Likes, Kommentare, Emojis: Soziale Medien sind heute die Tageszeitung, das lokale Wochenblatt, der Brief und das Telefonat – vor allem für die jüngeren Generationen. Foto: Adobe Stock

Interview mit Marketingberaterin Sabine Wessing von der Handwerkskammer Aachen.

Aachen. Selbst im traditionellen Handwerk haben soziale Medien in den letzten Jahren einen immer größeren Stellenwert eingenommen. Doch wie genau können Handwerksbetriebe von der Nutzung sozialer Medien profitieren und wie sollten sie diese in ihren Arbeitsalltag integrieren?

In einem Interview mit Sabine Wessing, Unternehmensberaterin bei der Handwerkskammer Aachen und erfahren im Bereich Online Marketing, werden diese Fragen behandelt. Sie gibt Einblicke in die Vorteile von Social Media für das Handwerk, erklärt, wie man am besten damit beginnt, und teilt wertvolle Tipps zur erfolgreichen Nutzung.

Warum sind soziale Medien für das Handwerk hilfreich?

Sabine Wessing: Laut der ARD/ZDF-Online-Studie verbringen nicht nur Jugendliche, sondern auch alle andere Altersgruppen sehr viel Zeit in sozialen Medien. In Deutschland nutzen sie rund die Hälfte der Bevölkerung wöchentlich und etwa ein Drittel täglich. Im Hinblick auf die Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden sind sie auch für das Handwerk von großer Bedeutung. Soziale Medien sind heute die Tageszeitung, das lokale Wochenblättchen, der Brief und das Telefonat der jüngeren Generationen.

Wie beginnt man am besten als Handwerker bei Social Media?

Wessing: Zuerst sollte eine Ist-Analyse der aktuellen Unternehmenssituation erfolgen. Dann sollten konkrete Ziele gesetzt und die Zielgruppen definiert werden. Die Auswahl der geeigneten Plattformen ist ein weiterer wichtiger Schritt. Anschließend ist die Erstellung eines Content- oder Redaktionsplans sinnvoll, da er eine strukturierte Umsetzung ermöglicht. Ein solcher Plan hilft bei der Zeitplanung, legt Verantwortlichkeiten fest, behält die Ziele im Auge und steigert die Effizienz.

Welche Fehler sollte man vermeiden?

Wessing:

  • Social Media machen zu wollen, obwohl man keinen Spaß und kein Interesse daran hat!
  • Ohne Ziele und Planung zu starten.
  • Ohne gute digitale Heimat, also Website und Google Profil, zu starten.
  • Ohne klare Zuständigkeiten und Kapazitäten bzw. Ressourcen zu starten.

Womit kann man als Handwerker auf Social Media die Menschen auf sich aufmerksam machen und Reichweite gewinnen?

Wessing:

  • Authentizität: Zeigen Sie, wie Ihr Handwerk funktioniert, was Ihren Beruf ausmacht und wie Produkte entstehen. Zeigen Sie die Vielfalt des Handwerks und berichten Sie über Ereignisse in Ihrer Region. Erzählen Sie Geschichten über sich und Ihr Unternehmen.
  • Interaktivität: Folgen Sie anderen Profilen, reagieren Sie auf Beiträge, kommentieren Sie und befragen Sie Kunden nach ihrer Meinung. Posten Sie in Gruppen und teilen Sie Beiträge.
  • Aktivität: Ein aussagekräftiger Beitrag pro Woche sollte das Mindestziel sein. Es ist ratsam, auch im Social-Media-Bereich auf Qualität zu achten. Nutzen Sie die Funktionen und Möglichkeiten der jeweiligen Plattformen voll aus, zum Beispiel gute Bildqualität auf Pinterest und Instagram, das Posten von Reels und Stories auf Instagram sowie eine konsistente Bildsprache.

Wie viel Zeitaufwand benötigt man neben der Arbeit für Social Media?

