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Unterm Durchschnitt: Vor allem in der Altersvorsorge sind Solo-Selbstständige weniger gut aufgestellt als Handwerker in einem Beschäftigungsverhältnis oder Betriebsinhaber.

Zur Altersvorsorge verpflichten

News 10.03.2020

Solo-Selbständige im Fokus von ZDH und DGB

Berlin/Aachen. Wer als Handwerker sein eigenes Ding macht, der hat einige Nachteile. Das zumindest hat eine Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Handwerk und Mittelstand an der Universität Göttingen ergeben. Problematisch sei dabei die soziale Absicherung. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) haben nun in einer gemeinsamen Erklärung auf die Situation von Solo-Selbstständigen im Handwerk reagiert.

Darin heißt es zunächst im Hinblick auf den Wettbewerb: „Mit diesen Formen der Solo-Selbständigkeit kommt es zu gezielten Unterbietungsstrategien, die einem fairen Leistungswettbewerb und dem Tarifgefüge schaden. Immer öfter werden wettbewerbsverzerrende Subunternehmerstrukturen eingerichtet oder das Reisegewerbe bedenklich genutzt. Die zunehmende digitale Vermittlung handwerklicher Dienstleistungen über Online-Plattformen begünstigt solche Fehlentwicklungen.“

Stefan Körzell, Mitglied des Bundesvorstands des DGB, sagt:  „Missbräuchliche Formen der Soloselbstständigkeit können nicht im Interesse eines lebendigen und zukunftsfähigen Handwerks sein. Deshalb ist der Gesetzgeber jetzt zum Handeln aufgefordert. Der gesetzliche Rahmen für Soloselbstständige muss so abgesteckt werden, dass er einen fairen Wettbewerb garantiert und Menschen nicht lebenslang von staatlichen Transferleistungen abhängig macht.“

Im Hinblick auf die Ausbildung im Handwerk erklärt Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes Deutsches Handwerk (UDH):  „Der gegenwärtig festzustellende Trend zur Soloselbstständigkeit wird dann problematisch, wenn er zu spürbaren Wettbewerbsverzerrungen führt, die reguläre Unternehmen mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Auszubildenden ins Abseits drängen.“
 

In der Erklärung, die eine gemeinsame Arbeitsgruppe erarbeitet hat, wird eine Reihe konkreter Maßnahmen aufgelistet, um Wettbewerbsverzerrungen durch Solo-Selbstständige zu minimieren. So sehen ZDH und DGB die Politik in der Pflicht, vor allem durch eine verpflichtende soziale Absicherung missbräuchliche Formen von Soloselbstständigkeit unattraktiver zu gestalten. Insoweit unterstützen ZDH und DGB nachdrücklich die Pläne der Bundesregierung, eine Altersvorsorgepflicht für alle Selbstständigen einzuführen.

Darüber hinaus wird weiterer Handlungsbedarf gesehen, beispielsweise in der gesetzlichen Unfallversicherung, im Arbeitsschutz, in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, bei der Kleinunternehmerregelung im Umsatzsteuerrecht sowie bei der Zusammenarbeit mit dem Zoll bzw. der Finanzkontrolle Schwarzarbeit.

Am Ende, so heißt es in der Erklärung weiter, seien auch die Tarifpartner in den einzelnen Handwerksbranchen aufgefordert, vor allem durch eine stärkere Tarifbindung für gute Arbeitsbedingungen und faire Wettbewerbsstrukturen zu sorgen.