Informierten und diskutierten über die digitale Bauakte (v.l.): Kurt Krüger, Leiter der Unternehmensberatung der Handwerkskammer Aachen, Dr. Rainer Kaspar, Ralph Kühn und Frank Elbnick, Beauftragter für Innovation und Technologie bei der Kammer.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Foto: Elmar Brandt

Die digitale Bauakte

Alle Daten aktuell und jederzeit verfügbar

Beauftragter für Innovation und Technologie (BIT)

Aachen. Die Digitalisierung betrifft alle Bereiche unserer Gesellschaft. Auch im Bauhandwerk sind immer mehr Prozesse davon betroffen. Künftig wird die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Handwerksunternehmen stark vom Grad der eigenen Digitalisierung abhängen. Die „digitale Bauakte“ bietet hier viele Vorteile. Bei einer Informationsveranstaltung von Handwerkskammer Aachen und SOKA-BAU stellten Experten diese vor.

Im Zusammenhang mit der Digitalisierung stellen sich zum Beispiel solche Fragen: Wie kann der Maurer Baustellen- und Gebäudebegehungen per mobilem Endgerät dokumentieren? Wie gewinnt ein Elektrotechniker einen schnellen Überblick über Behinderungen, Mängel, Schäden und erfasste Zeiten auf der Baustelle? Wie ruft der Installateur und Heizungsbauer seine Baustellendaten, zum Beispiel direkt in der Baubesprechung, ab oder reagiert auch unterwegs auf Störungen auf der Baustelle? Wie wird sichergestellt, dass die aktuellen Pläne des Malers und Lackierers nicht nur im Büro liegen, sondern jederzeit mobil verfügbar sind?

Nach einer Einführung in das Thema durch Frank Elbnick, Beauftragter für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Aachen, sprach Rainer Kaspar von der SOKA-BAU über die Stärkung des regionalen Bauhandwerks durch Nutzung der digitalen Bauakte. Er erläuterte die Vorteile für Unternehmen bei der Planerstellung oder bei der Mängelbeseitigung und den Informationsfluss durch das Führen eines Baustellen-Tagebuchs. Dabei ging er auf die speziellen Voraussetzungen für kleine und mittlere Unternehmen ein, denen es häufig an Personal- und Zeitressourcen fehle. Im Vordergrund müsse deshalb stehen, mit möglichst wenig Projektarbeit relativ schnell zur praktischen Umsetzung und zu erkennbaren Erfolgen zu kommen. Auch sollte dabei keine größere Vorinvestition nötig sein. Umsetzung und Einführung Schritt für Schritt sozusagen.

Kaspar sieht in der Nutzung der digitalen Bauakte viele Chancen, verweist aber auch darauf, dass es eine wissenschaftliche Begleitung in Form einer Studie geben müsse, um festzustellen, welche Instrumente wirklich wichtig sind, was schwierig umzusetzen und was noch gar nicht abgedeckt ist. Mithilfe dieser gewonnenen Ergebnisse könne dann bei der digitalen Bauakte nachjustiert werden und eine Verknüpfung zum Building Information Modelling (BIM) hergestellt werden. Dies alles zusammen schaffe eine hervorragende Grundlage, um weiterhin im Wettbewerb bestehen zu können.

Prozesse projiziert
Wie die digitale Bauakte in der Cloud zu bedienen und zu füttern ist, machte Ralph Kühn von der Datengut Leipzig GmbH & Co. KG durch Live-Präsentationen der Arbeitsschritte deutlich. Er zeigte am Beispiel des firmeneigenen Produkts, wie schnell und einfach und ohne viel Beratungsaufwand die Handhabung in der Cloud ist, wie Fotos und Anmerkungen zu einzelnen Stellen in den Plänen hinzugefügt werden können und welche weiteren Möglichkeiten es darüber hinaus zum Beispiel im Hinblick auf elektronische Zeiterfassung noch gibt.

Schlüsselthemen sind für Kühn eine einheitliche Ablagestruktur, der ständige mobile Zugriff, das Anlegen von Vorlagen, die Verwaltung von Fristen für bestimmte Bauleistungen oder Lieferungen sowie klare, nachvollziehbare Abläufe.

Durch die Einbindung von Kunden, Lieferanten und anderen Gewerken sei eine abteilungs- und standortübergreifende Zusammenarbeit möglich. Informationen würden an einer zentralen Stelle gebündelt und den richtigen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt. So entstehe eine chronologisch aufgebaute Projektdokumentation. Alle wichtigen Informationen seien jederzeit – auch nach Beendigung des Projektes – einsehbar und nachvollziehbar dokumentiert.Im Anschluss an die Vorträge hatten die teilnehmenden Handwerker noch ausreichend Zeit, ihre Fragen zu stellen. Die große Resonanz zeigte, wie wichtig das Thema den Unternehmen bereits ist.