Von Gleitzeit bis Vier-Tage-Woche: Wie flexible Arbeitszeiten Unternehmen und Mitarbeitern nutzen.

Aachen. Gleitzeit, Jahresarbeitszeitkonten, Teilzeit, Vier-Tage-Woche und vieles mehr: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, flexible Arbeitszeitmodelle im Betrieb umzusetzen. Durch die fortschreitende Digitalisierung und veränderte Wertvorstellungen in der Arbeitswelt wird der Ruf nach flexiblen Arbeitszeiten lauter.

Susanne Lücke, Expertin auf dem Gebiet der Arbeitszeitgestaltung, bietet in ihrer Publikation „Mut zur Lücke – betriebliches Gesundheitsmanagement“ einen Einblick in die Notwendigkeit und die Vorteile flexibler Arbeitszeitmodelle im Handwerk.

Flexibilität heute ein Muss
Flexible Arbeitszeiten werden immer mehr zu einem entscheidenden Faktor bei der Wahl des Arbeitgebers. Lücke zitiert in ihrem Werk eine Studie der ManPowerGroup, die flexible Arbeitszeiten als den zweitwichtigsten Faktor bei der Arbeitgeberwahl identifiziert. „Die Welt hat sich verändert, und mit ihr die Erwartungen der Arbeitskräfte“, erklärt Lücke. „Flexibilität ist nicht länger ein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für Unternehmen, die im Wettbewerb um Talente bestehen wollen.“

Vorteile für Unternehmen und Mitarbeiter
Die Einrichtung flexibler Arbeitszeiten bietet eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Unternehmen profitieren durch eine gesteigerte Arbeitgeberattraktivität, was zur Mitarbeiterbindung und zur Reduktion von Fehlzeiten beiträgt. Für die Mitarbeitenden bedeutet es eine erhöhte Zufriedenheit und bessere Work-Life-Balance. Susanne Lücke hebt hervor: „Flexibilität im Arbeitsumfeld führt zu einer gesteigerten Produktivität und Kreativität, da Mitarbeiter ihre Arbeit und Privatleben effektiver gestalten können.“

Werkstattgespräch“ der Tischlerinnung Aachen: Neben Berichten und Formalia stand der Vortrag von Arbeitszeit-Expertin Susanne Lücke im Fokus der Tischlerinnen und Tischler. Foto: Doris Schlachter


Umsetzung in der Praxis

Die Einführung flexibler Arbeitszeiten im Handwerk erfordert eine durchdachte Herangehensweise. Expertin Lücke schlägt ein dreistufiges Vorgehen vor:

  1. Projekt-Team zusammenstellen: Ein interdisziplinäres Team sollte gebildet werden, das die Planung und Leitung der Umsetzung übernimmt. Dieses Team sollte Vertreter aus verschiedenen Unternehmensbereichen umfassen, um eine ganzheitliche Perspektive zu gewährleisten.
  2. Soll-Konzept entwickeln: Die aktuelle Arbeitssituation sollte gründlich analysiert werden, um ein passendes Arbeitszeitmodell zu entwickeln. Dies umfasst die Bewertung der Mitarbeiterbedürfnisse, die Berücksichtigung der Kundenanforderungen, der betrieblichen Anforderungen und den Abgleich mit dem rechtlichen Rahmen. Workshop-Formate und Mitarbeiterbefragungen können hierbei wertvolle Einblicke liefern.
  3. Umsetzung starten: Nach einer Testphase in einem Teilbereich des Unternehmens wird das Modell schrittweise auf das gesamte Unternehmen ausgeweitet. Diese Phase beinhaltet auch die kontinuierliche Kommunikation über Fortschritte, Herausforderungen und Anpassungen des Modells.

Lücke betont dabei, wie wichtig es sei, alle Beteiligten miteinzubeziehen: „Es ist essenziell, dass sowohl die Führungsebene als auch die Mitarbeitenden in den Prozess involviert sind. Nur so können die Modelle erfolgreich implementiert und angenommen werden.“

Rechtliche Aspekte
Neben den organisatorischen Herausforderungen spielt auch die Beachtung rechtlicher Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. Die Fachfrau unterstreicht, dass Gesetze wie beispielsweise das Arbeitszeitgesetz, das Arbeitschutzgesetz u.v.m. bei der Planung von flexiblen Arbeitszeiten berücksichtigt werden müssen. „Ein Ignorieren dieser rechtlichen Grundlagen kann nicht nur zu Konflikten führen, sondern auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“

Perspektiven und Chancen
Abschließend hebt Lücke die langfristigen Vorteile der flexiblen Arbeitszeiten hervor. Neben der unmittelbaren Verbesserung der Arbeitszufriedenheit und Produktivität trage es auch zur langfristigen Gesunderhaltung der Beschäftigten bei. „Flexibilität ist ein Schlüssel zur Sicherung von Fachkräften und zur Förderung eines nachhaltigen und gesunden Arbeitsumfelds“, betont Lücke. Den Vortrag hat Susanne Lücke im Rahmen des jährlich stattfindenden „Werkstattgesprächs“ der Tischlerinnung Aachen gehalten.

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