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Was machen Sie für unser Handwerk?

News 13.10.2021

Fragen an die Bundestagsabgeordneten aus dem Kammerbezirk. Und ihre Antworten.

Aachen. Die Wahl ist vorbei, die Besetzung des neuen Bundestags steht fest. 14 Abgeordnete aus dem Kammerbezirk Aachen gehören dem neuen Berliner Parlament an. Stellvertretend für das Handwerk in der Region hat Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer Aachen, den Abgeordneten Fragen gestellt, auf die sie kurz und knapp antworten sollten. Die Hälfte der per Direktmandat oder über Landesliste der Partei eingezogenen Abgeordneten antworteten bis zum Redaktionsschluss. Die fehlenden Statements veröffentlichen wir gerne, wenn sie vorliegen, in der nächsten Ausgabe der „Handwerkswirtschaft“. 

Die Fragen:

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Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer Aachen:

Sie gehören dem neu gewählten Deutschen Bundestag als Abgeordnete beziehungsweise Abgeordneter an. Was werden Sie gezielt tun, um …

  1. … die Handwerksbetriebe mit ihren vielen Beschäftigten bei den Personalkosten und im Hinblick auf Steuerzahlung und Bürokratie zu entlasten?
  2. … die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung herzustellen?
  3. … den Meistertitel als Qualitätssiegel im Handwerk zu bewahren? Es hat sich gezeigt, dass die „Rückvermeisterung“ in einzelnen Berufen zu einer Steigerung der Ausbildungsquote geführt hat. Setzen Sie sich für eine Rückkehr der Meisterpflicht auch in anderen Berufen ein?
  4. … mithilfe der Digitalisierung Verwaltungsprozesse, Anmeldevorgänge und Datenübermittlung zu verschlanken und zu beschleunigen?
  5. … die Wachstumsmöglichkeiten für mittelständische Unternehmen zu verbessern und Anreize zu schaffen, auf neuen Geschäftsfeldern aktiv zu werden?
  6. Und eine persönliche Schlussfrage: Was schätzen Sie persönlich am Handwerk?

Die Antworten:

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Oliver Krischer, Aachen, und Lukas Benner, Städteregion Aachen, Bündnis 90/Die Grünen (gemeinsame Antwort):

  1. Wir wollen Steuererleichterungen dort, wo sie nachhaltig und zielgerichtet sind. Mit einer degressiven Abschreibung von mindestens 25 Prozent fördern wir Investitionen in die Modernisierung der Wirtschaft. Auch wollen wir die Eigenkapitalbasis der Unternehmen stärken, indem wir die Besteuerung verbessern.
  2. Die Durchlässigkeit vom Studium zum Handwerk und zurück sollte selbstverständlich werden, genauso wie internationaler Austausch und Zugang zu Stipendien. Der Meisterbrief soll wie ein Studium kostenfrei sein.
  3. Qualifizierter Nachwuchs ist für die Zukunft des Handwerks essenziell. Die schwarz-rote Koalition hat 2020 die Meisterpflicht für zwölf vorher zulassungsfreie Handwerksberufe wieder eingeführt. Das allein löst die Probleme nicht. Die aktuelle Überarbeitung der Handwerksordnung bringt wenig Fortschritt.
  4. Wir wollen eine digitale, gut aufgestellte Verwaltung und einfachere Steuerregeln. Es reicht, wenn Unternehmen Behörden ihre Unterlagen nur einmal vorlegen. Bei einem Jahresumsatz von weniger als zwei Millionen Euro können Unternehmen Anschaffungen bis 1.000 Euro sofort abschreiben.
  5. Wir planen, mit einer Investitionsoffensive 500 Milliarden Euro in klimafreundliche Technologien, innovative Geschäftsideen und moderne Infrastrukturen zu investieren.
  6. Alles :-)

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Catarina dos Santos, Städteregion Aachen, CDU:

  1. Wir müssen an drei Stellschrauben arbeiten: Erstens darf es keine neuen Belastungen durch Steuern oder Bürokratie geben. Zweitens müssen wir überflüssige Bürokratie abbauen. Drittens müssen Prozesse optimiert werden.
  2. Ich stehe für die Gleichwertigkeit der Bildungssysteme. Als Politik müssen wir mehr Gewicht auf die Ausbildung junger Menschen als Handwerker und Facharbeiter legen. Auch muss jedem Bildungsweg mit Respekt und Wertschätzung begegnet werden.
  3. Ja, denn der Meisterbrief ist die beste Garantie für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft im Handwerk.
  4. Die Digitalisierung bietet große Chancen, den Menschen wieder Zeit für den eigentlichen Beruf zu geben. Hier müssen Verfahren beschleunigt, vereinfacht und digitalisiert werden. Dieser Prozess muss eng begleitet werden.
  5. Menschen, die Neues denken, Neues wagen und unternehmerische Risiken eingehen, müssen wir unterstützen. Besonders unsere Handwerksbetriebe sind mit ihrer Expertise entscheidend. Wir werden dabei unterstützen, genügend Fachkräfte auszubilden.
  6. Besonders schätze ich die Fähigkeit, aktiv mit seinen eigenen Händen etwas zu schaffen und den Mut, immer wieder neue Lösungen zu finden.

