Im Hilfarther Brauhaus zapft Wilhelm Fell das Bier direkt aus dem Lagertank.
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Frisches Bier und feine Körbe

Wilhelm Fell hat zwei Meisterbriefe und damit zwei berufliche Standbeine

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Von Anna Petra Thomas

Hückelhoven. Die handwerkliche Tradition der eigenen Familie bewahren und zugleich sein Hobby oder besser noch seine Leidenschaft ebenfalls zum Beruf machen, das ist jetzt Wilhelm Fell aus Hückelhoven-Hilfarth wahrhaft meisterlich gelungen. Neben seinem Meisterbrief als Korbmacher besitzt er jetzt nämlich auch noch seinen Meisterbrief als Brau- und Mälzermeister.

Schon als Kind war für den heute 50-Jährigen immer klar, dass er in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten und das von seinem Urgroßvater im Jahr 1900 gegründete Hilfarther Korbhaus einmal weiterführen würde. Der kleine Ort Hilfarth, der heute zur Stadt Hückelhoven gehört, war damals ein Zentrum des deutschen Korbmacherhandwerks. Nach seinem Gesellenbrief erhielt er 1992 den Meisterbrief von der Handwerkskammer Aachen. In seinem Korbhaus gibt es heute alles, was das Herz des Freundes der Flechtkunst begehrt, vom kleinen Brotkörbchen bis zum repräsentativen Möbelstück. Fertigungsstätten hat Fell heute im fernen Ausland. Vor allem als Großhändler vertreibt er seine Korbwaren weltweit.

Seit den 1980er Jahren hat sich parallel seine private Leidenschaft fürs selbst gebraute Bier entwickelt. „Einfach mal selber machen wollen“, sei die Idee gewesen, sagt Fell. Und es sei zu dieser Zeit gar nicht so einfach gewesen, an die Rohstoffe zu kommen, um dann im ersten, selbst gebauten Braukessel ein helles, obergäriges Bier zu brauen. „Es war trinkbar“, erinnert er sich schmunzelnd. Vor etwa zehn Jahren dann intensivierte er sein Hobby, kaufte 2010 in Bad Nauheim eine gebrauchte Gasthausbrauerei und baute sie gleich neben dem Korbhaus im heutigen Hilfarther Brauhaus wieder auf. „Das war früher ein altes Werkstattgebäude“, erklärt er. Es wurde abgerissen und das Brauhaus von Grund auf neu gebaut.

Um seine „Ausbildungsdefizite“, wie er selbst sagt, in seinem zweiten Beruf zu beheben, entschied sich Fell 2014, seinen zweiten Meisterbrief anzustreben. Aufgrund fehlender Fortbildungsmöglichkeiten in Nordrhein-Westfalen ging er in Teilzeit für eineinhalb Jahre nach Oberfranken, wo er zuvor Korbmachergeselle geworden war. „Das habe ich am Anfang ganz schwer unterschätzt“, erinnert er sich. „Die erste Meisterprüfung hatte ich einfacher in Erinnerung.“ Am Ende gehörte er 2017 von den 27 Anwärtern, die gestartet waren, zu den 16 Glücklichen, die ihren Meisterbrief in Händen hielten.

Heute beschäftigt Fell in seinem Brauhaus einen Auszubildenden. Bewerber aus der ganzen Welt, sogar aus Afrika und aus Südkorea, hätten sich bei ihm gemeldet, erzählt er. 1.000 Liter Bier kann er pro Woche brauen, und er investiert gerade wieder in neue, größere Tanks, um sein Lagervolumen von derzeit 80 Hektolitern weiter ausbauen zu können. In Zwei-Liter-Pfandflaschen und Fünf-Liter-Fässchen verkauft er außer Haus in die Region ganzjährig sein Hilfarther Hell mit 11,5 Prozent Stammwürze und sein Hilfarther Spezial mit 13,5 Prozent Stammwürze. Hinzu kommen saisonal weitere Biere vom Maibock übers Schützengold bis zum Winterbock, dazu ein Sommerbier und sein Schwarzer Leo.

Mit den überall aus dem Boden schießenden „Craft Brauern“ will sich Fell nicht verglichen wissen. „Da wird auch viel Schindluder getrieben“, sagt er. „Das hier ist keine Zauberei, das ist einfach gutes Handwerk“, betont er. Und seines soll regional bleiben, „um den Kirchturm herum“. Und wenn dann eine Gruppe nach einem Besuch im Korbmachermuseum bei ihm vorbeischaut und noch ein Bier genießt, dann schließt sich auch für ihn der Kreis.

Info: Geöffnet ist das Hilfarther Brauhaus montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr. Dann gibt es hier frisch gezapftes Bier direkt aus dem Lagertank. Weitere Informationen im Netz unter www.hilfarther-brauhaus.de.