„Längster Stuckstab der Welt“: Das Nationalteam der Stuckateure und die Auszubildenden des Lehrbauhofs Berlin haben den Weltrekord geschafft.
Fotos: Jensen Media

104 Meter! Stuckateure holen den Weltrekord

Nationalteam und Auszubildende ziehen den längsten Stuckstab der Welt. Alexander Bürsgens und Lukas Prell aus Kammerbezirk mit von der Partie

News BGZ Simmerath

Berlin/Aachen. Weltrekord für deutsche Nachwuchshandwerker: Das Nationalteam der Stuckateure und die Auszubildenden des Lehrbauhofs Berlin haben sich am Freitag, 13. September, mit dem längsten Stuckstab der Welt einen Eintrag im Buch der Guinness World Records gesichert. Gemeinsam zog die Gruppe aus 19 Nachwuchshandwerkern einen Stab aus Gipsstuck auf eine Rekordlänge von 104,27 Metern, und das in ebenfalls neuer Bestzeit von 29:11,96 Minuten.

„Es hat wirklich wie am Schnürchen geklappt und es freut mich riesig für die Jungs und Mädels, dass sie mit einem Weltrekord in die Geschichtsbücher eingehen“, sagte Frank Schweizer, Gründer und Leiter des Nationalteams der Stuckateure. In acht Zweierteams hatten die Mitglieder des Nationalteams mit den Auszubildenden des Lehrbauhofs Berlin Hand in Hand zusammengearbeitet.

Zuerst bauten sie in einem Zeitfenster von 15 Minuten den fast 105 Meter langen Stuckstab auf. Danach wurde die Oberfläche des Stuckstabs mit Hilfe einer speziellen Schablone fertiggestellt. Für diesen Part waren die Stuckateure mit den höchsten Sprintqualitäten und der besten Kondition gefragt, denn die jungen Handwerkerinnen und Handwerker mussten sich die Schablone in einer Art Staffellauf immer wieder weitergeben.

„Wir haben die Abläufe in den vergangenen zwei Tagen beim intensiven Training perfektioniert. Die gemeinsame Vorbereitung hat sich definitiv ausgezahlt“, sagt Ralph Barthelt, Ausbilder für das Stuckgewerbe am Lehrbauhof in Berlin.

Mit dabei waren auch die Stuckateure Lukas Prell und Alexander Bürsgens aus dem Kammerbezirk Aachen. Stuckateurmeister Lukas Prells Aufgabe war es, zusammen mit Oliver Heib (ebenfalls Stuckateurmeister) und der Rekordrichterin den Stab genau zu vermessen. „Ich habe mich gefreut als Messexperte für diesen Guinness-Weltrekordversuch dabei gewesen zu sein. Das der Weltrekord dann auch geklappt hat, macht mich auch stolz und freut mich für das Nationalteam der Stuckateure und die Berliner Azubis“, so der Stuckateur-Vizeweltmeister 2015. Alexander Bürsgens aus Heinsberg gehörte zum 19-köpfigen Rekord-Team. „Der Rekordversuch an sich war zeitlich genau koordiniert, geplant und wurde top vorbereitet“, so der 21-Jährige, der jetzt schon wieder die Schulbank drückt. Er ist  dabei, seine Meisterprüfung zum Stuckateurmeister bei der Handwerkskammer Aachen abzulegen.

Um den Weltrekordversuch überhaupt in Angriff nehmen zu können, wurde nichts dem Zufall überlassen. Die über 50 Meter lange Wettkampfbahn wurde mit Hilfe von Zeltdächern vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, damit der Gips nicht zu schnell aushärtet. Und der bayerische Qualitätshersteller Günzburger Steigtechnik hat eigens für den Weltrekordversuch spezielle „Zug-Tische“ angefertigt und zur Verfügung gestellt, damit die Akteure perfekte Bedingungen für ihren Weltrekord-Zug vorfinden.

„Unsere Nachwuchsstuckateure haben heute allen Grund zum Jubeln, denn sie konnten wieder einmal beweisen, welch enormes Potenzial in ihnen steckt“, erklärte Klaus-Dieter Müller, Präsident der Fachgemeinschaft Bau und Obermeister der Baugewerks-Innung Berlin. „Junge Menschen, die sich selbst einen Weltrekord zum Ziel setzen und dann mit Leidenschaft, Herz und Eifer trainieren, um ihren Traum zu realisieren, verdienen unseren vollen Respekt. Sie stehen dafür, wie weit man es mit einer guten Ausbildung, einer starken Leistung und entsprechendem Engagement bringen kann.“

Mit dem Weltrekord rücken das Nationalteam, die Fachgemeinschaft Bau und der Lehrbauhof Berlin den Handwerksberuf in den Fokus der Öffentlichkeit, um für die duale Ausbildung in den vielfältigen Bauberufen zu werben. Denn durch den Trend zum Studium und als Folge einer einseitig geführten Bildungsdebatte hat die klassische Berufsausbildung völlig zu Unrecht an Ansehen verloren.

„Dabei ist auch die duale Ausbildung am Bau anspruchsvoll und bietet gute Jobperspektiven“, erklärt die Geschäftsführerin des Lehrbauhofes Gerrit Witschaß. „Außerdem zeigt unser Fachkräftenachwuchs mit seinem Erfolg anderen Jugendlichen, dass man sich als Handwerker in seinem Beruf verwirklichen und sogar zur Weltspitze gehören kann. Durch ihre Kompetenz und ihre Leistungen sind sie Botschafter Nr. 1 für ein hochklassiges Handwerk und die Ausbildung, die dahintersteckt. Ein besseres Aushängeschild kann man sich nicht wünschen.“

Die deutschen Nachwuchsstuckateure sind nicht die ersten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den längsten Stuckstab der Welt zu ziehen: Bisher gehörte zumindest der inoffizielle Titel dafür noch einem Team aus der Schweiz. Im Rahmen der Schaffhauser Berufsmesse 2010 hatte der Gipserunternehmerverband einen 84 Meter langen Stuckstab gezogen. Damit schufen die Eidgenossen zwar den längsten Stuckstab der Welt, erhielten dafür jedoch keinen Eintrag ins Buch der Guinness World Records.