Lukas Fackeldey (Foto) aus Düren hat bei der Thermopor Glas GmbH in Düren den Beruf des Glasers gelernt und ging aus der Prüfung als Kammersieger der Handwerkskammer Aachen hervor. Als Gesellenstück fertigte er eine Leuchte in Form eines Glasintarisen-Mosaiks.
Foto: Anna Petra Thomas
Lukas Fackeldey (Foto) aus Düren hat bei der Thermopor Glas GmbH in Düren den Beruf des Glasers gelernt und ging aus der Prüfung als Kammersieger der Handwerkskammer Aachen hervor. Als Gesellenstück fertigte er eine Leuchte in Form eines Glasintarisen-Mosaiks.

Wenn Schaufenster zu 'Fenster durch die Zeit' werden

News 13.10.2020

Meisterprüfung der Glaser in NRW hat das Begas-Haus als Thema. Heinsberger Kunstglasermeister Achim Thomas Prüfer.

 Von Anna Petra Thomas

Heinsberg. Ein barockes Schloss oder der Stil vom Weimarer Bauhaus, die Architektur und ihre stilistischen Ausprägungen sind seit Umstellung der Prüfungsordnung die Themen bei der jährlichen Meisterprüfung der Glaser in Nordrhein-Westfalen. Achim Thomas, Heinsberger Kunstglasermeister und mit fast 30-jähriger Prüfungstätigkeit einer der dienstältesten Ehrenamtler im Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer zu Köln – in der Aachener Kammer kann der Meister in diesem Beruf nicht gemacht werden – , hatte sich diese neuen Prüfungsthemen für die angehenden Glasermeister einmal in seine Heimatstadt Heinsberg gewünscht. Dieser Traum ist nun wahr geworden. Zwei der jungen Meister stellen ihre Werke zum Thema Begas-Haus auf Einladung des Museums sogar bis Ende Oktober vor Ort aus.

Thematisch eingebettet war die Prüfung der 14 angehenden Glasermeister in die Architektur, in die Geschichte und nicht zuletzt in die aktuelle Nutzung des Hauses als Museum für die Heinsberger Künstlerdynastie Begas und für die regionale Geschichte. Hier hatten dann auch die Aufgaben für die Fertigung des Meisterstücks ihren Ursprung, die alle Meisterschüler von der Handwerkskammer zu Köln im Vorbereitungskurs der Glaserinnung NRW in Rheinbach erhielten. Fiktiv sollte im Rahmen der praktischen Arbeit ein Kundenwunsch realisiert werden. Dr. Rita Müllejans-Dickmann, Leiterin des Museums, fiel es nicht schwer, beim Besuch von Achim Thomas eine ganze Reihe von Wünschen zu formulieren, die dieser dann in Prüfungsaufgaben umsetzte.

„Ich freue mich sehr, dass nach einem so bekannten Namen wie dem Weimarer Bauhaus in diesem Jahr die Wahl auf unser Haus gefallen ist“, freute sie sich beim Rundgang mit dem Kunstglasermeister. Dabei kristallisierten sich schnell einige Punkte im Museum heraus, die tatsächlich durch meisterlich gestaltete Verglasungen oder Glasobjekte eine weitere Aufwertung erfahren könnten. „Ich finde diese Art der Umsetzung von Prüfungsarbeiten sehr praxisnah und zugleich sehr herausfordernd für die angehenden Meister“, sagte sie.

Die Meisterschüler hatten dem Konzept des Heinsberger Kunstglasermeisters zufolge die Wahl zwischen gleich neun zum Teil ganz unterschiedlichen Aufgabenstellungen, was die zu verwendende Technik der Glasbe- und -verarbeitung betraf. Das 13 Seiten umfassende Prüfungsheft stellte ihnen dabei zunächst das Begas-Haus in seiner Geschichte und in seiner Architektur vor. Weiterhin ging es auf die aktuelle Nutzung ein und gab einen Überblick über die einzelnen Räumlichkeiten.

Was folgte, waren die konkreten Aufgaben. Eine davon war, für die Oberlichter der Schaufenster in der Gebäudefront künstlerische Verglasungen anzufertigen, mit zwei Veredlungstechniken. Marc Urmetzer aus Köln stellte sich dieser Herausforderung und lieferte neben einem umfassenden, schlüssigen Konzept auch die beste Projektarbeit der diesjährigen Prüfung ab. Der junge Meister hatte sich nicht nur mit der Architektur des Gebäudes auseinandergesetzt, sondern sogar bei der Unteren Denkmalbehörde die Möglichkeiten der Realisierung eines solchen Projekts ausgelotet.

