Laut Wiktionary bedeutet Modernisierung: „Aktion, um etwas auf einen neueren Stand zu bringen.“ Dies mit der Absicht, etwas zu verbessern. Wie viel trägt das Berufsbildungsmodernisierungsgesetz (BBiMoG) zum Ziel der Bundesregierung bei, die duale berufliche Bildung in Deutschland zu modernisieren und zu stärken? Sie hatte festgestellt, dass die duale Berufsausbildung über Jahrzehnte die häufigste Qualifizierungswahl war, die mittlerweile durch hochschulische Angebote überholt wurde.

Eigentlich müsste das neue Gesetz „Berufsbildungsreparaturgesetz (BBiRepG) heißen. Denn alle Regierungen, die aktuelle eingeschlossen, betreiben die Akademisierung der Gesellschaft allein schon aufgrund der Unverhältnismäßigkeit, mit der auch Bundesmittel  in die Hochschulen fließen, im Gegensatz zu den deutlich geringeren Geldsummen, die für die berufliche Bildung auf den Tisch gelegt werden.

Welche Maßnahmen im BBiMoG geben der Beruflichen Bildung also echten Drive? International verständliche Fortbildungsbezeichnungen wie „Bachelor Professional“ einzuführen, den ein Meister zusätzlich zu seinem Titel führen darf oder „Master professional“ beispielsweise für den Betriebswirt im Handwerk, ist positiv. Sie verdeutlichen die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung – orientiert an der akademischen Titulatur. Das ist bei genauer Betrachtung allerdings eine sehr preisgünstige Maßnahme für den Staat, muss er doch keinen einzigen Euro mehr in die Hand nehmen zur Stärkung der beruflichen Bildung.

Aber glauben wir ernsthaft, dass deshalb mehr Jugendliche eine Ausbildung starten, wenn nach wie vor ziemlich viele akademisch oder auch beruflich gebildete Eltern davon überzeugt sind, ihr Nachwuchs hätte durch ein Studium die besseren Zukunftschancen?

Die Mindestausbildungsvergütung: Eigentlich eine Bankrotterklärung der Sozial- und Tarifpartnerschaft. Insofern hat der Gesetzgeber den Ball zurückgespielt, denn durch tarifvertragliche Regelungen – anders als beim gesetzlichen Mindestlohn – kann die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung sogar unterschritten werden. Aber was ist daran modern oder stärkend?  Die Höhe ist für die meisten Gewerke und in den meisten Regionen kein großes Thema. Und dort, wo es eines ist, handelt es sich um Berufe oder Regionen, in denen selbst die Betriebsinhaber bescheiden leben, um ihren gewählten Beruf ausüben zu können. Haben diese Berufe und Betriebe wegen der Mindestausbildungsvergütung eine größere Attraktivität – bei Jugendlichen und Verbrauchern?

Welcher Modernisierungsschub geht von der Freistellung aller Auszubildenden an Berufsschultagen aus, was bisher nur Minderjährigen vorbehalten war? Heißt es nun in der Schule: „Chakka! Ich mache auf jeden Fall eine Ausbildung zum Tischler, statt zu studieren, denn da muss ich nach der Berufsschule nicht mehr in den Betrieb.“

Wo kann ich von Stolz geprägte Berichte von Parlamentariern, Staatssekretären oder Ministern vor der breiten Öffentlichkeit hören, weil der eigene Sprössling gerade eine chancenreiche Ausbildung macht? Wer erzählt von ihnen über die Freude und Zufriedenheit ihrer Kinder den Talenten entsprechend  einen praxisorientierten Berufsweg eingeschlagen zu haben? Das wäre eine echte Neuerung, ja eine Sensation! Das würde beruflich Gebildeten die ihnen zustehende Wertschätzung der Gesellschaft geben. Da wären alle plötzlich ganz Ohr – auch die Eltern, die Sorge haben, dass nur die akademische Laufbahn ihren Kindern Glück, Anerkennung und Wohlstand bringt!

Kommentar von:

Nicole Tomys, M.A. - stv. Hauptgeschäftsführerin
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