Interessante Branche mit sehr guter Perspektive: Die Berufe im Elektrohandwerk erfreuen sich einer stark wachsenden Beliebtheit. Hier konfiguriert ein „E-Zubi“ einen Wärmepumpen-Manager.
© Foto: Bilderwerk Wiesbaden, Sven Biernath

Elektrohandwerk

Digitalisierung und Weiterentwicklung – Erfolge bei der Nachwuchsgewinnung

Auszubildende

Frankfurt am Main. Der Einfluss der Digitalisierung auf die Märkte der E-Handwerke, die Weiterentwicklung der E-Marke sowie die Bedeutung der Gebäudetechnik bei der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende bildeten die inhaltlichen Schwerpunkte der Jahrestagung des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) in München.

In den Bundesgremien diskutierten die Delegierten über die neuen Herausforderungen im digitalen Zeitalter. Richtschnur und Handlungsanweisung für die Aktivitäten der elektrohandwerklichen Organisation sind dabei die „Agenda zur Digitalisierung im E-Handwerk“ und die darauf basierende „Bonner Erklärung“.

Neun Gremiensitzungen boten genügend Raum, um das im vergangenen Jahr Erreichte Revue passieren zu lassen und die Verbandsarbeit für das kommende Jahr auszurichten. Darüber hinaus veranstaltete der ZVEH traditionell die Öffentliche Festveranstaltung und den Festabend. An den Sitzungen und Veranstaltungen nahmen hochrangige Vertreter aus Spitzenverbänden der Elektroindustrie, des Elektrogroßhandels, des Handwerks und aus der Versicherungswirtschaft teil. Zu den Gästen zählten unter anderen Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Heckle, Vorsitzender des Bundesverbands des Elektro-Großhandels (VEG), Michael Ziesemer, Präsident des Zentralverbands der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), und Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern. Auch Vertreter aus befreundeten europäischen Handwerksorganisationen nahmen auf Einladung des ZVEH an der Jahrestagung teil.

Säule der Energiewende
Im Rahmen der Mitgliederversammlung referierte ZDH-Geschäftsführer Dirk Palige über die Auswirkungen des Koalitionsvertrags auf das deutsche Handwerk. Andreas Bettermann, Vorsitzender des Fachverbands Elektroinstallationssysteme im ZVEI, und Holger Heckle sprachen in der Öffentlichen Festveranstaltung über die Qualität der Partnerschaft des „dreistufigen Vertriebs“ vor rund 300 Teilnehmern jeweils ein Grußwort. Die Festrede hielt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena), der die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende skizzierte und die Elektrohandwerke als wichtige Säule der Energiewende bezeichnete.

Mehr Auszubildende
ZVEH-Präsident Lothar Hellmann legte auf der Mitgliederversammlung ein besonderes Augenmerk auf das Thema Nachwuchs und Lehre. Eine qualifizierte Ausbildung sei unverzichtbar, da die Aufgaben rund um die Geschäftsfelder Energiemanagement, Effizienzsteigerung und Gebäudeautomation durch die Digitalisierung immer anspruchsvoller würden. Umso mehr freute es Hellmann, dass es im vergangenen Jahr erneut gelungen ist, die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im E-Handwerk zu steigern. Nach einem Plus von 4,7 Prozent in 2015 und 3,2 Prozent in 2016 hat sich der Wert nun um bemerkenswerte 5,9 Prozent erhöht. „Damit liegen wir deutlich über den Zuwächsen im Gesamthandwerk (+ 1,4 Prozent). Die Zahl der Auszubildenden hat nun die Marke von 41.500 (+ 3,4 Prozent) überschritten. Unsere Ausbildungsberufe und die damit verbundenen Zukunftsperspektiven sind attraktiver denn je für die Jugend. Die gute E-Zubis-Kampagne steuert ein Übriges bei“, so Hellmann. Trotz der erfreulichen Erfolge in der Nachwuchssicherung arbeiten die Gremien des ZVEH intensiv an einer Novellierung der Ausbildungsberufe, um die Ausbildung noch passgenauer auf die Herausforderungen der Digitalisierung auszugestalten.

Mit Blick auf die erfolgreiche Markenpolitik der E-Organisation erläuterte Hellmann die in den vergangenen zwei Jahren erarbeitete Weiterentwicklung der E-Marke. Es ist weiterhin oberstes Ziel, auf das Qualitätskonzept zu setzen. E-Marken-Betriebe werben daher demnächst mit dem Logo „Premium E-Marken-Betrieb“, das auf die überdurchschnittlich hohe Qualität der Dienstleistungen der Markenbetriebe hinweist. Gleichzeitig wurde aber auch die Sub-Marke „Innungs-Betrieb“ entwickelt, mit der Innungsmitglieder ihre Zugehörigkeit zur E-Organisation signalisieren können.

Politische Erfolge
Als Erfolg in der politischen Interessenvertretung des ZVEH hob Hellmann das Inkrafttreten des neuen Mängelgewährleistungsrechts hervor. Handwerkliche Unternehmen können nunmehr auch die Aus- und Wiedereinbau-Kosten im Gewährleistungsfall von der Vorhandelsstufe einfordern. ZDH und ZVEH hatten sich im Schulterschluss für die Änderungen stark gemacht. Die von den Herstellern befürchtete Flut von Gewährleistungsansprüchen blieb bislang aus. Hellmann betonte, dass der Abschluss der vom ZVEH angebotenen Haftungsübernahmevereinbarungen (HÜV) für die Industrie nach wie vor interessant ist, da mit der HÜV ein geregeltes Verfahren direkt zwischen Handwerksbetrieb und Hersteller geschaffen wird.

Mit Blick auf den Koalitionsvertrag warnte Hellmann, die Bedeutung der Gebäudetechnik nicht aus den Augen zu verlieren. Das Gelingen der Energiewende, der Sektorenkopplung und die „Smartifizierung des Alltags“ ließen sich nur mit modernster Gebäudetechnik erreichen.

„Wo bleibe ich?“
Bei der Jahrestagung stieß auch das Unternehmerinnenforum auf Begeisterung. Im  Workshop „Die Mammut-Rolle der Frau im Familienunternehmen – Wo bleibe ich dabei?“ analysierten die Teilnehmerinnen den unternehmerischen Alltag, in dem mitarbeitende Familienmitglieder fast immer eine Doppelrolle ausfüllen müssen. Ausgehende vom Wissen aus der Glücks- und Zufriedenheitsforschung und aus den Erkenntnissen der modernen Gehirnforschung erarbeiteten die Teilnehmerinnen in entspannter Atmosphäre ihre Möglichkeiten, selber gesund, zufrieden und von eigenen Werten angetrieben zu leben.

Die nächste Jahrestagung des ZVEH findet vom 12. bis 14. Juni 2019 in Berlin statt.

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