Er entwarf eine Art Triptychon im klassizistischen Stil mit drei Verglasungen, die sich wiederholen und sich so über die beiden Schaufenster mit ihren insgesamt zwölf Oberlichtern erstrecken könnten. Das mittlere Element zeigt jeweils das Wappen der Familie Begas, rechts und links können kreisrunde Motive in Sandstrahltechnik eingefügt werden. Für sein Meisterstück wählte Marc Urmetzer eine Weinrebe in Bezug zum Gemälde „Die Winzerfamilie“ und eine Sonne, mit der er die Italienzeit von Carl Joseph Begas des Älteren assoziierte. In seiner Farbauswahl beschränkte er sich auf die Farben des Wappens, Blau und Gelb.

Die Verwendung von überwiegend hellen Farben und von weißem Glas lasse dennoch ausreichend Licht und störe die Öffnung durch die großen Schaufenster und die offene Innenarchitektur nicht, schreibt er zu seinem Werk. „Durch die historische Fassade von außen und die moderne, funktionale und helle Gestaltung von innen wirken diese Schaufenster wie ein ‚Fenster durch die Zeit‘“.

Neben diesem Meisterstück wird im Begas-Haus als zweites Werk eine Vitrine zu sehen sein, in der die kunstgewerblichen Gegenstände passend zum Thema des Gemäldes „Die Loreley“ von Carl Joseph Begas präsentiert werden können. Sie birgt in ihrem Innern als technische Finesse die Fähigkeit, die Schwingungen des Holzbodens im Museum aufzufangen.

Weitere Wünsche der Museumsleiterin, die ebenfalls von einzelnen Schülern realisiert wurden, waren eine Glaskonstruktion im Eingangsbereich an Stelle der hölzernen Prospektständer, eine neue Vitrine für den Kassenraum oder die Schaffung einer Glaskonstruktion mit beweglichen Teilen unter dem Treppenaufgang im Neubau des Museums.

Der Aufgabe, für die Eingangstür zur Museumsverwaltung eine Glasfläche zu schaffen, welche der Ornamentik des Oberlichts folgen sollte, passend zum Stil des Kurfürsten Carl Theodor, dessen Monogramm hier erkennbar ist, stellte sich keiner der Prüflinge. Gleiches gilt für das Oberlicht des früheren Museumseingangs oder das Sprossenfenster gleich daneben. Dafür hätte sich Dr. Rita Müllejans-Dickmann, natürlich auch ganz fiktiv, eine vorgesetzte Bleiverglasung im Stil der Epoche gewünscht. Ebenfalls als Bleiverglasung oder auch als gestaltete Glasfläche, die dann aber mindestens drei Techniken der Glasveredlung präsentieren soll, wünschte sich die Museumsleiterin einen zugleich mobilen wie standfesten und blickdichten Paravent im oberen Atelier, mit dem der Durchgang in den nächsten Gebäudeteil bei Veranstaltungen auf der Sonderausstellungsfläche verschlossen werden kann. Dieser Aufgabe widmeten sich gleich mehrere Meisterschüler.

Eigentlich hätte es für alle Meisterschüler einen gemeinsamen Besuch im Begas-Haus geben sollen, eine Ausstellung im Begas-Haus und auch eine große Meisterfeier in Heinsberg. All das fiel jedoch der Coronavirus-Pandemie zum Opfer. Die Handwerkskammer habe ihm jedoch zugesagt, die Prüfung mit der Aufgabenstellung Begas-Haus in einigen Jahren noch einmal zu wiederholen, erklärt Achim Thomas. Bis dahin wird er dann bestimmt der dienstälteste Meisterprüfer der Glaser in Nordrhein-Westfalen sein.

Info: Stolz ist Achim Thomas nicht nur auf die Erfolge der jungen Meister, sondern auch auf den seines eigenen Gesellen. Lukas Fackeldey (Foto) aus Düren hat bei der Thermopor Glas GmbH in Düren den Beruf des Glasers gelernt und ging aus der Prüfung als Kammersieger der Handwerkskammer Aachen hervor. Als Gesellenstück fertigte er eine Leuchte in Form eines Glasintarisen-Mosaiks.