Sehr zufrieden im Handwerk: Julia Birekoven macht eine Lehre zur Orthopädietechnik- Mechanikerin: Ganz zur Freude von Martin Brandt (l.) und Karl Bischoff (r., beide BB medica) und Rainer Schaar, HWK Aachen.
© Handwerkskammer Aachen

Aus Julia Birekoven ist was geworden

Angehende Orthopädietechnik-Mechanikerin befindet sich auf der Zielgeraden

Lehrstellenvermittlung Berufsausbildungs- und Umschulungsverträge RESET

Was haben Barbara Schöneberger und Bill Gates gemeinsam? Oder Günther Jauch und Herbert Grönemeyer? Sie sind berühmt, und sonst? Sie haben ihr Studium abgebrochen. Trotzdem ist, wie Mütter und Väter das gerne sagen, „aus ihnen was geworden“. Auch wenn viele Menschen immer noch der Meinung sind, dass ein Studium das Nonplusultra ist, findet doch langsam ein Umdenken in der Gesellschaft statt. Es kann einfach nicht jeder Akademiker werden, es braucht kluge Köpfe und fleißige Hände. Schließlich ist es nicht der Professor, der ein Haus mauert, das Dach deckt oder Leitungen und Fliesen verlegt.

Und so ist es kein Wunder, dass jeder Dritte das Studium abbricht, sobald er erkennt, dass dieser Weg doch nicht der richtige für ihn ist. In Ausbildungsbetrieben bekommen die Aussteiger oft eine zweite Chance – und Karrierechancen.

So wie Julia Birekoven. Die 30-Jährige kommt zwar aus einer Handwerker-Familie und ist auch handwerklich begabt. Dennoch entschied sie sich zunächst für eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten. Danach ging es schnurstracks zur FH Aachen, wo sie mit dem Studium der Biomedizinischen Technik anfing. Das zog sie bis zur Bachelorarbeit durch. Dann: Schluss. 40 Seiten hatte sie zwar zustande gebracht, aber eben nicht den Anforderungen entsprechend. Alles zu theoretisch, zu sehr Referat. „Eine komplett neue Bachelorarbeit kam nicht in Frage, da war’s vorbei“, erinnert sich Julia Birekoven.

Im Januar 2018 wendete sich die junge Frau an Rainer Schaar. Der Coach und Vermittler arbeitet seit vielen Jahren im Bereich der Beratung und Qualifizierung von Menschen bei der Handwerkskammer Aachen. Seine Netzwerke und Erfahrungen haben Julia Birekoven geholfen, konsequent ihren beruflichen Weg zu gehen. Schaar brachte die Studienabbrecherin und Martin Brandt zusammen. „Ein Studium ist nicht alles“, weiß der Geschäftsführer von BB medica. Und doch ist ihm, genauso wie Rainer Schaar, die Schnittschnelle zwischen Uni und Betrieb wichtig. Birekoven absolvierte ein Praktikum bei dem Unternehmen mit Hauptsitz an der Neuköllner Straße. Schnell bekam sie das Angebot, eine Lehre zur Orthopädietechnik-Mechanikerin machen zu können – unter der Prämisse, das Studium doch noch zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. „Das musste ich mir zunächst echt gut überlegen, schließlich war der Prozess aufzuhören schon hart genug“, sagt Julia Birekoven heute lachend.

Das sieht der Leiter Orthopädietechnik bei BB medica, Karl Bischoff, pragmatisch. Er drückt es bildlich aus: „Wenn du gleich auf dem Gipfel bist oder kurz vor der Ziellinie, gibst du doch nicht auf!“ Und Martin Brandt fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Julia ist zwar Studienabbrecherin, wir haben sie aber gezwungen weiterzumachen.“

Und jetzt ist Julia Birekoven mit Ausbildung und Studium so weit, dass Prüfung und Bachelorabschluss zum Greifen nah sind. Das Thema sagt der Auszubildenden zu: Digitalisierungsprozesse in der Orthopädie und spezielle Herstellung von Orthesen im 3D-Druck. „Die Zielsetzung ist jetzt für mich klar und strukturiert. Das ist ein ganz konkretes Thema“, freut sich die 30-Jährige.

Ihr vorangegangenes Studium sei trotz allem eine gute Grundlage, aus der sie schöpfen könne. Die Ausbildung macht Julia Birekoven Spaß, die Kombination aus Medizin und Handwerk gefällt ihr. „Jeder Tag ist anders in meinem Beruf!“ red


RESET – besser jetzt als später.
Oder warum ein wohlüberlegter Studienabbruch kein Karriereknick ist.
Interessierte wenden sich an
Rainer Schaar,
0241 471-231,
 rainer.schaar(@)hwk-aachen.de.