Erstmalig vergaben die Handwerkskammer Aachen und die Stiftergemeinschaft Ausbildungspreise für herausragende Betriebe. Aus sieben nominierten Betrieben wählte die Jury drei Sieger und lobte einen Sonderpreis aus.
Foto: © Doris Kinkel / Handwerkskammer Aachen

Die besten Ausbilder gibt’s im Handwerk!

Handwerkskammer Aachen lobte erstmalig einen Ausbildungspreis aus. Drei Kategorien und ein Sonderpreis.

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Von Doris Kinkel

Aachen. Premiere: Die Handwerkskammer Aachen hat im festlichen Rahmen in der Aachener Erholungsgesellschaft einen Preis an Betriebe ausgelobt, die sich in besonderem Maße für die Ausbildung des Handwerksnachwuchses engagieren. Der Ausbildungspreis ist in drei Kategorien vergeben worden und in jeder Kategorie mit einem Preisgeld von 2.500 Euro dotiert. Die Prämien wurden von der Stiftergemeinschaft zur Förderung des Handwerks in der Region Aachen gestiftet.

Gewinner der Kategorie I, „Überdurchschnittliche Ausbildungsergebnisse“, ist die Bäckerei Heike und Helmut Stolz aus Düren. „Eine Bäckerei als Talentschmiede. Gute und sehr gute Leistungen gehören zum Credo dieses Ausbildungsbetriebes. Sie suchen, finden und fördern außergewöhnliche Talente“, fasste der Vorsitzende der Stiftergemeinschaft Michael Mahr das Urteil der Jury zusammen. Zahlreiche Siege auf Kammer-, Landes- und Bundesebene im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks konnten Lehrlinge der Bäckerei Stolz in den letzten Jahren erringen. Mit Daniel Plum und Jacqueline Derichs wurden dort zwei Lehrlinge ausgebildet, die auch auf internationalem Parkett viele Preise abgeräumt haben.

Thorsten Schmitz, Inhaber von Elektrotechnik Ell in Würselen, ist der Sieger der Kategorie II, „Herausragendes soziales Engagement“. Er  setzt verstärkt auf Ausbildung und eröffnet jungen Menschen darüber hinaus auf dem Tag des Handwerks oder am „Check in“-Tag immer wieder Perspektiven für deren Berufswahl.  Schmitz ermöglicht den jungen Auszubildenden als Ausbildungsbotschafter Einsätze in Schulen und richtet einen besonderen Fokus auf junge unbegleitete Flüchtlinge. Er hat mehrere Flüchtlinge in Ausbildung zum Elektroniker, wobei ein junger Flüchtling aus Palästina, Youssef Abojobbah, bei der Firma Ell so durchgestartet ist, dass er direkt als Ausbildungsbotschafter gewonnen werden konnte und inzwischen auch Auftritte in Funk und Fernsehen sowie auf Ausbildungsmessen hat.

Den Preis für die Kategorie III, „Innovation und Kreativität in der Ausbildung“, hat Gisela Kohl-Vogel mit ihrem Team von KOHL automobile entgegengenommen. „Ein großer und erfolgreicher Ausbildungsbetrieb im Bereich der Kfz-Technik, der in allen Kategorien des Wettbewerbs etwas vorzuweisen hat“, so Michael Mahr. Besonders innovativ war in jüngster Vergangenheit das von Kohl initiierte Projekt „Mach mit“ in Kooperation mit der Handwerkskammer Aachen, bei dem Acht- und Neuntklässler die Kfz-Berufe kennenlernten und ein Fahrzeug instandgesetzt haben. Unter fachkundiger Anleitung brachten die Schüler einen ziemlich schrottreifen 1er-BMW wieder ans Laufen. Der Mach-mit-Gedanke soll auch in anderen Projekten und Handwerken umgesetzt werden. Nach dem Motto: Nicht reden, machen!

Einen Sonderpreis, dotiert mit 1.000 Euro, erhielt Karl-Heinz Esser von Wurstspezialitäten Esser, da der Betrieb aus Erkelenz in allen Kategorien nominiert worden war. Esser bildet seit Jahrzehnten erfolgreich vor allem Fleischer und Fleischereifachverkäufer aus; 80 Prozent der Azubis schließen ihre Ausbildung mit Erfolg ab, 25 Prozent mit der Gesamtnote gut oder besser. Der Betrieb stellt regelmäßig Sieger auf Innungs-, Kammer- und Landesebene. Kürzlich ist Esser in der Zeitschrift Focus zum „Besten Ausbildungsbetrieb“ im Bereich Lebensmittelproduktion gekürt worden. Die Firma wartet mit flotten Sprüchen und Kampagnen in der Nachwuchswerbung auf.

Nominiert waren außerdem: Dachdeckerbetrieb Hans-Dieter Büschkes, Euskirchen; TFA Gesellschaft für Kommunikationselektronik, Kreuzau; Tholen Elektrotechnik, Gangelt. Sie erhielten Urkunden, die ihre außergewöhnliche Ausbildungsleistung bescheinigen.

Die Qualität der dualen Ausbildung ist für die Handwerkskammer Aachen ein wichtiges bildungspolitisches Thema. Denn nur qualitativ gut ausgebildete Fachkräfte sichern langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und den eigenen Fachkräftenachwuchs. Auch wenn viele Faktoren Einfluss auf die Ausbildungsqualität haben – Betrieb, Berufsschule, Überbetriebliche Ausbildungsstätten, organisatorische Rahmenbedingungen, familiäres Umfeld, Azubis selbst –, sind es insbesondere die Ausbildungsbetriebe, denen eine besondere Verantwortung zukommt, nicht zuletzt deshalb, weil Zweidrittel der Lehrzeit im Betrieb absolviert wird.

Dass bei der Verleihung des Ausbildungspreises „die Betriebe ins Licht gestellt werden“, gefiel Wilhelm Steitz. Solch ein Preis sei sehr gut für die Reputation der dualen Ausbildung. „Sie gestalten auch das soziale Miteinander in der Gesellschaft“, lobte der stellvertretende Regierungspräsident der Bezirksregierung Köln die Handwerker.

„Ihnen wird immer im Gedächtnis bleiben, dass Sie Menschen ausgebildet haben. Azubis hatten bei Ihnen die Chance, etwas zu lernen. Sie haben Menschen geformt, ihnen gezeigt, was Teamarbeit ausmacht, was handwerkliche Leistungen sind“, sagte Michael Mahr.

„Sie übernehmen Verantwortung und investieren Zeit! Wir sind stolz im Handwerk, dass sich so viele über das Normale hinaus engagieren und damit auch zeigen, was eine qualifizierte Ausbildung bedeutet“, betonte der Präsident der Handwerkskammer Aachen, Dieter Philipp. Mit Blick auf Preisträgerin Gisela Kohl-Vogel, die kürzlich zur Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Aachen gewählt worden ist, betonte Philipp: „Die Wirtschaft in dieser Region ist eins. Wir ziehen an einem Strang, damit die Menschen hier gut leben können.“