Glocken im Schnee
Gudrun Klinkhammer
Glocken im Schnee: Schon auf dem Gelände der Glockengießerei Schmitt kommt eine gewisse Stimmung auf. Seit fast 50 Jahren existiert der Betrieb.

Mit viel Feuer und Feingefühl

News 12.01.2022

In der Glocken- und Kunstgießerei Schmitt entstand eine neue Glocke für die Kapelle St. Sebastianus in Wollenberg.

Von Gudrun Klinkhammer
Brockscheid/Wollenberg. Das Metall- und Glockengießerhandwerk fasziniert, es geht mit viel Feuer und Feingefühl einher, mit handwerklichen und kirchlichen Traditionen. Auch ist es gar nicht mehr so häufig zu finden. Im Mittelalter waren die Gießer Wanderhandwerker, die Glocken wurden meist vor Ort, etwa an einer Kirche unter freiem Himmel, gegossen. So wurde der riskante Transport von schweren Glocken über weite Distanzen hinweg umgangen. In Brockscheid in der Südeifel bei Daun sind die ersten Glockengießer der Familie Mark um 1620 urkundlich erwähnt worden. 2019 ging die traditionsreiche Glockengießerei Mark allerdings insolvent, sie wird inzwischen von einer neuen Firma als Unterbetrieb weitergeführt.

Seit fast 50 Jahren existiert in Brockscheid aber auch die Firma „Glocken- & Kunstguss Hermann Schmitt“, Inhaber jetzt Christoph Schmitt. Senior Hermann Schmitt ist immer noch aktiv im Betrieb unterwegs. Sein Sohn Christoph Schmitt absolvierte zunächst ein Studium als Diplom-Ingenieur in Aachen, bevor er in den Betrieb – inzwischen als Inhaber – einstieg.
Im Dezember 2021 entstand in der Glockengießerei Schmitt eine Glocke für die Kapelle St. Sebastianus in Wollenberg. Wollenberg gehört kommunal gesehen zur Gemeinde Hellenthal, pfarrtechnisch zur Pfarre Sistig und damit zur Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Steinfeld.

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Mit den Worten „In Gottes Namen“ startete der Brockscheider Glocken- und Kunstgießer Hermann Schmitt am 10. Dezember 2021 den eigentlichen Glockenguss.
Um 12 Uhr am Tag der Glockengeburt wurde der Koksofen in der Gießerei angefacht. Gegen 15 Uhr war die Bronze rund 1.200 Grad heiß, flüssig und konnte in die Glocken-Form gescheppt werden. Diese Arbeit übernahmen unter den erfahrenen Augen von Senior-Chef Hermann Schmitt Unternehmens-Inhaber, Dipl. Ing. Christoph Schmitt, und Metallbau-Gesellin Julia Robiller.
Nach acht Scheppen, angefüllt mit glühender und flüssiger Bronze, was das Werk getan, die Glocke fertig gegossen.

Der Aufwand für die Herstellung einer Glocke ist immer groß. Aus Stein, Sand und Lehm wird die Form gemauert. Die Legierung des zu verwendenden Metalls kann ganz verschieden sein. Nach einer bestimmten Zeit, der Zeit der Auskühlung, wird der Guss freigelegt. Der gute und korrekte Ton hängt weitgehend von der Größe und Legierung ab, kann aber auch nach dem Guss noch leicht beeinflusst werden.
Die Aufgabe des Glockengießers ist es, die Glocken zu entwerfen, zu verzieren, zu gießen und später instand zu halten. Weiter baut und kontrolliert der Glockengießer die Glockenstühle, daher muss er sich auskennen, was die Statik betrifft. Denn Glocken haben ein nennenswertes Gewicht und müssen sicher befestigt werden. Der Beruf des Glockengießers ist individuell, traditionsreich, der Glockengießer benötigt viel eigenes Engagement, ein gutes Gehör und in gewisser Weise auch ein kulturelles Bewusstsein und Idealismus.

Die „St. Michaelsglocke", die nun in der Glockengießerei in Brockscheid das Licht der Welt erblickte, wird in der kleinen Kapelle St. Sebastianus in Hellenthal-Wollenberg die zwei bereits vorhandenen Glocken klanglich um einen dritten Ton bereichern und so einen Dreiklang vervollkommnen.

Wenn alles glatt geht, dann soll die Glocke, die rund 45 Zentimeter hoch und circa 50 Kilogramm schwer ist, wohl am 22. Januar in Wollenberg geweiht werden.
Immer noch fasziniert das Glockengeläut. Es spricht das Gefühl der Menschen an. Glocken läuten zur sonntäglichen Messe, zu kirchlichen, religiösen Ereignissen und Anlässen. Und zum neuen Jahr. Glockenweihen finden in der Regel viel Beachtung.