Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen: Wir sind sehr erleichtert, dass uns rund zwei Drittel der Betriebe in unserer Sonderum­frage ge­mel­det haben, sie hätten insbesondere während der Hochphase der Pandemie keine Schwierig­keiten mit ih­rer Li­qui­di­tät gehabt.
Handwerkskammer Aachen
Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen: Wir sind sehr erleichtert, dass uns rund zwei Drittel der Betriebe in unserer Sonderum­frage ge­mel­det haben, sie hätten insbesondere während der Hochphase der Pandemie keine Schwierig­keiten mit ih­rer Li­qui­di­tät gehabt.

Trotz Corona kein Liquiditätsproblem

Pressemitteilung vom 22.10.2020

Nur 14 Prozent der Handwerksbetriebe melden einen Engpass

Aachen. „Das Erste, was bei einer deutlichen Verschlechterung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen bei Betrieben unter Druck gerät, ist die Liquidität. Und die Corona-Pandemie – insbesondere in der Zeit des Lockdowns – hat einen au­ßeror­dentlich schwierigen Rahmen ge­setzt, nicht nur für die Wirtschaft, sondern für das ge­samte Leben in Deutschland beziehungsweise der Welt“, skizziert Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, die Situation. „Des­halb sind wir sehr erleichtert, dass uns rund zwei Drittel der Chefs in unserer Sonderum­frage ge­mel­det haben, sie hätten insbesondere während der Hochphase der Pandemie keine Schwierig­keiten mit ih­rer Li­qui­di­tät gehabt.“

Für 36 Prozent der Handwerkschefs sah dies hingegen anders aus: Sie waren auf­grund der schockartigen Verzerrung des gesamten Wirt­schaftsge­schehens in unterschiedlichen Eskala­tions­stufen mit Li­qui­ditätsengpässen konfrontiert, um die sie sich zügig kümmern mussten.

Hinsichtlich der Größe des Liquiditätsproblems  meldet in Summe ein Anteil von rund 70 Prozent der Betriebsinha­ber, die Sache gut in den Griff bekommen zu haben.

Rund 30 Prozent sahen sich jedoch mit ei­nem Engpass konfrontiert, den 27,6 Prozent mit „schwierig“ und 2,6 Pro­zent sogar mit „aussichtslos“ beurteilen. „Das Friseurhandwerk, die Kosmetiker und die Messe­bauer waren in den ersten Monaten der Pan­demie sehr stark betroffen. Von einem Tag auf den ande­ren fielen große Teile oder der gesamte Umsatz aufgrund der Un­tersagung der Tätigkeit oder auf­grund der Auftragsstor­nierung für Messen weg“, er­läutert Dip­lomkaufmann Kurt Krüger, Leiter der Un­ternehmensbe­ratung der Kammer. „Wir haben in dieser Zeit unser Bestmögliches getan, in Schwierig­keiten geratene Betriebe bezüglich der ver­schiedenen staatlichen Hilfsangebote zu beraten oder zum Beispiel bei der Vorbe­reitung für ihr Ge­spräch mit der Hausbank  zu helfen.“

Soforthilfe, Privatkapital, Kurzarbeit

Aufgrund der zusätzlich und recht zügig angebotenen Zuschüsse seitens der Bundesregierung standen den Unternehmen neben den klassischen Möglich­keiten zur Lösung ihrer Liquiditätsengpässe wie der Beantragung ei­ner öffentlichen Bürgschaft oder ei­nes KfW-Kre­dites  zwei neue staatliche An­gebote zur Verfü­gung.

In den meisten Fällen wurde die Soforthilfe von Bund und Land in Anspruch genom­men. 66 Pro­zent haben sie be­antragt und er­halten. An zweiter Stelle haben 35 Prozent Kurzarbei­tergeld be­willigt bekommen. 27 Prozent führten ihrem Betrieb  ei­genes Kapital zu und 20 Prozent konnten Stun­dungen beim Fi­nanzamt, der Sozialversi­cherung, beim Ver­mieter etc. erreichen.

Aktuelle Lage

Stand September 2020 melden nur noch 14 Prozent der Handwerksbetriebe, ein Liquiditätsproblem zu ha­ben. Im Durchschnitt benötigen sie 36.500 Euro Kapi­tal, um es zu lösen und wieder in sicheres Fahrwasser zu kommen. Die Spanne an benötigtem Kapital reicht bei denen, die dazu Auskunft gaben, von 2.000 Euro bis 200.000 Euro.

„Insgesamt halten wir diesen Finanzbedarf zur Been­dung des Liquiditätproblems in den meisten Fällen für lösbar“, meint Peter Deckers. „Dass 86 Prozent aktuell keine Sorgen mehr ha­ben, ist hervorra­gend! Allerdings ist das Andauern die­ser positiven Lage abhängig von der Gesamtdauer der Pandemie und den Einschränkungen. Die Unsicherheit drückt nicht nur auf die Investitionsbereitschaft unserer Mitgliedsbe­triebe, sondern auch auf das Konsum- und Nachfra­geverhal­ten von Verbrauchern und gewerblichen Kun­den.“  

 Info: Alle Umfragen der Handwerkskammer stehen unter www.hwk-aachen.de/umfragen  zum Download bereit.