Neue Wege gehen, Mitarbeiter motivieren: Familienfreundliche Unternehmen erhöhen ihre Attraktivität für Fachkräfte und legen mit ihren Maßnahmen die Basis für wirtschaftlichen Erfolg.
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Den Mitarbeiter als Ganzes sehen

Wirtschaftsfaktor Familienfreundlichkeit – Mit bewusster Personalpolitik können Unternehmen bei ihren Beschäftigten punkten

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Roetgen/Aachen. Familienfreundlichkeit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften. Häufig interessieren sich Bewerber mehr für dieses Thema als für das Gehalt. Außerdem lohnt sich Familienfreundlichkeit für Betriebe: Die Mitarbeitermotivation steigt, Kosten für Wiedereingliederung, Zu- und Abwanderung sowie der Krankenstand sinken. Die Digitalisierung und neue Formen der Zusammenarbeit ermöglichen wesentlich effizienteres Arbeiten. Beschäftigte, die familiäre Pflichten wie Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen übernehmen, können so Beruf und Privatleben besser vereinbaren.

Das Kompetenzzentrum Frau und Beruf der Region Aachen, die Wirtschaftsförderung der Städteregion Aachen sowie weitere Kooperationspartner des Kompetenznetzwerks „Familienfreundliche Unternehmen Ihrer Region“ unterstützen Firmen, die familienfreundlich sind oder es werden wollen. Das Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ der Bertelsmann Stiftung ist ein Instrument dafür. Es wurde jetzt an die Myrenne GmbH in Roetgen und an die Gemeinde Roetgen vergeben.

Birgit Wintermann, Projektmanagerin bei der Bertelsmann Stiftung, hat das Siegel mitentwickelt. Sie plädiert für die „Vereinbarkeit 4.0“ und ruft Unternehmer dazu auf, hier Schritte einzuleiten und die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter zu verbessern. Wer sich für die Zertifizierung mit dem Siegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ anmeldet, stellt sich zunächst einmal einem Benchmarking. Dabei werden Größe, Branche und Standort des Unternehmens berücksichtigt. Auf Basis der gewonnenen Daten erfolgt eine Einordnung, wie Vereinbarkeit im Betrieb aussehen kann.

Ganz wichtig sei, so Wintermann, dass die Spitze des Unternehmens die erstrebenswerten Ziele vorlebe, hier sei vor allem die mittlere Führungsebene gefragt. Es komme bei den Beschäftigten gut an, wenn die Tür zum Vorgesetzten offenstehe und eine direkte Kommunikation ermöglicht werde. Wintermann setzt sich zudem für Transparenz im Unternehmen ein. Stellen Sie sich die Frage: „Warum sollte jemand etwas nicht wissen?“ Mit diesen Formen der Kommunikation und Zusammenarbeit sei es möglich, Vertrauen zu schaffen und zusammen Ziele zu erreichen.

Moderne Modelle
Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung? Die Geschäftsmodelle verändern sich, sagt Wintermann, damit auch die Kundenwünsche. Agiles und flexibles Arbeiten werden immer mehr gefragt sein. Das wird nicht mehr immer nur am gleichen Ort erforderlich sein – Tätigkeiten werden immer besser und effizienter von unterwegs ausführbar sein. Unternehmen sollten viel Wert auf Projektmanagement legen und sich fragen: „Was soll am Ende rauskommen?“ Danach wäre zu erörtern, wie das Ziel erreicht werden kann.

Bei der Digitalisierung sieht die Projektmanagerin ebenfalls die Führungsebene in der Pflicht. Sie müsse „technikaffin“ sein und sich den neuen Möglichkeiten öffnen. Nur so sei die Motivation zur Nutzung moderner Technologien bei den Beschäftigten zu erreichen. Darüber hinaus müssten Führungskräfte in ihren Beschäftigten „Menschen als Ganzes“ sehen. Nicht nur ihre Arbeitsleistung, ihre beruflichen Fähigkeiten, sondern auch ihre sozialen Kompetenzen, ihre familiäre Situation, ihr Engagement im Ehrenamt, ihre Gesundheit und vieles mehr.

Birgit Wintermann ist überzeugt: Ein in Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf investierter Euro zahlt sich mehrfach aus. Deshalb sollten Unternehmen dafür Geld in die Hand nehmen. Sie sollten die Mitarbeiter in ihre Überlegungen miteinbeziehen – nicht nach dem Motto „Wünsch‘ Dir was“, aber unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und persönlichen Situation.

Info: Eine neue Webseite im Rahmen der Siegelverleihung „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ ist online gegangen unter www.familienfreundliche-unternehmen-regionaachen.de.
„Die neue Onlineplattform ist ein Produkt unserer gemeinsamen Arbeit“, sagt Birgitt van Megeren, Leiterin des Kompetenzzentrums Frau Beruf Region Aachen. Die Seite bietet ein Forum für den Austausch und die Vernetzung von Unternehmen und Akteuren und informiert über Aktivitäten und Initiativen zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“. Die Beratungsangebote, die es rund um das Thema in der Region Aachen gibt, werden transparent gemacht. Geschäftsführer, Personalverantwortliche und Mitarbeiter erhalten eine Übersicht über die Angebote und Ansprechpartner in den einzelnen Gebietskörperschaften.

Neben der Bündelung von Informationen und Kontaktpersonen soll die Plattform ein Netzwerk für Unternehmen sein. „Wir möchten Unternehmen, die familienfreundliche Maßnahmen bereits umsetzen und jene, die sie planen, als Netzwerkmitglieder gewinnen und einen intensiven Austausch rund um das Thema familienfreundliche Personalpolitik fördern“, fasst van Megeren zusammen. Interessierte Unternehmen erhalten ein persönliches Beratungsgespräch , in dem ermittelt wird, welche familienfreundlichen Strukturen bereits umgesetzt oder gerade geplant werden.