ÜLU im Bildungszentrum BGZ Simmerath
Britta Kaschel @Handwerkskammer Aachen
Die Betriebe bilden weiter mit hohem Engagement aus, auch im Rahmen der ÜLU, wie hier im Bildungszentrum BGZ Simmerath der Handwerkskammer.

News 18.01.2021Stärkung beruflicher Bildung muss Priorität der Politik sein

Nur leichte Erholung auf dem Ausbildungsmarkt. Regierung muss handeln.

Berlin. Nach den erheblichen Einbußen im vergangenen Jahr im Zuge der Corona-Pandemie und ihrer Bekämpfung hat sich die aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Jahr 2021 nur leicht entspannt. Das Niveau von vor der Pandemie wurde bei Weitem nicht erreicht. Mit insgesamt 473.100 neu abgeschlossenen dualen Ausbildungsverträgen wurden 5.600 Verträge (+1,2 Prozent) mehr abgeschlossen als 2020. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fiel aber immer noch um 52.000 niedriger aus als 2019 (525.000 Verträge).

Dies sind zentrale Ergebnisse der Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2021. Sie basieren auf der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum Stichtag 30. September sowie auf der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), dazu: „Die Handwerksbetriebe bilden weiter mit hohem Engagement aus – trotz der durch Corona immer noch herausfordernden Rahmenbedingungen. Dass laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) im laufenden Jahr mehr neue Ausbildungsverträge im Handwerk als im Vorjahr geschlossen werden konnten, unterstreicht einmal mehr den großen Einsatz und das Verantwortungsbewusstsein der meist kleinen handwerklichen Ausbildungsbetriebe und ihren bedeutenden Beitrag zur Fachkräftesicherung.“

Die vom Handwerk in die Allianz für Aus- und Weiterbildung eingebrachten Vorschläge zum Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ und zur konzertierten Aktion im „Sommer der Berufsbildung“ hätten zudem wesentlich dazu beigetragen, das Ausbildungsgeschehen im Jahr 2021 zu stabilisieren.

„Auch wenn die Richtung am Ausbildungsmarkt stimmt, haben wir das Ausbildungsniveau des Vorpandemiejahres 2019 noch nicht wieder ganz erreicht. Viele junge Menschen sind durch die pandemische Lage nach wie vor verunsichert, weshalb sie häufig den weiteren schulischen Weg wählen und den Einstieg in das Berufsleben scheuen. Das belegen eindrücklich die stark rückläufigen Bewerberzahlen in diesem Jahr“, so Wollseifer.

Das sei angesichts der anstehenden Zukunftsaufgaben jedoch fatal, denn die ambitionierten politischen Ziele im Bereich der digitalen und der ökologischen Transformation, wie die energetische Gebäudesanierung, mehr smarte Gebäudesteuerung, ein Ausbau der Elektromobilität, ließen sich nur mit einer ausreichenden Zahl von beruflich qualifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern umsetzen. „Das Handwerk braucht dringend mehr Fachkräftenachwuchs. Es muss Politik wie Wirtschaft gleichermaßen gelingen, wieder mehr junge Menschen von den hoch attraktiven Berufs- und Karrierechancen im Handwerk zu überzeugen. Daher muss die neue Bundesregierung rasch handeln“, betont der Präsident.

Mit dem geplanten Ausbildungspakt für das Handwerk sowie dem Ausbau der Berufsorientierung und der Begabtenförderung berufliche Bildung habe die neue Regierung im Koalitionsvertrag wichtige erste Akzente gesetzt. Diese ambitionierten Ankündigungen gelte es nun zügig mit Leben zu füllen. Bei allen Regierungsparteien müsse es höchste Priorität haben, die berufliche Bildung zu stärken.