Freundliches Kreuzverhör: Kammerpräsident Marco Herwartz (Mitte) stellte sich den Fragen der Jungen Handwerksunternehmer. Zum Gespräch eingeladen hatten AJH-Vorsitzender German Gonzales-Arias und seine Stellvertreterin Klaudia Magyar, Goldschmiedemeisterin. Foto: Elmar Brandt
Handwerkskammer Aachen
Freundliches Kreuzverhör: Kammerpräsident Marco Herwartz (Mitte) stellte sich den Fragen der Jungen Handwerksunternehmer. Zum Gespräch eingeladen hatten AJH-Vorsitzender German Gonzales-Arias und seine Stellvertreterin Klaudia Magyar, Goldschmiedemeisterin. Foto: Elmar Brandt

Wer fragt gewinnt

News 14.07.2020

AJH im Gespräch…mit Marco Herwartz, dem neuen HWK-Präsidenten

Aachen. Was macht eigentlich ein Handwerkskammer-Präsident? Diese Frage würde Marco Herwartz wahrscheinlich beim Besuch einer Grundschulklasse erwarten. Der Ende April in dieses Amt Gewählte sitzt aber nicht vor kleinen Mädchen und Jungen, die ihn neugierig anschauen, sondern vor erwachsenen Handwerkerinnen und Handwerkern. Die sind aber auch sehr neugierig. Denn sie wollen den neuen, „ihren“ neuen Präsidenten kennenlernen. Sie wollen hören, was er in den nächsten Jahren vorhat. Und sie wollen ihm ihre Anliegen mit auf dem Weg geben. Das wird aber erst später im Gespräch deutlich.

Die Gäste sind der Einladung des Arbeitskreises Junger Handwerksunternehmer im Kammerbezirk Aachen gefolgt. Und so ist Marco Herwartz an diesem Abend in „seiner“ Handwerkskammer ein Gast. In der Reihe „AJH im Gespräch mit….“ stellt er sich diesmal den Fragen und Meinungen.

Ein Kreuzverhör, wie es AJH-Vorsitzender German Gonzales-Arias spaßeshalber androht, wird es nicht, aber trotz locker-lebendiger Atmosphäre im Konferenzzentrum der Kammer wird schnell deutlich, dass sich die Mitglieder des Arbeitskreises darüber freuen, dass ein junger Kollege nun das Handwerk an erster Stelle vertritt, damit aber auch einige Wünsche, Chancen und Erwartungen verbinden.

Zunächst einmal geht es um die Rahmenbedingungen. Eben um die Frage: Was macht eigentlich so ein Handwerkskammer-Präsident? Hier erzählt Marco Herwartz, dass er sich vorgenommen hat, in der Woche etwa 2,5 Tage für das Amt des Präsidenten einzuplanen. Vor seiner Wahl, als Vizepräsident der Kammer, waren es 1,5 Tage. Der junge Unternehmer weiß, dass er ein politisches Amt ausführt, aber er hat auch ein funktionierendes Elektrounternehmen in Aachen-Eilendorf mit Mitarbeitern, das er natürlich erfolgreich fortsetzen möchte. „Ich möchte das Amt im Sinne der Handwerksbetriebe ausfüllen und nicht irgendwelche eigenen Vorteile für meinen Betrieb daraus ziehen“, sagt er. Mit Freude bringt er sich auch in die Arbeit auf NRW- und Bundesebene ein und schätzt es sehr hoch ein, dass Handwerk darüber seine Sorgen, Anregungen und Wünsche im Verbund weitertragen kann.

Ein sehr wichtiges Thema ist ihm die Ausbildung, die Sicherung von Fachkräften. Er kennt die Nöte der Betriebe, die händeringend nach Lehrlingen und gut ausgebildeten Handwerkern suchen und hat es sich auf die Fahne geschrieben, hier Impulse zu setzen, um junge Leute ins Handwerk zu holen. Herwartz bezeichnet sich selber als „positiv gestimmter Mensch“, der es als ein großes Privileg ansieht, dass wir in Frieden und Sicherheit leben dürfen. Das müsse man sich bei allem notwendigen Klagen immer wieder bewusst machen.

Von AJH-Seite erhält Marco Herwartz jedenfalls Zustimmung. Seine Mitglieder sehen es als cleveren Schachzug der Handwerkskammer an, nun einen jungen Präsidenten nach vorne gebracht zu haben, der mit frischen Ideen für neuen Schwung sorgen soll. Das hat Marco Herwartz definitiv vor, und neben der Ausbildung ist ihm auch die Förderung und Wertschätzung des Ehrenamtes, ohne das im Handwerk nichts laufe, sehr wichtig. Er habe schon viele ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeführt und dabei auch für sich selber viele positive Erfahrungen sammeln können. Er bestärkt Unternehmen darin, Mitarbeitern die Möglichkeit einzuräumen, ehrenamtlichen Aufgaben nachzugehen. Nur so könnten das Prüfungssystem und die Interessenvertretung des Handwerks aufrechterhalten werden.

Was die Fachkräftesicherung angeht, haben die Gäste der AJH-Veranstaltung dann noch die Bitte, auch über Geld zu sprechen. Denn Nachwuchskräfte seien nur zu gewinnen und zu halten, wenn das Handwerk für angemessene Bezahlung sorge. Ja, das sei ein wichtiger Punkt, so Herwartz, aber nicht alles. Denn das Entgelt für Auszubildende sei kein Gehalt, da sie ja noch in der Lernphase seien, sondern eine Vergütung. Klar sei aber auch, dass es deutlicher gemacht werden müsse, dass man als gut ausgebildete Fachkraft im Handwerk und gegebenenfalls als Meister und/oder Betriebswirt in seinem beruflichen Leben auch gutes Geld verdienen könne. Bei der Frage nach gerechter Bezahlung seien die Tarifpartner gefordert, passende Lösungen zu finden. Deutlich wird in der Diskussion mit den Handwerkern dabei auch, dass die Kunden, wenn höhere Löhne gezahlt werden sollen, auch bereit sein müssen, für Leistungen und Produkte mehr zu bezahlen. Denn woher sollen die Betriebe sonst das Geld nehmen, um ihre Beschäftigten besser zu bezahlen? Präsident Marco Herwartz fordert generell Solidarität unter den Handwerkern, die gemeinsam für Ziele einstehen und in der Umsetzung verlässlich handeln sollten.

Handwerk ist Emotion. Da sind sich die Diskussionspartner einig. Und Handwerker sind Persönlichkeiten, die ihre Begeisterung und ihre Leidenschaft für ihren Beruf und für ihre Leistung transportieren sollten. Es komme letztlich auf das Verhalten aller an, das Image des Handwerks aufzupolieren und dafür zu werben. Dazu gehört: neue Medien zu nutzen und gemeinschaftlich Aktionen zu starten, die das Handwerk ins gute Licht rücken. Vom Präsidenten der Handwerkskammer, dem Vorstand und der Vollversammlung erwarten die AJH-Mitglieder, dass sie „Handwerkspolitik machen“ und ihre Erfolge in der Lobbyarbeit auch deutlich machen.