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Handwerkskammer Aachen

News 10.06.2021Vorteil Vielfalt

NRW-Integrationspreis für Elektro Ohligschläger. Geselle aus Simbabwe wird Botschafter.

Würselen. Die Unterschiedlichkeit seiner Beschäftigten ist für Sven Ohligschläger ein großes Plus, von dem sein Unternehmen Tag für Tag profitiert. Deshalb ist der „Diversity-Tag“ am 18. Mai für den Elektrotechnikermeister und seinen Vater Johann, ebenfalls Elektrotechnikermeister und wie sein Sohn Geschäftsführer im Würselener Betrieb, ein ganz besonderer. Denn da erhält das Unternehmen für seine vorbildlichen Leistungen im Hinblick auf die Beschäftigung von Menschen aus verschiedenen Kulturen den Integrationspreis des Handwerks NRW. Und zusätzlich wird auch noch sein junger Geselle aus Simbabwe zum Botschafter des Handwerks ernannt.

Der Integrationspreis des Handwerks NRW wird zum zweiten Mal verliehen, jeweils in allen sieben Kammerbezirken des Bundeslandes. Eigentlich sollten die Auszeichnungen im vergangenen Jahr zentral und feierlich überreicht werden, aber das war wegen Corona nicht möglich. „Umso schöner, dass es heute im kleinen und exklusiven Format klappt“, sagt Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer Aachen, der die Urkunde überreicht. Der „Diversity-Tag“ im Rahmen der Charta der Vielfalt, an dem viele Organisationen unterschiedliche Zeichen der Vielfalt in der Arbeitswelt setzen, eignet sich bestens.

Geehrt werden vor allem die Leistungen als Ausbildungsbetrieb. „Sie bilden regelmäßig handwerklichen Nachwuchs aus und geben dabei auch zugewanderten Menschen eine Berufsperspektive. Diese Menschen erhalten bei Ihnen nicht nur einen Ausbildungsvertrag, sondern werden in Ihrem Betrieb in ein kollegiales Umfeld aufgenommen und finden so auf direktem Weg in die hiesige Kultur, Sprache und Arbeitswelt“, lobt Herwartz das Engagement des Betriebs. „So funktioniert Integration. Und das Handwerk ist dankbar, hierdurch gute und dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen.“

Das Elektrounternehmen Ohligschläger bildet derzeit sechs Lehrlinge aus. Dazu gehören zwei junge Männer, die aus Afghanistan beziehungsweise Syrien geflüchtet sind. Ein weiterer Auszubildender aus Simbabwe, Innocent Mhlanga, hat die Gesellenprüfung bestanden und arbeitet nun als Fachkraft für den Betrieb mit einem hohen Maß an Verantwortung.

Bei der offiziellen Übergabe der Urkunde „Integrationspreis Handwerk NRW“ für den Bezirk der Handwerkskammer Aachen, die unterzeichnet ist von NRW-Integrationsminister Joachim Stamp und den Spitzenvertretern des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT), gratuliert Herwartz den Geehrten und äußert den Wunsch, dass viele Betriebe ihrem Beispiel folgen. Zum Preisgeld in Höhe von 500 Euro gibt es noch eine Überraschung: eine Video-Grußbotschaft des Ministers, eingespielt über Tablet, der die besondere Integrationsleistung des Handwerks im Namen der Landesregierung würdigt.

Für Sven Ohligschläger, der sich im Vorstand der Fachinnung für Elektrotechnik Aachen ehrenamtlich einbringt, stellt die erfolgreiche Ausbildung von Menschen mit Einwanderungsbiografie eine „Win-win-Situation“ dar. Um die Aufgabe für alle zufriedenstellend zu bewerkstelligen, tauscht er sich regelmäßig mit den Willkommenslotsen der Kammer, Marlene Kretz und Ralf Eylmanns, aus. Bei der Übergabe ruft Ohligschläger die inzwischen leider verstorbene frühere Kammermitarbeiterin Barbara Lüke-Kreutzer in Erinnerung, die mit viel persönlichem Einsatz, ihrer wertschätzenden und herzlichen Art ausgesprochen engagiert für die Integration im Handwerk geworben habe.

