Bessere Außenwirkung im Fokus: Berufe wie zum Beispiel Gerüstbauer und ihre Karrierewege müssen attraktiver und bekannter werden.
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Der Wert der beruflichen Bildung

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer zum aktuellen Bericht

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Berlin. Der kürzlich vorgestellte Berufsbildungsbericht 2019 belegt laut Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), einmal mehr das große Engagement des Handwerks in der beruflichen Bildung. Zum einen sei das Ausbildungsplatzangebot gestiegen, zum anderen verzeichnete der Wirtschaftszweig mittlerweile bundesweit im vierten Jahr in Folge ein Plus bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen – trotz sinkender Schulabgänger-Zahlen und einer anhaltend hohen Studierneigung bei jungen Menschen.
Noch stärker als die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg allerdings die Zahl der unbesetzt gebliebenen Ausbildungsstellen. Allein im Handwerk waren es im vergangenen Jahr mehr als 17.000 angebotene Ausbildungsplätze, die nicht besetzt werden konnten – das ist mehr als jede zehnte angebotene Lehrstelle. Betroffen davon waren insbesondere Kleinbetriebe. „Im positiven Sinne zeigt die hohe Zahl angebotener Ausbildungsplätze die weiter hohe Bereitschaft unserer Betriebe, durch eigenes Ausbildungsengagement zur Fachkräftesicherung beizutragen. Von einer nachlassenden Ausbildungsbereitschaft der Betriebe kann keine Rede sein“, sagte Wollseifer.
Bedauerlicherweise greife der im Berufsbildungsbericht skizzierte Ansatz für einen Berufsbildungspakt zu kurz, um das Nachwuchsproblem zu überwinden. Das Handwerk fordere stattdessen eine umfassendere Initiative, die eine strukturelle, institutionelle und finanzielle Stärkung der beruflichen Bildung vorsieht. Wie es im Koalitionsvertrag vereinbart ist, sollte im Fokus stehen, die Höhere Berufsbildung zeitnah zu stärken und eine Exzellenzinitiative für die berufliche Bildung einzuführen. Die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung müsse künftig auch bei der Bildungsfinanzierung deutlich werden. „Berufliche Bildung sollte uns allemal so viel wert sein wie akademische Bildung“, so Wollseifer.

Alte Klischees

Im Negativ-Ranking des Berufsbildungsberichts sind mehrere Handwerksberufe zu finden wie zum Beispiel Fleischer, Klempner, Gerüstbauer, Betonbauer und Bäcker. „Diese Berufe und Karrierewege müssen wir unbedingt attraktiver machen“, sagt Volker Born, beim ZDH zuständig für den Bereich „Berufliche Bildung“. „Die Ausbildungsvergütung in Handwerksberufen ist in den letzten Jahren über Tarif gestiegen“, sagt er. So sei die Ausbildung zum Stahlbetonbauer eine mit der höchsten Vergütung. Schon im ersten Lehrjahr reiche sie an die 1.000 Euro heran. „Das ist sogar höher als die Gehälter in beliebten Ausbildungen wie denen zum Bank- oder Industriekaufmann“, sagte Born. Das Hauptproblem sei eher, dass unter Jugendlichen alte Klischees verbreitet seien.