Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, diskutierte im Trainings-Centrum Kraftfahrzeugtechnik der Handwerkskammer Aachen mit Handwerkern und Interessenvertretern.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Elmar Brandt

Duale Berufsausbildung stärken

Handwerker und Interessenvertreter diskutieren mit Staatssekretär Rachel

Pressemitteilung

Kreis Düren. Handwerk diskutiert mit Politik: Das Berufsbildungsgesetz und seine Reform standen im Mittelpunkt eines intensiven Austauschs im Trainings-Centrum Kraft­fahrzeugtechnik (TraCK) Düren der Handwerkskammer Aachen. Dabei sprach Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, mit Handwerksmeistern sowie Vertretern der Handwerksorganisation aus der gesamten Region. Rachel nutzte das Treffen, um Meinungen und Anregungen mitzunehmen für die weitere politische Debatte um die Novelle in Berlin. Darüber hinaus nannte er seine eigenen wichtigen Gesichtspunkte im Hinblick auf die Gesetzesreform.

„Wir wollen die Wertschätzung für die Duale Ausbildung steigern“, sagte Rachel. Das ist auch dringend nötig, da der Fachkräftemangel im Handwerk immer stärkere Auswirkungen zeigt. Wichtig sei, so Rachel, eine Vernetzung und Zusammenarbeit von vielen Partnern, um größere Erfolge erzielen zu können. Außerdem sprach er sich für eine größere Durchlässigkeit im Bildungssystem und bei den zu erreichenden Qualifikationen aus. Eine Stärkung der höherqualifizierenden Berufsbildung soll laut Reformentwurf die Festschreibung der drei Fortbildungsstufen „Berufsspezialist“, „Berufsbachelor“ und „Berufsmaster“ bringen. Auf das Handwerk bezogen wäre erstere gleichzusetzen mit einer Qualifikation oberhalb der dualen Berufsausbildung wie zum Beispiel Servicetechniker oder Fachkaufmann (HWK). Dem „Bachelor“ entspräche der Meisterbrief und dem „Master“ die Qualifikation zum Betriebswirt (HwO). Für den Handwerksmeister sieht der Entwurf eine generelle Kombination mit der Stufenbezeichnung vor, der Meistertitel bleibt also erhalten.

Mindestausbildungsvergütung
Der Referentenentwurf für die Novelle des Berufsbildungsgesetzes sieht eine Mindestausbildungsvergütung vor. Sie soll verbindlich im ersten Lehrjahr bei 504 Euro liegen und in den folgenden Lehrjahren um 5, 10 und 15 Prozent von 504 Euro steigen. Ab 2021 soll der Ausgangswert bei 554 Euro liegen. Die Werte orientieren sich am Schüler-Bafög. Sie dienen nur als Untergrenze für Ausbildungsvergütungen, höhere Tarifabschlüsse bleiben gültig.

In der Diskussion mit dem Staatssekretär machten die Handwerksvertreter deutlich, dass in neun von zehn Betrieben die vorgeschlagene Summe bereits als Vergütung gezahlt wird und häufig deutlich mehr. Die Grenze werde vor allem in selteneren Gewerken mit weniger Betrieben und Lehrlingen unterschritten. Der Arbeitnehmer-Vizepräsident der Handwerkskammer Aachen, Felix Kendziora, plädierte für eine stärkere Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen, denn nur 30 Prozent der Handwerksunternehmen vergüteten tarifgebunden. Dieser Aspekt solle bei der Diskussion um die Bezahlung von Lehrlingen berücksichtigt werden. In Frage gestellt wurde von den Diskussionsteilnehmern, ob eine Mindestausbildungsvergütung zu einem Anstieg der neuen Lehrverhältnisse führe. Viel wichtiger seien für viele junge Leute die Attraktivität der Handwerksberufe, Perspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten.

Staatssekretär Rachel warb in dem Zusammenhang für die Teilzeitberufsausbildung. Sie solle mehr Menschen die Möglichkeit bieten, eine Lehre zu absolvieren. Das gelte nicht nur für Personen, die sich um ein Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmern oder selber eine Behinderung haben. Auch für Geflüchtete könne die Teilzeitberufsausbildung ein Modell sein, um nebenbei sprachliche Fähigkeiten verbessern und sich um Persönliches kümmern zu können.

Für eine Stärkung der Digitalisierung in der Ausbildungsphase sprach sich Rachel aus. Es gelte, neue digitale Geräte und Anwendungen in den Unternehmen und Bildungszentren anzuschaffen und die Schulung von Ausbildern und pädagogischem Personal für die Digitalisierung voranzutreiben. Die Nutzung des technologischen Fortschritts und die Verknüpfung mit traditionellen Tätigkeiten würden zur Attraktivitätssteigerung der Dualen Ausbildung beitragen, ebenso das Angebot von Auslandsaufenthalten.

Organisation von Prüfungen
Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes ist die Organisation und Realisierung von Prüfungen. Da es immer schwerer wird, Ehren­amtler für die Prüfungsausschüsse zu finden, gehen die Überlegungen dahin, einzelne Prüfungsleistungen durch Delegationen abnehmen zu lassen. So könnte der Prüfungsausschuss die Arbeit auf mehr Schultern verteilen. Die abschließende Bewertung soll dann auch in solchen Einzelgruppen vorgenommen werden.

Wie die Ausschüsse sollen auch die Delegationen gemeinsam von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Vertretern der Berufsschulen gebildet werden. Die Delegationen würden dann von den zustänidgen Stellen wie zum Beispiel der Handwerkskammer im Einvernehmen mit dem Prüfungsausschuss beauftragt. Das „Berichterstatter­prinzip“, wonach zwei Personen eine Vorbenotung vornehmen und der Ausschuss danach die Endnote festsetzt, würde nach dieser neuen Vorgehensweise entfallen. Im Rahmen der Delegationen werden Stellvertreter und Stellvertreterinnen uneingeschränkt einsetzbar sein. Mit der Einrichtung solcher Delegationen wäre es zusätzlich möglich, Menschen für einen ehrenamtlichen Einsatz zu gewinnen, die weniger zeitliche Kapazitäten zur Verfügung haben und nicht das volle Arbeits­programm eines Ausschusses mittragen können.

Abschließend rief Staatssekretär Rachel das Handwerk dazu auf, sich aktiv in die politische Debatte einzubringen, Argumente und Anregungen zu liefern, um die Zukunft des Wirtschaftszweigs und den Fachkräftenachwuchs zu sichern. Er bot sich weiterhin als Ansprechpartner an, der die Interessen des Kammerbezirks Aachen sehr gerne in der Hauptstadt vertritt. Dazu beitragen sollen weitere Gespräche mit dem Handwerk in der Zukunft.