Neujahrsempfang: Für Oberbürgermeister Marcel Philipp gab es beim Empfang der Aachener Handwerkerschaft im Rathaus traditionell einen Baumkuchen, überreicht von Kreishandwerksmeister Herbert May
Kreishandwerksmeister Herbert May (4.v.r.). © Foto: Stadt Aachen/Peter Klingel

Das Handwerk hat eine hohe wirtschaftliche und soziale Bedeutung für die Region!

Neujahrsempfänge: Philipp sieht Aachen gut aufgestellt. Grüttemeier will Hand in Hand mit dem Handwerk arbeiten

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Aachen. Klare und zugleich nachdenkliche Worte hat Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp am 10. Januar beim traditionellen Handwerker-Frühstück zum neuen Jahr im Weißen Saal des Rathauses gefunden: „2019 wird das Jahr der Entscheidungen für die Aachener Innenstadt der Zukunft sein!“ Wichtig ist dem Oberbürgermeister allerdings der Nachsatz: „Wir haben aber nur dann Chancen auf gute Lösungen, wenn es uns gelingt, wieder im Schulterschluss mehr Qualität in die Diskussion um kommunalpolitische Themen zu bringen.“

Der Oberbürgermeister sagte: „Etwas stimmt nicht in unserer Diskussionskultur.“ Sein Blick richtete sich auf den schroffen Ton, der aus Kommentaren in sozialen Medien bekannt ist. „Man darf das einen verheerenden Stil nennen“, so Philipp. „Nachdenklich stimmt mich, dass dieser Ton inzwischen in den Alltag überschwappt. Das hat negative Auswirkungen auf die Auseinandersetzung bei Themen, die uns in Aachen beschäftigen.“

Empörung sei inzwischen die vorherrschende Emotion. Philipp: „Die Empörung führt zum schnell gefassten Urteil, alles bleibt oberflächlich. Die Empörung ersetzt das Nachfragen, das Verstehen-wollen, die tiefere Auseinandersetzung und fundierte Debatte. Das ernsthafte Interesse an den wichtigen Themen schwindet. Das ist natürlich nicht nur in Aachen der Trend, aber auch hier.“

Philipp sieht die Stadt Aachen gut aufgestellt für das neue Jahr. Der städtische Haushalt sei solide, es gebe Spielräume und große Herausforderungen – gerade in der Gestaltung wichtiger innerstädtischer Bereiche. „Wir in Politik und Verwaltung sind dem Gemeinwohl verpflichtet, und das bedeutet auch, nicht zurückzuschrecken vor schwierigen komplexen Diskussionen, intensiven Debatten und klaren Entscheidungen. Und etwas mehr Bewusstsein für das Gemeinwohl anstelle der Partikularinteressen wäre auch in öffentlichen Debatten schön.“

Zum traditionellen Neujahrsgespräch ging es für die Kreishandwerkerschaft weiter in die Zollernstraße, wo Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier sowie die Vorsitzenden der im Städteregionstag vertretenden Fraktionen, der Allgemeine Vertreter des Städteregionsrates und die städteregionalen Dezernenten die Gruppe empfingen. „Das Handwerk hat eine hohe wirtschaftliche und soziale Bedeutung für die Region“, betonte Grüttemeier.

Nach Grußworten des Städteregionsrates sowie Kreishandwerksmeisters May fanden in lockerer Atmosphäre bilaterale Gespräche statt. Traditionell wurde hierzu ein süßer Gruß des Konditoren-Handwerks verspeist.

„Bei allen Herausforderungen, die die Zukunft bringt: Das Handwerk boomt, die Auftragsbücher sind voll“, stellte Grüttemeier fest. Dazu trage auch die Städteregion bei. Fast die Hälfte aller großen Aufträge ab 100.000 Euro seien im vergangenen Jahr regional vergeben worden. Bei den vielen dezentral vergebenen Aufträgen sei der Anteil noch höher. „Bis 2022 werden mindestens sieben Kindertageseinrichtungen gebaut mit einem Gesamtvolumen von 22 Millionen Euro, in den Straßenbau fließen etwa 15 Millionen Euro“, erläuterte der Städteregionsrat. Hinzu kämen vielen kleinere Aufträge. Aber: „Zum Teil haben wir Probleme, Betriebe zu finden, die für uns arbeiten. Nicht weil sie nicht wollen, sondern weil die Leute fehlen“, sagte Grüttemeier.

Herausforderungen wie den Fachkräftemangel will die Städteregion Hand in Hand mit der Kreishandwerkerschaft bearbeiten, versicherte der Städteregionsrat seinen Gästen mit Kreishandwerksmeister Herbert May an der Spitze. In der dualen Ausbildung würden derzeit mit 10.262 Schülerinnen und Schülern so wenig junge Leute wie noch nie an den Berufskollegs unterrichtet. Die Städteregion unterstütze die Betriebe über ihr Bildungsbüro bei der Werbung um junge Leute.

So sei ein Online-Buchungsportal für Berufserkundungstage eingerichtet worden, die alle Achtklässler absolvieren müssen. Das Handwerk, lobte Grüttemeier, schaue nicht nur nach den Besten, sondern gebe auch Jugendlichen eine Chance, die in der Praxis besser seien, als ihre Schulnoten verrieten. Auch bei der Integration von Flüchtlingen übernehme das Handwerk gesellschaftliche Verantwortung und sorge für Zusammenhalt und Integration: „Danke dafür und weiter so!“

Das Handwerk ist laut Grüttemeier einerseits Traditionsbewahrer, andererseits aber auch „starker Innovationstreiber“. Beispiele dafür seien die Bereiche (Elektro)Mobilität und Digitalisierung. An letzterer arbeiteten Städteregion und Handwerk gemeinsam. „Wir können die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft hier und jetzt stellen“, sagte Grüttemeier. „Lassen Sie uns die Herausforderungen mit Zuversicht und Vertrauen gemeinschaftlich anpacken."