Meister bei der Arbeit
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Meister bei der Arbeit: Auch in den zulassungsfreien Berufen gilt die formale Qualifizierung als Qualitätsmerkmal. Auszubildende profitieren dabei vom Können und der Erfahrung ihrer Meister.

Zurück zum Meister!

News 11.11.2020

Ausbildung in zulassungsfreien Handwerken sichert Qualität

Kammerbezirk. Zurück zum Meister! Für viele Handwerker, deren Beruf ohne diese Qualifizierung ausgeübt werden darf, ist das ein großer Wunsch. Denn der Meister, darin sind sich die von der HW-Redaktion befragten Betriebsinhaber einig, ist ein Qualitätsmerkmal – das Aushängeschild des Unternehmens.

125 Berufe sind im Gesetz zur Ordnung des Handwerks aufgeführt, 42 davon sind zulassungsfrei. Das bedeutet: Jeder kann sie ausüben, ein Nachweis über die berufliche Ausbildung und Qualifizierung ist nicht erforderlich. Zuletzt war die Handwerksordnung im Februar dieses Jahres novelliert worden. Wichtigste Änderung: In zwölf bis dato zulassungsfreien Handwerken gilt wieder die Meisterpflicht.

Andere würden sich das auch wünschen. Zum Beispiel Uhrmachermeister Ulrich Kriescher aus Würselen. Er erzählt: „In unserer Facebook-Gruppe mit 70 bis 80 Uhrmachern wird das Thema heiß diskutiert. Unser Handwerk versucht, die Wiedereinführung der Meisterpflicht hinzubekommen.“ Er selbst, sagt er, habe eine geteilte Meinung. Wegen seiner persönlichen Erfahrung. „Ich habe bei mir einen italienischen Uhrmacher beschäftigt, der keine formale Qualifizierung hat. Aber er ist handwerklich toll. Er hat seinem Vetter bei der Arbeit über die Schulter geschaut und alles von ihm gelernt. Wenn ich aber sagen würde: ‚Berechne mal die Länge des Pendels‘, dann kann er das nicht.“ Eine Abgrenzung durch den Meistertitel gegenüber der Konkurrenz ist aus Krieschers Sicht auch nicht dringlich. „Es gibt bundesweit ja kaum noch 2000 Betriebe in unserem Handwerk, und die meisten davon sind mehr oder weniger Batteriewechsler.“ Er selbst hat Aufträge aus ganz Deutschland.

Im Gebäudereinigungshandwerk, das regional agiert, sieht das anders aus. Britta und Jochen Herbst, Inhaber der Gebäudereinigung Herbst GmbH in Herzogenrath, würden die Meisterpflicht für ihr Gewerk sehr begrüßen. Jochen Herbst, selbst Meister und zuständig für die Ausbildung in seinem Betrieb, sagt: „Es ist auf jeden Fall ein Qualitätsmerkmal ein Meisterbetrieb zu sein! So hat man die Möglichkeit, fachlich kompetentes Personal auszubilden, was im besten Fall nach der Ausbildung das eigene Team unterstützt und einen vernünftigen Eindruck der Branche vermittelt. Außerdem zeigt der Betrieb so, dass er sich mit der Materie auskennt und vor allem dem Fachkräftemangel entgegen wirkt.“ Aktuell beschäftigt das Herzogenrather Unternehmen drei Auszubildende. Jochen Herbst betont: „Das Positive ist, man kennt relativ schnell die Stärken und Schwächen der Auszubilden. Man kann ihnen einfacher vermitteln, auf welche Punkte und Arbeitsabläufe wert gelegt wird.“ Dabei hat er nicht nur den Eigenbedarf im Blick, sondern eben auch die Qualität und den Ruf seiner gesamten Branche. „Wir haben festgestellt, dass es den meisten Auszubildenden gut tut, nach der Ausbildung das Unternehmen zu wechseln um mehr Erfahrungen zu sammeln“, sagt Herbst.

Mit seinen drei Auszubildenden schraubt der Gebäudereiniger wohl den Durchschnitt kräftig hoch. Denn die Ausbildungsstatistiken geben ein anderes Bild ab. „Über 90 Prozent der Ausbildungsverträge kommen in Anlage-A-Berufen, also den zulassungspflichtigen Handwerken, zustande“, sagt Georg Stoffels, Geschäftsführer der Handwerkskammer Aachen und zuständig für den Bereich Ausbildung. Das Gros der zulassungsfreien Berufe habe keine Ausbildungszulassung. „Eine Ausübungsberechtigung ist keine Ausbildungsberechtigung“, erklärt Stoffels.

Allerdings reicht dafür auch in den Anlage-B1-Berufen (das sind die zulassungsfreien laut Handwerksordnung) ein Ausbilderschein. Was Klaus Schwecht, Sattler- und Feintäschnermeister aus Zülpich, nicht reicht. „Damit weist man ja keine kaufmännische Ausbildung nach, die ich aber brauche, um meine Aufträge umfassend abzuwickeln.“ Auch Schwecht spricht sich für die Zulassungspflicht seines Gewerkes aus. „Unser Beruf ist sehr komplex und umfangreich. Es gehört viel Berufserfahrung dazu, ein so wichtiges Teil wie den Sattel zu bauen.“ Seine Branche sei stark im Aufwind, der Reitsport bringe eine wachsende und kaufkräftige Kundschaft mit sich. „Unser Beruf hat sich aber gewandelt. Es geht nicht allein um die Produktion oder Reparatur von Lederteilen. Es spielt zum Beispiel auch die Anatomie des Pferdes eine wichtige Rolle. Dieses Können und Hintergrundwissen haben wir kleinen Betriebe und nicht die großen Hersteller.“ Dieses Wissen weiterzugeben, findet Schwecht wichtig und richtig. „Nur so fördern wir unser Handwerk, indem wir unser breitgefächertes Programm und unsere Erfahrung an junge Leute weitergeben.“