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Markus Herbrand, Kreis Euskirchen, FDP:

  1. Wir senken die Unternehmenssteuerlast auf 25 Prozent und verschlanken die Vergabe-, Register- und Informationsabstimmungen. Wir verbessern Abschreibungsbedingungen, senken die Abgabenquote auf unter 40 Prozent, schaffen den Solidaritätszuschlag ab und machen die Vorfälligkeit bei der Abführung von Sozialversicherungsbeiträgen rückgängig.
  2. Wir wollen unser berufliches Bildungssystem stärken und dafür eine Exzellenzinitiative Berufliche Bildung auf den Weg bringen sowie der beruflichen Bildung den gleichwertigen Zugang zu Begabten-Förderungswerken und zum Deutschland-Stipendium ermöglichen.
  3. Wir wollen fünf Jahre nach der letzten Novelle zur Handwerksordnung die Auswirkungen evaluieren. Zusätzlich brauchen wir aber eine europarechtliche Absicherung des Meisterbriefs.
  4. Wir fordern einen Digitalpakt 2.0 für mehr Finanzmittel zum Leistungsausbau sowie zur Qualifizierung von IT-Fachleuten. Zudem bedarf es einer weiterreichenden Verwaltungs- und Föderalismusreform.
  5. Die Entscheidung, in neue Geschäftsfelder zu investieren, unterstützen wir durch ausreichend Fachkräfte, Innovationsförderung, Investitionen in die Infrastruktur sowie durch Entlastungen.
  6. Für mich wären ohne die Expertise und das Vertrauensverhältnis mit Handwerkspartnern viele Projekte nicht realisierbar.

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Wilfried Oellers, Kreis Heinsberg, CDU:

  1. Die Fleißigen und Tüchtigen im Handwerk müssen entlastet werden. Ich bin für die Deckelung der Lohnzusatzkosten auf maximal 40 Prozent, für die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, für eine umfangreiche Bürokratieentlastung bei Melde- und Berichtspflichten, für die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags und dafür, dass Gewinne, die im Unternehmen verbleiben, mit maximal 25 Prozent besteuert werden.
  2. Mit dem Aufstiegs-BAföG haben wir mehr Fördermöglichkeiten für Handwerker geschaffen, die Meister werden wollen. Ich bin für weiteren Ausbau des Aufstiegs-BAföG und für mehr Berufsorientierung in den Schulen, um gleichwertig für Beruf und Studium zu werben.
  3. Ja. Der Rückvermeisterung habe ich mit großer Überzeugung zugestimmt. Der Meisterbrief steht für Qualität und Ausbildungsbereitschaft. Daher setze ich mich dafür ein, alle damaligen Meisterpflichten wieder einzuführen.
  4. Digitalisierung muss Vorrang haben. Ich bin für einen modernen Staat, der schnelle, digitale und einfache Verwaltungsstrukturen hat.
  5. Wir müssen durch Anreize Innovationen in neue Technologien, Ideen und Erfindungen anstoßen, anstatt durch Verbote Innovationen zu blockieren.
  6. Hohe Qualität, Fleiß und Ideenreichtum.

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Ye-One Rhie, Aachen, SPD:

  1. Ich möchte das Handwerk unterstützen. Das Handwerk schafft Arbeit für viele Menschen und wird in der ökologischen Transformation eine bedeutende Rolle spielen. Bürokratische Vorschriften müssen immer wieder kritisch auf ihren Nutzen hinterfragt werden. Außerdem wollen wir Gebühren für Techniker- und Meisterkurse abschaffen.
  2. Eine gerechtere Entlohnung ist ein wichtiger Baustein, um die Gleichwertigkeit von Berufen zu fördern. Deswegen setzen wir uns für die Tarifbindung im Handwerk ein und möchten die Verknüpfung von beruflicher Bildung, Schule und Hochschule fördern.
  3. Ja, ich stehe für den Erhalt und die Förderung des Meistertitels.
  4. Wir stehen für eine Gigabit-Gesellschaft, in der alle Bürger und Unternehmen mit einer Bandbreite von mindestens einem Gigabit pro Sekunde versorgt werden.
  5. Wir stehen für einen aktiven, starken Staat, der als strategischer Investor, Ordnungs- und Gestaltungskraft am Wirtschaftsleben teilnimmt. Diese Investitionskraft bedeutet Innovations- und Wachstumsmöglichkeiten für Unternehmen.
  6. Ich schätze die Kleinteiligkeit der Betriebe und den direkten Kontakt. Ich habe hohen Respekt vor der Leistung des Handwerks in der Ausbildung und Integration junger Menschen.

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Thomas Rachel, Kreis Düren, CDU:

  1. Es bedarf eines umfangreichen Entfesselungspakets. Konkret: keine Vermögenssteuer oder Erhöhung der Erbschaftssteuer, Lohnzusatzkosten von maximal 40 Prozent, Abbau überflüssiger Bürokratie und eine Modernisierung des Vergaberechts.
  2. Diese Gleichwertigkeit ist mir ein Herzensanliegen. Dafür gilt es, den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) als Transparenz-Instrument zu stärken und das Aufstiegs-BAföG weiterzuentwickeln.
  3. Der Meisterbrief ist die beste Garantie für Qualitätsarbeit und Innovationskraft im Handwerk. Über eine Rückkehr der Meisterpflicht in weiteren Berufen muss gesprochen werden.
  4. Damit sich Betriebe schnell und einfach auf öffentliche Aufträge bewerben können, setze ich mich dafür ein, die E-Vergabe zu vereinheitlichen und die Vergabe öffentlicher Aufträge auf elektronischem Weg voranzutreiben.
  5. Damit die Wirtschaft wieder in Schwung kommt, dürfen Unternehmen keine neuen Belastungen auferlegt werden. Wenn Handwerksbetriebe ihre Kernkompetenzen nutzen, sind sie wettbewerbsfähiger und können neue Geschäftsfelder austesten.
  6. Das Handwerk ist der Kern und Motor des deutschen Mittelstands. Handwerk steht für Qualität. Besonders schätze ich die regionale Verwurzelung und den wichtigen Beitrag, den das Handwerk als Ausbilder der Nation leistet.