Wanja Mahmoud und Marsha Kogel freuen sich, dass die Stammkunden Irene und Jürgen Nobis auch nach Bardenberg kommen fürs "Delze". Foto: Doris Kinkel-Schlachter
Handwerkskammer Aachen
Wanja Mahmoud und Marsha Kogel freuen sich, dass die Stammkunden Irene und Jürgen Nobis auch nach Bardenberg kommen fürs "Delze". Foto: Doris Kinkel-Schlachter

News 12.05.2021Zartschmelzende Verführung

In der ehemaligen Metzgerei Grafen geht jetzt Eis über die Theke

Bardenberg. Metzgerei Grafen: Franz-Josef Portz macht sich schnell sein Spargel-Süppchen warm, das Kathi Grafen ihm gekocht hat. Auf der Straße stehen die Leute Schlange. Im Verkaufsraum reichen Marsha Kogel und Wanja Mahmoud spachtelweise Eis über die Theke, Vanille und Schoko, Nuss und Zitrone sowie weiße Schokolade als heutiges „Special“. Schnell sind die Töpfe leer, Portz sorgt für Nachschub.

Das legendäre Delzepich-Eis, das seit den 50er Jahren an der Bismackstraße in Aachen produziert wurde, wird seit dem 1. April in der ehemaligen Metzgerei Grafen an der Dorfstraße in Bardenberg hergestellt. Außer dem Tapetenwechsel ist eigentlich alles gleich geblieben: Die Nachfrage nach dem „einfach guten Eis ohne Schnickschnack, dem Klassiker aus den 50ern“, wie Inhaber Franz-Josef Portz sagt, ist ungebrochen. Viele Stammkunden aus der Bismarckstraße kommen natürlich auch nach Bardenberg, unter ihnen Irene und Jürgen Nobis. Sie schlecken ihr ‚Delze‘ nicht mehr täglich, wie sie es zuvor Jahrzehnte lang zelebriert haben, „aber drei bis vier Mal die Woche fahren wir nun nach Bardenberg. Wir kennen jetzt auch eine Abkürzung“, sagt das Paar.

Geblieben ist auch die Menschen-Schlange. Dagegen möchte Portz allerdings doch was tun. Fürs Image sei es natürlich toll, wenn die Leute eine halbe Stunde auf Delzepich-Eis warten müssen. Dennoch möchte er gegensteuern mit einer kleinen Expansion auf zwei Eistheken und weiteren Mitarbeitern im Verkauf sowie in der Eisküche, so dass die Durchlaufzeit kürzer wird.

Das begrüßt Familie Grafen natürlich sehr. Und auch, dass es handwerklich weitergeht in ihrem Ladenlokal und eine Tradition die andere ablöst. Zur weiteren Belebung des Ortskerns wird das Ganze ebenfalls beitragen. „In den letzten Monaten der Umbauphase war immer was los und ich konnte alle mit Essen und Kuchen versorgen. Herr Portz ist sehr nett im Umgang, schon morgens muss ich Eis probieren“, sagt Kathi Grafen und lacht. „Es war eindeutig die richtige Entscheidung, die Umwandlung des Ladenlokals in Wohnraum zu stoppen und sich auf das Abenteuer mit dem Kult-Eis einzulassen“, sagt ihr Sohn Wilhelm Grafen, der seine Liebe zum Eis vom Vater „geerbt“ hat, wie er sagt. Grafen ist Geschäftsführer für die Bildungszentren der Handwerkskammer Aachen. Viele Jahre lang war er auch Unternehmensberater bei der Kammer und kann Franz-Josef Portz gute Tipps geben.

Wenn es um die Kalkulation der täglichen Eisproduktion geht, lässt Portz sich allerdings nicht in die Karten schauen. Denn wie viel Liter Eis täglich gekocht werden, bleibt Betriebsgeheimnis. „Es gibt jeden Tag frisches Eis, ich friere nichts ein und kalkuliere jeden Tag aufs Neue. Nur so viel: Letzten Sonntag waren es 30 Liter mehr als an anderen Tagen“, verrät der 66-Jährige mit einem Augenzwinkern. Die Zutaten fürs „Delze“ sind nicht geheim, an der Rezeptur hat sich von Anfang an nichts geändert. Vollmilch, Zucker, feine Mais-Speisestärke, frische Früchte, Schokolade, Kakao, Nüsse, schwarze Bourbon-Vanilleschoten… Zusätze wie Gelantine bleiben fern.

Mit dem Einzug von Delzepich-Eis schließt sich ein Kreis im Sinne des Handwerks. Und Paul Grafen ist mit dabei: Sein Porträt hängt im Schaufenster, um das Geschehen in seiner früheren Wirkungsstätte zu verfolgen – und nicht zuletzt, weil er ein großer Eisliebhaber war…