Ein Smartphone mit kaputtem Bildschirm: Wer sich in Österreich zur Reparatur entscheidet, erhält einen Zuschuss von bis zu 200 Euro. Foto: stock.adobe.com – mpix-foto

Beim Recycling lohnt sich der Blick zu den Nachbarn.

Aachen. 32 Tonnen pro Mensch und Jahr – so hoch liegt der Rohstoffverbrauch in Deutschland. Das ist das Ergebnis des „Circularity Gap Report Munich“ vom November 2023, der ersten Studie in Deutschland zur Messung der Kreislaufwirtschaft in einer Stadt. Auch im europäischen Vergleich ist Deutschland trauriger Spitzenreiter: 2018 lag der Pro-Kopf-Verbrauch 13 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Gleichzeitig ist laut einer Studie des WWF die Entnahme und Verarbeitung von Rohstoffen verantwortlich für knapp 40 Prozent unserer Treibhausgasemissionen.

Nebenan gibt es Lösungen
Schon lange gilt das Müllproblem in Deutschland und auf der ganzen Welt als einer der größten Hebel, um Emissionen einzusparen. Ein Blick in europäische Nachbarländer lohnt sich. Österreich und die Niederlande haben beispielsweise absolute Ressourcenreduktionsziele vorgegeben, um den Ressourcenverbrauch zu verringern. Frankreich hat eine Abfallgebühr eingeführt, seit Kurzem gibt es einen Reparaturindex und besonders ökologisch produzierte Geräte erhalten Kostenvorteile.

Reparaturindex für Textilien
In Frankreich gibt es einen Reparaturbonus für Textilien, retournierte Neuware darf nicht zerstört werden. Außerdem hat das Land einen Reparaturindex eingeführt. Dieser Index zeigt an, wie reparaturfähig Elektro- und Haushaltsgeräte sind, und soll Verbrauchern so bei ihrer Kaufentscheidung helfen. Die Forderung nach einem Index für die Langlebigkeit eines Produktes gibt es in Deutschland auch. Gleichzeitig müssen aber auch die Hersteller in die Pflicht genommen werden. Einige Ansätze existieren bereits: Bemühungen, mehr Elektrokleingeräte zu sammeln, sowie die Getrenntsammlungspflicht für Textilien, die 2025 kommt.

Wie kann die Finanzierung der Herstellerverantwortung für das Voranbringen der Circular Economy genutzt werden? Denkbar wäre laut WWF eine Gestaltung nach dem Verursacherprinzip, mit festen Zielen für Sammlung, Wiederverwendung und Recycling, mitsamt einer Gebührenstruktur. So könnten zirkuläres Design belohnt werden und die Gelder aus dem System für die Förderung zirkulärer Geschäftsmodelle eingesetzt werden.

Die gute Nachricht ist: Der Wind weht auch in Deutschland für die Kreislaufwirtschaft. Das Bundesumweltministerium arbeitet derzeit an einer Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, Erscheinungsdatum voraussichtlich Mitte 2024. Der WWF stand beratend zur Seite und wünscht sich vor allem drei Punkte für die Strategie:

  • Ein Ressourcenschutzgesetz analog zum Klimaschutzgesetz,
  • verbindliche Ressourcenschutz-Ziele, zum Beispiel „eine absolute Grenze von sieben Tonnen pro Kopf“,
  • eine erweiterte Herstellerverantwortung, vor allem für Textilien, Elektronik und Verpackungen.

Quelle: www.focus.de, Pressemitteilung vom 17. November 2023

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