Die Ampel im Fokus: Rot, Gelb und Grün wollen als Regierungskoalition einen Umbruch in Deutschland einleiten. Das Handwerk hat klare Erwartungen und fordert gute Bedingungen für den Mittelstand.
stock.adobe.com - bluedesign
Die Ampel im Fokus: Rot, Gelb und Grün wollen als Regierungskoalition einen Umbruch in Deutschland einleiten. Das Handwerk hat klare Erwartungen und fordert gute Bedingungen für den Mittelstand.

Stärken statt belasten

News 09.11.2021

Handwerk stellt Forderungen an die künftige Regierung

Berlin. Mit Blick auf die wirtschaftlich weiter fragile Lage erwartet das Handwerk von der künftigen Bundesregierung, die Leistungsfähigkeit kleiner und mittlerer Betriebe nicht weiter zu überfordern, sondern im Gegenteil durch Entlastungen zu stärken. „Unsere Betriebe müssen sich aktuell in einem Umfeld mit zahlreichen Sondereffekten behaupten – bei den Lieferengpässen und der Preisexplosion bei einer Reihe von Materialien, bei den Energiekosten, beim offenen Fachkräftebedarf und bei der sich abzeichnenden erneut angespannten Corona-Lage. Angesichts dieser schwierigen Situation sind unsere Betriebe maximal gefordert, um wirtschaftlich erfolgreich durch diese unruhigen Zeiten zu kommen“, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). „Die nächste Bundesregierung muss sicherstellen, dass Steuern zu verkraften sind, Sozialbeiträge nicht weiter ansteigen und Bürokratie unsere Handwerkerinnen und Handwerker nicht erdrückt.“

Die künftige Koalition müsse, so Wollseifer, einen Weg finden, der Klimaschutz und wirtschaftlichen Erfolg gleichermaßen ermöglicht. Die Kostenbelastungen durch Klimaschutz, Energie- und Verkehrswende dürften nicht aus dem Ruder laufen. „Denn nur mit einer starken Wirtschaft und starken Handwerksbetrieben werden wir in der Lage sein, die Klimaschutz-Herausforderung zu finanzieren und zu bewältigen“, sagt Wollseifer.

Erheblich vergrößern müsse die künftige Regierung ihre Anstrengungen, die Attraktivität der beruflichen Bildung zu stärken und berufliche Bildung auch finanziell gleichwertig zur akademischen Bildung zu fördern, meint der ZDH-Präsident. Denn der zentrale Schlüssel zur Fachkräftesicherung sei die berufliche Ausbildung. „Wir brauchen faire, vergleichbare Ausgangsbedingungen auch in der Bildung – keine erste und zweite Klasse, sondern einzig Weltklasse“, sagt Wollseifer. Diese Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung müsse gesetzlich festgeschrieben und im politischen Alltag gelebt werden. „Das gebietet allein schon die Tatsache, dass sich nur mit genügend fachlich qualifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern der Wohlstand und die Wirtschaftskraft unseres Landes auch in der Zukunft sichern lassen“, so der ZDH-Präsident.

Zu einer Modernisierung gehöre unabdingbar, die Infrastrukturen und Verwaltungen in Deutschland endlich konsequent auf die Erfordernisse der Digitalisierung hin anzupassen und auf den neuesten Stand zu bringen. Längst überfällig seien zudem Entlastungs-Impulse im Steuerrecht, wo beispielsweise durch verbesserte Abschreibungsbedingungen sofort Anregungen für zusätzliche Investitionen gesetzt werden könnten. Nötig sei eine mittelstandsfreundliche Verbesserung der Thesaurierungs-Rücklage, um die Innenfinanzierung und damit die Investitionskraft auch des deutschen Handwerks zu stärken. Eine künftige Regierung müsse alles daran setzen, den Gesamtsozialversicherungsbeitrag bei 40 Prozent des Bruttolohns dauerhaft auch über das Jahr 2021 hinaus zu stabilisieren, damit Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gerade im lohnintensiven Handwerk nicht noch weiter belastet würden und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe nicht abnehme.

Info: Weitere Informationen zum Zentralverband des Deutschen Handwerks finden Sie im Netz unter www.zdh.de.