Wessing: Der Zeitaufwand hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Häufigkeit der Posts, der Anzahl der verwalteten Kanäle und der eigenen Geschicklichkeit. Es ist jedoch sinnvoll zu überlegen, ob einige Aufgaben im Team aufgeteilt werden können. Zu Beginn ist es ratsam, mit einem oder zwei Kanälen, zum Beispiel Facebook und Instagram, zu starten und einen Beitrag pro Woche zu veröffentlichen. In diesem Fall sollten zwei Stunden pro Woche ausreichen, wenn alle drei Monate ein Contentplan erstellt wird. Möglicherweise gibt es im Team Kollegen oder Kolleginnen mit Talenten, die bei den Aktivitäten auf sozialen Medien unterstützen können.

Welche Kanäle sollte man als Handwerker nutzen, um einen möglichst großen Einblick in den Beruf zu geben?

Wessing: Die Wahl der geeigneten Kanäle hängt von Ihrem Handwerk, Ihren Kunden und Ihren Zielen ab. Es ist wichtig, sich intensiv mit der Zielgruppe auseinanderzusetzen und zu überlegen, auf welchen Plattformen diese Zeit verbringt. Es ist auch hilfreich zu prüfen, auf welchen Plattformen Ihre Partner und Ihre direkte Konkurrenz vertreten sind. Zum Beispiel könnte TikTok nützlich sein, um Auszubildende anzuziehen, während Facebook sich besser für die lokale Kundenansprache eignet. Instagram ist gut, um mit Fotos und Videos zu begeistern.

Welche Handwerksberufe sind schon gut aufgestellt in den sozialen Medien?

Wessing: Besonders fit und aktiv waren von Anfang an die Friseurinnen und Friseure. Sie erreichen nicht nur die junge Zielgruppe sehr gut, sondern auch die Weiterempfehlung erfolgt häufig über soziale Medien. Inzwischen haben auch das Bau- und Ausbauhandwerk die Bedeutung sozialer Medien für die Nachwuchs- und Fachkräftegewinnung erkannt. Das gestaltende Handwerk hat die Kraft der Bilder ebenfalls früh genutzt und konnte so weit mehr Kunden erreichen als nur über die Ausstellung auf einem lokalen Markt oder im Ladenlokal.

Was ist Ihre persönliche Meinung zum Gebrauch von sozialen Medien im Handwerk?

Wessing: Viele gut geführte Profile von Handwerkerinnen und Handwerkern oder Fachverbänden haben schon dazu beigetragen, das Image des Handwerks zu verbessern – und dies hat sich bereits ausgezahlt. Gekaufte Profile und Beiträge sind langweilig und austauschbar. Ich bezweifle, dass man langfristig erfolgreich sein kann, wenn man nicht selbst hinter den Aktivitäten auf sozialen Medien steht und im eigenen Team Inhalte erstellt. Gutes Social-Media-Marketing ist längst nicht so teuer wie frühere Printwerbung, und kleinere und mittlere Betriebe haben dadurch bessere Möglichkeiten, mitzuhalten. Die regionale Verknüpfung ist dabei besonders wichtig.

Wie helfen Sie den Betrieben dabei, Ihre Konzepte im Hinblick auf soziale Medien umzusetzen?

Wessing: Zunächst helfe ich bei der strategischen Vorarbeit, indem wir gemeinsam Ziele definieren und die Schritte zur Umsetzung planen. Dazu gehört auch die Optimierung der Website und des Google-Profils als Basis. Das halte ich für essenziell, eine solide Basis ist unverzichtbar. Des Weiteren unterstütze ich beim Aufbau von Contentplänen und bei der Entwicklung von möglichen Inhalten. Manchmal bringe ich auch kreative Ideen ein, um die Präsenz in sozialen Medien zu stärken. Das Interview führten Katja Bellone und Doris Schlachter.

Info: Marketing-Beraterin Sabine Wessing steht interessierten Betrieben gerne Rede und Antwort, Tel.: +49 241 471-173, E-Mail: sabine.wessing@hwk-aachen.de.

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