Das Elektrounternehmen Ohligschläger beschäftigt derzeit 14 Mitarbeitende. Angefangen von Opa Ohlligschläger bis zu Svens Mutter, die die Buchhaltung im Griff hält. Seit März lernt eine junge Auszubildende im Unternehmen. Denn Ohligschläger ist wichtig, dass Frauen ihre Chancen im Handwerk bekommen.

„Alle sind im Betrieb groß geworden“, sagt Sven Ohligschläger über seine Mitarbeiter. Jeden Morgen treffen sich alle Monteure und Auszubildende, um den Tag zu besprechen und die Montagewagen auszurüsten. Die Auszubildenden sind von Anfang an in alle Aufgabenbereiche eingebunden. Tages- und monatliche Fachberichte unterstützen den Ausbildungsprozess. „Man macht nie alles richtig“, sagt Sven Ohligschläger. Transparenz, Kritikfähigkeit und Teamfähigkeit sind ihm wichtig. Außerdem eine flache Hierarchie.

Hassan Mohsen ist vor fünf Jahren gemeinsam mit seiner Schwester und seinem Neffen aus Syrien nach Deutschland gekommen. In Syrien war er Englischlehrer. Jetzt führt er an der Seite der anderen Auszubildenden ein komplett anderes Leben. Er findet das duale System der Ausbildung gut und sieht Deutschland als eine große Chance. Zunächst bedeutete der Erwerb der deutschen Sprache eine echte Herausforderung: „Ich habe dann aber sehr schnell Deutsch gelernt. In weniger als zwei Jahren habe ich das Niveau C1 erreicht. Mein Wunsch war es, schnell zu sein, und noch immer lerne ich jeden Tag etwas Neues. Hier hilft mir meine Leidenschaft Lesen.“ Im Internet habe er sich auf die Suche nach einer Ausbildung gemacht und in den meisten Fällen auf seine Bewerbungen eine Absage erhalten. „Bei Elektro Ohligschläger ist die Chance auf eine sehr gute Ausbildung groß. Es herrscht eine gute Atmosphäre und es geht von Anfang an um die menschliche Ebene“, so Hassan. „Das hat mich sehr motiviert und beeinflusst. Ich bin immer neugierig und möchte alles wissen.“ Wenn etwas gut ist, begegnet einem auch das Gute, meint Hassan Mohsen.
Safiullah Serat aus dem Iran ist 25 Jahre alt und lebt seit 2015 in Deutschland. Auch ihm haben die Willkommenslotsen der Handwerkskammer Aachen die Hand gereicht, damit er einen Weg in die Ausbildung finden konnte. „Ich versuche immer mein Bestes“, berichtet er. „Ich muss mit allen sprechen. Das hilft mir.“ Auf die Frage nach seinem Lebensmotto antwortet er, das es wichtig sei, immer zuvorkommend zu sein.

Sprechen und stetiges Lernen sind auch Innocent Mhlanga wichtig. Der Mann aus Simbabwe wird am „Diversity-Tag“ von Ralf Eylmanns, Handwerkskammer Aachen, zum „Botschafter des Handwerks“ ernannt. Er nimmt ab jetzt aktiv eine wichtige Rolle im gleichnamigen Projekt der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) ein. Sein Betrieb unterstützt dieses Engagement.

Innocent Mhlanga war im vergangenen Jahr Klassenbester in der Berufsschule. Eine echte Erfolgsgeschichte, denn vor mehr als sechs Jahren machte sich der 1994 geborene Afrikaner alleine auf den Weg nach Europa. „Mein Vater hat gesagt: ‚Du musst nach Deutschland!‘ So bin ich schließlich in Düsseldorf aus dem Flugzeug gestiegen und war einigermaßen orientierungslos. Ein Bekannter sagte mir, ich solle nach Aachen gehen.“ Eine Frau bot ihm Unterstützung an und so fand er einen Platz in einer Wohngemeinschaft. Er wusste, dass er etwas Technisches lernen wollte und erhielt Kontakt zur Handwerkskammer. Nach vier Tagen des zweiwöchigen Praktikums war der Weg in die Ausbildung klar, denn Sven Ohligschläger wusste da schon, dass der junge Mann in sein Team und die familiären Strukturen passt. Damit behielt er Recht.

Innocent Mhlanga hat einen sehr guten Weg gefunden, ehrgeizig und einsatzbereit seine Ziele verwirklicht. Seine Geschichte beweist die Richtigkeit des Slogans aus der Imagekampagne des Deutschen Handwerks: "Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hinwill."

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