Rosenberg-Absolventen auf dem Weg in die Selbstständigkeit: Kolja Heinrichs (rechts) und Frederik Schuhwirt, beide Meisterdesigner der Handwerksakademie, setzen Baupläne in VR-Erlebnisse um und eröffnen mit ihrer Geschäftsidee auch Handwerksbetrieben neue Möglichkeiten in der Kommunikation mit Kunden. Foto: Doris Kinkel
Handwerkskammer Aachen
Rosenberg-Absolventen auf dem Weg in die Selbstständigkeit: Kolja Heinrichs (rechts) und Frederik Schuhwirt, beide Meisterdesigner der Handwerksakademie, setzen Baupläne in VR-Erlebnisse um und eröffnen mit ihrer Geschäftsidee auch Handwerksbetrieben neue Möglichkeiten in der Kommunikation mit Kunden. Foto: Doris Kinkel

Mehr Spaß statt Stress am Bau im virtuellen Haus

News 15.07.2020

Zwei erfolgreiche Rosenberg-Absolventen gründen Start-up in Architekturvisualisierung

Aachen. Noch vor dem ersten Spatenstich öffnet das junge Paar die Haustür zum ersehnten Eigenheim. Sie ist mit dem Tischlermeister verabredet, um die Frontfarbe der Küche auszusuchen und zu schauen, ob wirklich alle Schränke funktional angeordnet sind. Er lässt im Wohnzimmer den Kamin wandern, um den perfekten Platz zu finden und spielt dabei mit den Wandfarben herum. Später ist das junge Paar noch mit dem Installateur verabredet. Sie wollen schauen, ob ins Bad noch eine Infrarotkabine passt oder ob sie dafür ein Stück vom begehbaren Kleiderschrank abgeben müssten.

Herzlich willkommen in der Welt von Frederik Schuhwirt und Kolja Heinrichs. Die beiden Absolventen der Akademie für Handwerksdesign der Handwerkskammer machen sich gerade mit einer für Baugewerbe und Handwerk richtungsweisenden Geschäftsidee selbstständig: Architekturvisualisierungen in virtual reality (VR).

Während es nicht selten vorkommt, dass junge Bauwillige ihren Traum vom eigenen Haus erst einmal durch die rosarote Brille planen, setzen Schuhwirt und Heinrichs unter dem Firmennamen BIMa.solutions ihren Kunden die VR-Brille auf. Fehler vermeiden, bevor sie entstehen. Wünsche und Realisierung in Einklang bringen, so gut es geht. Das sind  Aspekte ihres Geschäftsmodells, mit dem sie auch am Gründerwettbewerb AC² teilgenommen haben.

Frederik Schuhwirt und Kolja Heinrichs haben sich in der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg kennengelernt. Schuhwirt kam als Bootsbauer-Geselle aus Wassenberg dorthin und hat sein Studium 2019 als Handwerksdesigner abgeschlossen. Heinrichs hatte nach dem Abitur eine Ausbildung als Maurer in einem Aachener Betrieb absolviert, er hat die Designakademie als Meisterdesigner abgeschlossen. Beide haben sich während des Projekts „Iglootel“ (das in diesem Semester leider nicht stattfindet, Anm. d. Red.) besser kennengelernt und festgestellt, dass ihre Zusammenarbeit passt.

„Wir waren die Digitalisten in unserem Semester“, sagt Kolja Heinrichs. „Die Idee, uns gemeinsam selbstständig zu machen, ist schon während des Studiums entstanden. Es war dann ein Prozess über zwei, drei Jahre, bis wir klar definieren konnten, was wir machen wollten.“ Unterstützt hat sie dabei Marc Schnitzler, Mediendozent der Handwerksakademie. Er gehört zu den Vorreitern, wenn es darum geht traditionelles gestalterisches Handwerk mit den Möglichkeiten digitaler Anwendungen zu verschmelzen.

So entstand auch die Abschlussarbeit, mit der Frederik Schuhwirt voriges Jahr den zweiten Platz im Rosenberger Designpreis gewonnen haben, der von der Aachener Bank gesponsert wird. Er erzählt: „Raumwahrnehmung innerhalb von Architektur war das Thema meiner Examensarbeit. Ich habe eine begehbare Kapsel als Rückzugsort entworfen. Wie nehmen Leute einen Raum war? Welche Anforderungen haben sie? Als Antworten auf diese Fragen entstand die Kapsel.“ Allerdings scheiterte der Bau an den Kosten. Stattdessen entstand eine Alternative, die sich für den beruflichen Werdegang der beiden Rosenberg-Absolventen als wegweisend herausstellte. Schuhwirt realisierte die Skulptur in 3D, begehbar wurde sie durch eine VR-Brille.

Die Software, mit der die beiden Meisterdesigner nun Wohnraum gestalten, stammt aus der Gaming-Industrie. Im Unterhaltungssektor lässt sich damit längst viel Geld verdienen. Auch die Möbelbranche nutzt bereits virtual reality. Neu am Geschäftsmodell von BIMa.solutions ist der ganzheitliche 3D-Umsetzung von Räumen, ja kompletten Häusern.

„Man hat ja die ganze Zeichnung“, sagt Kolja Heinrichs, der Maurer. Vom Bau kennt er das. „Die Papierpläne sind zweidimensional und nicht veränderbar. Da kommt es immer zu Unklarheiten zwischen Architekten und Handwerkern.“ An diese Zielgruppe, auch im Bereich des Fertighausbaus,  richtet sich ihr Geschäftsmodell an erster Stelle. Schuhwirt und Heinrichs visualisieren dabei einzelne Räume, etwa das Badezimmer mit Infrarotkabine im Auftrag eines Sanitärbetriebes, oder eben ein ganzes Einfamilienhaus, durch das sich das junge Paar dann mit Brille und Controller bewegen und dabei Wandfarben, Kamine und Küchenfronten aussuchen kann.

„Unsere Vision ist es, ein Netzwerk von Betrieben aufzubauen, die ihren Kunden solche Visualisierungen anbieten möchten“, sagt Kolja Heinrichs. „Wir verstehen uns als Begleiter und Berater von Handwerkern, die VR in ihren Geschäftsbetrieb integrieren wollen.“

Bauen und Wohnen als emotionales Vergnügen mit weniger Stress für alle Beteiligten, weil das Glück vom eigenen Haus schon vor dem ersten Spatenstich erlebbar wird. So eröffnet sich auch für das Handwerk ein neuer Spaßfaktor.