Josef Cüppers (links) und Jörg Harmßen nennen sich die Nähmaschinen-Doktoren und sind mit ihrer Geschäftsidee schon kurz nach Gründung deutschlandweit erfolgreich.
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Ein Fall für die Nähmaschinen-Doktoren

Josef Cüppers und Jörg Harmßen „verarzten“ Maschinen. Sie sind Meister ihres Handwerks und wollen nächstes Jahr auch ausbilden.

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Von Anna Petra Thomas

Heinsberg. Nicht nur der pfiffige Name der „Nähmaschinen-Doktoren“ ist es, der die Handwerksmeister Josef Cüppers und Jörg Harmßen inzwischen deutschlandweit erfolgreich macht, sondern vor allem die Tatsache, dass immer mehr Menschen das Hobby des Nähens für sich entdecken, der Markt für Nähmaschinen boomt, aber kaum jemand da ist, der fachgerechte Reparaturen vornehmen kann.

Ähnlich einer freien Autowerkstatt haben die beiden im November 2018 in Heinsberg-Unterbruch eine Werkstatt gegründet, in der ausschließlich Nähmaschinen repariert werden. Die Maschinen kommen dabei nicht nur auf dem Postweg zu ihnen. Das Unternehmen hat inzwischen eigene Annahmestellen im ganzen Rheinland, an denen die beiden die Maschinen selbst abholen. Die Marke ist für sie dabei ebenso wenig entscheidend wie das Alter, denn beide sind ausgewiesene Profis und haben ihr Handwerk von der Pike auf gelernt.

1982 haben sie zusammen in Köln bei einem bekannten deutschen Nähmaschinenhersteller ihre Ausbildung begonnen. Dann trennten sich ihre Wege, aber beide blieben ihrer Passion treu. Da es einen Meisterbrief im Nähmaschinenmechaniker-Handwerk nicht gibt, machte Harmßen seine Meisterprüfung als Maschinenbaumechanikermeister, Cüppers wurde Feinmechanikermeister.

Der Name Cüppers steht zudem in Heinsberg schon seit Jahrzehnten in enger Verbindung mit dem Begriff Nähmaschine. Der Großvater von Josef Cüppers, mit dem gleichen Vornamen, gründete 1945 in der Jägerstraße in Dremmen sein erstes Nähmaschinengeschäft. Wenige Jahre später schon erfolgte der Umzug in die Hochstraße, in die heutige Fußgängerzone. „Das war dann mein Elternhaus“, erzählt der Enkel. 2008 zog er mit dem Geschäft an die Ecke Apfelstraße und Liecker Straße um.

Im August dieses Jahres erfolgte dann der Umzug nach Unterbruch. Mehr Platz wurde gebraucht, denn das Geschäft bietet inzwischen nicht nur Nähmaschinen, sondern alles, was es zum Nähen braucht, inklusive der passenden Kurse. Wichtig zudem für die im selben Gebäude ansässigen Nähmaschinen-Doktoren war, dass sie hier ihre Werkstattfläche verdoppeln konnten und auch über ein riesiges Lager vor allem für gebrauchte Nähmaschinen verfügen. „Das ist einzigartig in ganz Deutschland“, sagt Josef Cüppers, als er durch die Regale geht, in denen sich die Maschinen stapeln, fein sortiert nach Marke und Alter. Wenn jemand Interesse habe an einer gebrauchten Maschine, dann werde sie wieder fürs Nähen fit gemacht, erklärt er. Zugleich diene diese Vielfalt an Maschinen aber auch der eigenen Werkstatt als Ersatzteillager.

Zwischen fünf und zehn Maschinen reparieren Josef Cüppers und Jörg Harmßen derzeit pro Tag. Trotz aller Elektronik, die in die Maschinen eingebaut sei, würden die meisten Reparaturen immer noch die Mechanik betreffen, sagen die beiden. „Und die Grundfunktionen sind immer gleich“, wissen sie. Da sie zu zweit seien, ergäben sich zudem viele Synergien in der Arbeit, ergänzt Josef Cüppers. „Und einer alleine könnte das Aufkommen hier gar nicht mehr bewältigen.“

Diesen Erfolg der Geschäftsidee macht er an zwei Veränderungen fest. Früher hätten die Menschen ein Monatsgehalt für eine Nähmaschine ausgegeben, um sie als Brot- oder zumindest für einen Nebenerwerb zu nutzen, sagt er. Heute sei Nähen ein weit verbreitetes Hobby geworden. Maschinen würden en masse verkauft, aber kaum jemand kümmere sich um die Reparatur. Und von den richtig ausgebildeten Handwerkern gebe es auch kaum noch welche. „Ich war 1992 der letzte im Meisterkurs in Bielefeld“, sagt Josef Cüppers.

Die alten Meister hätten ihre Geschäfte inzwischen geschlossen, und ausgebildet würden Nähmaschinenmechaniker schon lange nicht mehr. Das wollen die beiden Nähmaschinen-Doktoren jetzt jedoch ändern. Sie wollen im kommenden Jahr einen Ausbildungsplatz anbieten. In diesem Zusammenhang macht Josef Cüppers auch ein wenig seinem Ärger Luft. „Immer wieder und immer öfter kommen Nähmaschinenbesitzer zu uns, die vorher in einer Werkstatt waren, die nicht von einem Meister geleitet wurde“, sagt Josef Cüppers. „Aber die Nähmaschinenreparatur ist ein Meisterberuf. Das ist vielen Menschen gar nicht bewusst.“ Leider habe sein Berufsstand jedoch keine Lobby mehr. „Wir sind halt eine aussterbende Gattung“, sagt er.

Nicht nur um mehr Anerkennung für ihren Handwerksberuf kämpfen die beiden, zugleich sind sie ganz innovativ unterwegs und auch in ihrer Unterbrucher Werkstatt an der Entwicklung neuer Nähmaschinen beteiligt. Im angrenzenden Geschäft werden nicht nur die Maschinen eines der ältesten deutschen Hersteller vertrieben, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert. In ihrer Werkstatt im Untergeschoss testen die beiden Meister Maschinen, die erst noch auf den Markt kommen sollen, auf Herz und Nieren.