Gute Zukunft dank dualer Ausbildung: Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverhältnisse im Handwerk ist gestiegen. Der Fachkräftemangel bleibt jedoch bestehen. Foto: www.amh-online.de
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Gute Zukunft dank dualer Ausbildung: Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverhältnisse im Handwerk ist gestiegen. Der Fachkräftemangel bleibt jedoch bestehen. Foto: www.amh-online.de

Mehr Lehrlinge im Handwerk

News 09.11.2021

Zahl der Verträge steigt. Weniger Friseure.

Aachen/Euskirchen. Es ist eine tolle Nachricht: Die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Aachen bilden weiterhin mehr aus. Zum 31. Oktober lag die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 5,55 Prozent, das sind absolut 114, über dem Vorjahreszeitpunkt. Bei gemeinsamen Presseterminen mit der Arbeitsagentur sowie der Industrie- und Handelskammer für die Bereiche Aachen, Düren, Heinsberg beziehungsweise Euskirchen wurde deutlich, dass der Ausbildungsmarkt sich insgesamt erholt.

„Die Corona-Delle ist ausgebeult“, sagte Georg Stoffels in Aachen. Das Handwerk habe nun wieder das Niveau vor Ausbruch der Pandemie erreicht. Im Metall- und Elektrobereich würden weiterhin Leute gesucht, obwohl die Kammer hier bei den neuen Lehrverträgen sogar ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2020 verzeichnet. Noch besser lief es bei den Tischlern, hier gibt es nämlich 16 Prozent mehr Ausbildungsverträge. Nicht gut läuft es hingegen bei den Friseuren, die von den Lockdowns besonders betroffen waren. Die Zahl der ausbildenden Betriebe ging um ein Prozent zurück, verglichen mit 2019 sogar um 44 Prozent (!). Auch das Kfz-Handwerk bildet weniger aus als 2020 und 2019. Hier machen sich mittlerweile auch die Material- und Lieferengpässe in den Betrieben bemerkbar, während die Baugewerke bis zum Anschlag ausgelastet sind.

Ulrich Käser, Chef der Bundesagentur für Arbeit Aachen-Düren, freut sich, dass insgesamt betrachtet das Verhältnis von unversorgten Bewerbern und offenen Stellen ausgeglichener geworden ist. Der Trend zu höheren Schulabschlüssen ist unterdessen ungebrochen. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Schulabgänger zwischen Monschau und Heinsberg haben das Abitur oder Fachabi gemacht. Hier gibt es laut Käser viel Potenzial, um junge Menschen statt eines Studiums in eine duale Ausbildung zu holen. Zwar habe Corona gezeigt, dass man Nachwuchskräfte über Social Media oder Online-Angebote erreiche, dennoch ließen sich Berufsberatung und Präsenz in den Schulen nur schwer ersetzen. Angesichts des teilweise dramatischen Fachkräftemangels müsse alles unternommen werden, um junge Menschen für die Ausbildung zu gewinnen.

Im Kreis Euskirchen sind laut Arbeitsagentur die Zahlen der insgesamt angebotenen Ausbildungsplätze sowie der suchenden Bewerber zurückgegangen. Im Handwerk des Kreises Euskirchen wurden 1,1 Prozent mehr Neuverträge abgeschlossen als im vergangenen Jahr. Viele davon laut Georg Stoffels „so früh wie selten zuvor“. Dennoch liegt die Ausbildungsquote hier noch sehr deutlich unter dem Wert vor Corona. Sehr auffällig ist, dass es im Kreis Euskirchen in diesem Jahr nur vier Friseur-Lehrlinge gibt. Auch die Zahl der Auszubildenden zur Bäckerei-Fachverkäuferin sinkt weiter. Erfreulich ist dagegen, dass von den von der Flut betroffenen Handwerksunternehmen kaum eins ein Azubi-Verhältnis gelöst hat.

Die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit, Anja Daub, ist ganz froh, dass von der Online-Beratung mehr und mehr Abstand genommen werden könne und es künftig wieder mehr Gespräche an den Schulen beziehungsweise in Präsenz in der Agentur gäbe. Dennoch lobt Daub die digitalen Angebote, die ihr Haus während der Krise ausgebaut habe.