunken. Dies sei jedoch allein auf den Dienstleistungssektor zurückzuführen, der weit weniger stark von Vorleistungen abhänge als andere Wirtschaftszweige.

Im verarbeitenden Gewerbe und im Bau liegt der Anteil der von Engpässen betroffenen Mittelständler weiterhin bei 78 Prozent. Im Groß- und Einzelhandel ist er seit dem Herbst sogar um fünf Prozentpunkte auf 68 Prozent gestiegen.

Stimmung leidet

Die Stimmung im Mittelstand und auch in den Unternehmen leidet laut KfW unter enormer Unsicherheit, wie sich der Ukraine-Krieg und die westlichen Sanktionen letztlich auf die Wirtschaft auswirkten.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sieht die deutschen Unternehmen belastet durch die hohen Energiepreise im Zuge des Krieges in einer Art „Stakkato“-Phase. Es fehlten Fachkräfte, und die Lieferketten funktionierten nicht mehr richtig. „Das heißt, es läuft nicht mehr glatt durch, sondern es gibt immer wieder Rohstoffe, dann wird produziert, dann wird abgebrochen“, sagte der Grünen-Politiker jüngst in Berlin nach Beratungen mit mehr als 40 Mittelstandsverbänden, unter anderem aus den Bereichen Handwerk, Logistik und Energie. Die Bundesregierung hatte zuletzt bereits Hilfen für stark betroffene Unternehmen angekündigt.

Asphalt-Ausfall droht

„Infolge des Ukraine-Krieges und der Sanktionen muss die deutsche Bauwirtschaft Lieferschwierigkeiten und dramatische Preiserhöhungen bei essenziellen Baustoffen wie Stahl und Bitumen verkraften. Es droht ein Ausfall von bis zu einem Drittel der hiesigen Bitumen-Versorgung – mit entsprechenden Folgen für den deutschen Straßenbau. Zusätzlich treffen uns als transportintensive Branche die Preisentwicklungen bei Kraftstoffen, Logistik-/Transportleistungen besonders hart. Bauverzögerungen und Baustopps werden auf deutschen Baustellen in der jetzigen Situation immer wahrscheinlicher“, betonte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe.

„Wir bezahlen 60 Prozent mehr für Bitumen als zum selben Zeitraum 2021. Die Preise sind nochmals in den letzten zwei Monaten explodiert, allgemein zahlen wir, je nach Material, dazu gehören auch Stahl und Kunststoffrohre, zwischen 30 und 80 Prozent mehr“, erklärt Straßenbauermeister Ralf Philippen, dass aus der Materialknappheit eine massive Preissteigerung resultiere. Aktuell sei man noch nicht in Engpässen, „aber wir bekommen Angebote für Material, die freibleibend sind, weil keiner verbindliche Baumaterialpreise binden für mehr als zwei Wochen sagen kann“, so Philippen.

Weitere Termine mit Stadt und Städteregion Aachen stünden an, damit erhöhte Materialpreise auch entsprechend vergütet würden. Dafür müssten Aufträge beziehungsweise Verträge nachjustiert werden, „alles andere wäre für unsere Branche ruinös“, so der Obermeister der Bau-Innung Aachen.

Viele Projekte würden zurzeit stocken wegen fehlender Rechtsgrundsicherheit, Bund und Länder hätten schon einiges auf den Weg gebracht, das es nun durch die Kommunen umzusetzen gelte – nur ein Stichwort: die Preisgleitklausel. Täglich beschäftigt sich Philippen in seiner Funktion als Obermeister mehrere Stunden mit der Thematik, führt Gespräche mit Handwerkskollegen, Juristen, Verbandsvertretern, Auftraggebern, Verwaltungsvertretern und Politikern.

Die hohen Spritpreise machen dem Bauhandwerk ebenfalls zu schaffen. Eine Hochrechnung der Philippen Entsorgung und Tiefbau GmbH: 5.000 Liter Kraftstoff in der Woche schlucken die schweren Maschinen, beim aktuellen Dieselpreis von über 2 Euro pro Liter kommen laut Ralf Philippen Mehrkosten in Höhe von rund 300.000 Euro pro Jahr auf sein Unternehmen zu.