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Gut fürs Klima, gut fürs Handwerk: Eine zügige Zunahme der Modernisierungen von Gebäuden ohne blockierende Auflagen sollte Ziel sein.

Sanierung kann zum Motor werden

News 08.12.2020

EU-Kommission stellt Renovierungswelle vor. Handwerk fordert Beteiligung bei Planung.

Brüssel/Berlin. Die EU-Kommission hat ihre Mitteilung zur Renovierungswelle vorgestellt. Diese Initiative soll Anreize schaffen, die Sanierungsquote im Gebäudebereich in den kommenden Jahren mindestens zu verdoppeln. Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), begrüßt diesen Schritt: „Zurecht rückt die EU-Kommission den Gebäudesektor ins Zentrum der Debatte um ein klimaneutrales Europa bis 2050. Die CO2-Emissionen müssen in diesem Bereich deutlich verringert werden. Nur so kann Europa langfristig seine Klimaziele erreichen.“

Laut Schwannecke müsse es europaweit gelingen, die deutliche Erhöhung der Sanierungsquote des Gebäudebestands mit einem wirtschaftlichen Wiederaufschwung zu verbinden. Gerade der Baubereich habe sich in der Krise als stabil erwiesen und könne jetzt zum Konjunkturmotor werden.

„Damit uns das gelingt, müssen die Anforderungen an die energetische Modernisierung von Gebäuden realistisch sein“, so Schwannecke. Ziel müsse es sein, in den kommenden Jahren möglichst viele Gebäude zu modernisieren, ohne dass überzogene Auflagen die Nachfrage hemmen. Es gehe darum, die Aufrüstung zu intelligenten Gebäuden stärker mit Zukunftsthemen wie E-Mobilität und dezentraler Energieerzeugung zu verbinden.

Bei Modernisierungsvorhaben im Quartiersmaßstab müsse zudem gewährleistet sein, dass sich Handwerksbetriebe an der Planung, am Bau sowie an der Bewirtschaftung der Quartiere beteiligen können und künftig einen fairen Zugang zu den in intelligenten Gebäuden anfallenden Daten haben, sagte der ZDH-Generalsekretär. Nur so könnten sie ihren Kunden passgenaue Dienstleistungen wir Wartung und Reparatur anbieten.

Das Handwerk ist ein zentraler Akteur bei der Sanierung des Gebäudebestands. Unsere Fachkräfte haben die erforderliche Expertise, um Effizienzmaßnahmen vor Ort umzusetzen, den Gebäudebestand technisch zu modernisieren und somit einen wertvollen Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung zu leisten. Dafür müssen die Barrieren für Renovierungen abgebaut und gleichzeitige Anreize für mehr Nachfrage nach Sanierungsleistungen geschaffen werden“, sagte Schwannecke.

Info:

Deutschland soll bei der EU-Renovierungswelle vorangehen und sich im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft für die Umsetzung der „Renovation Wave“-Strategie der EU-Kommission einsetzen. Dabei sollte die Bundesrepublik von europäischen Investitionshilfen für energetische Gebäudemodernisierung Gebrauch machen. Das fordern in einem offenen Brief an die Bundesregierung 48 Verbände. Unterzeichnet hat den Appell eine breite Koalition aus Immobilienverwaltern, Baugewerbe, Handwerk und Industrie, ebenso Verbraucherschützer und Umweltverbände.

Der „Renovierungswelle“ genannte Vorschlag der EU-Kommission wurde am 14. Oktober 2020 veröffentlicht und sieht eine Novelle der maßgeblichen EU-Richtlinien sowie milliardenschwere Investitionshilfen für die EU-Mitgliedsstaaten zur Verdopplung der energetischen Gebäudemodernisierung vor. Die Initiative ist ein Flaggschiffprojekt des Europäischen Green Deals von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Dieser soll verstärkten Klimaschutz und wirtschaftliche Erholung nach der COVID-19-Krise miteinander verbinden.

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft habe sich bislang nicht öffentlich dazu geäußert, schreiben die Verbände und formulieren ein klares Anliegen an die Bundesregierung: „Bitte nutzen Sie die verbliebenen Wochen bis zum Jahresende, um Unterstützung im Rat der EU und im Europäischen Rat für die Renovation Wave zu mobilisieren und der EU-Kommission damit ein starkes Mandat für die Ausarbeitung der Regulierungsvorschläge zu geben.“ Bis Ende 2020 koordiniert Deutschland die Verhandlungen um den künftigen EU-Haushalt, das 750 Milliarden Euro schwere EU-Investitionspaket zur Konjunkturbelebung und die Verhandlungen zu einer möglichen Anhebung des CO2-Ziels im Rahmen eines EU-Klimaschutzgesetzes.

Auch habe Deutschland noch keine Ideen vorgelegt, welche zusätzlichen grünen Investitionsprogramme sich für eine Ko-Finanzierung aus den dafür vorgesehenen EU-Konjunkturtöpfen eignen würden, heißt es weiter. Von diesen Hilfen solle Deutschland Gebrauch machen, fordern die Verbände, und etwa mit neuen Sonderprogrammen in die energetische Modernisierung von Schulen sowie in die Aus- und Weiterbildung von Baufachkräften investieren. Zuletzt habe in Deutschland dank verbesserter Förderkonditionen die Nachfrage nach energetischen Modernisierungen spürbar zugenommen. Allerdings reiche das aktuelle Niveau noch bei Weitem nicht aus, um die Energie- und Klimaziele zu erreichen.

„Wir dürfen im Rahmen der deutschen EU-Präsidentschaft nicht die Chance verpassen, die Weichen zu stellen in Richtung einer verstärkten und nachhaltigen Gebäudesanierung“, sagt Dipl.-Ing. Marita Klempnow, Vorsitzende des Deutschen Energieberater-Netzwerks (DEN).
„Sowohl mit Blick auf besseren und langfristigen Klimaschutz als auch auf eine insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie nötige Wirtschaftsförderung sind verstärkte Investitionen in diesem Bereich sinnvoll und nötig. Deutschland sollte schnellstens ein entsprechendes Konzept entwickeln und die finanziellen Möglichkeiten der Europäischen Union nutzen. Dies wäre auch ein gutes Beispiel für andere Mitgliedsländer der EU.“