Was steht einem Lehrling an Bezahlung zu? Laut neuem Gesetz sollen es ab 2020 im ersten Lehrjahr mindestens 515 Euro sein. Das Handwerk sieht darin eine Belastung für kleine Betriebe.
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Erwartungen nicht erfüllt

Berufsbildung: Handwerk kritisiert neues Gesetz

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Berlin. Zu dem vom Bundeskabinett beschlossenen Berufsbildungsmodernisierungsgesetz erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH):

„Das jetzt beschlossene Berufsbildungsmodernisierungsgesetz bleibt hinter den Erwartungen des Handwerks zurück. Attraktive Ausbildungsvergütungen sind gerade in Zeiten eines hohen Nachwuchs- und Fachkräftebedarfs wichtiger denn je. Die Höhe von Azubi-Vergütungen sollte jedoch allein Sache der Sozialpartner sein, die zielgenaue und sachgerechte Lösungen finden. Die im Gesetz vorgesehene Einführung einer bundesweit einheitlichen, staatlich festgelegten Mindestvergütung wird der ganz unterschiedlichen Situation der Betriebe nicht gerecht. Eine solche Mindestausbildungsvergütung wird besonders kleine Handwerksbetriebe in strukturschwachen Regionen belasten. Wir befürchten, dass künftig eine Reihe von Betrieben sagen: ‚Ausbildung können wir uns nicht mehr leisten.‘ Das wäre dann das Gegenteil von dem, was wir brauchen.“

Zum 1. Januar 2020 soll eine Mindestausbildungsvergütung in Höhe von 515 Euro eingeführt werden, die bis Ende 2023 auf 620 Euro steigen soll. Durch ebenfalls gesetzlich normierte „Wertschöpfungsaufschläge“ sollen die Basiswerte der Mindestvergütung im zweiten Jahr der Berufsbildung um 18, im dritten um 35 und im vierten Jahr um 40 Prozent steigen. Als Folge der dauerhaften Festschreibung dieser Prozentzahlen ergibt sich für zukünftige Steigerungen der Mindestvergütung, dass sich diese beschleunigt erhöhen. Diese Regelung, die völlig losgelöst von der Lohn- und der wirtschaftlichen Entwicklung ist, wird laut ZDH damit zu deutlichen Belastungen gerade für die kleinen Betriebe im Handwerk führen. Zu begrüßen sei dagegen, dass durch eine Übergangsregelung die neuen Regelungen nicht auf laufende Ausbildungsverträge Anwendung finden.

Mit Blick auf die zusätzlichen Belastungen für die Betriebe sei es bedauerlich, dass nicht alle Chancen genutzt worden seien, um ausbildende Betriebe zu entlasten. Das Handwerk investiere in Menschen und stehe zur Ausbildung, so Schwannecke. Das zeige das hohe Ausbildungsengagement der Handwerksbetriebe. Hier allerdings erwarte der Wirtschaftszweig mehr Unterstützung seiner Bemühungen. Gerade vor dem Hintergrund einer sich eintrübenden Konjunktur müsse die Politik dafür sorgen, dass die Einführung einer staatlichen Mindestausbildungsvergütung nicht zu einer strukturellen Schwächung des bemerkenswerten Ausbildungsengagements im Handwerk führe.

„Hinter den Erwartungen des Handwerks bleiben etwa die vorgesehenen Regelungen zum beruflichen Prüfungswesen zurück: Leider ist hier die Chance vertan worden, Prüfer in ihrem ehrenamtlichen Einsatz zu entlasten. Da muss dringend nachgebessert werden. Positiv ist das Ansinnen hervorzuheben, die Höhere Berufsbildung durch attraktive und international verständliche Fortbildungstitel zu stärken und so die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung sichtbarer zu machen, etwa durch den „Bachelor Professional“ und „Master Professional“. Dabei ist für das Handwerk allerdings entscheidend wichtig, dass die bewährten Abschlussbezeichnungen durch die neuen Bezeichnungen keinesfalls ersetzt, sondern nur ergänzt werden“, erklärt der ZDH-Generalsekretär.