Gedanken austauschen, gemeinsame Ziele diskutieren: Die UnternehmerFrauen im Handwerk kamen beim ZDH in Berlin zum Jahresgespräch zusammen. Dabei wurden klare Forderungen aufgestellt.
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Gemeinsam für die Gleichwertigkeit

UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) und ZDH im jährlichen Dialog – Stärkung der beruflichen Bildung im Fokus

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Berlin. Auch im siebten Fachgespräch zwischen den UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) stand wieder die bürokratische Belastung im Mittelpunkt. „Die Liste ist sogar länger geworden“, mahnte UFH-Bundesvorsitzende Heidi Kluth und verweist auf die bürokratischen Auswüchse im Umfeld der seit Mai geltenden Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Eine fatale Entwicklung in diesem Zusammenhang sei, dass mittlere Betriebsgrößen wegfallen und der Trend zu mehr Kleinst- und Großbetrieben festzustellen sei. Gerade die Kleinst- und Kleinbetriebe bräuchten Hilfe beim Ausbau der digitalen Infrastruktur. „Mit dem Kabel vor der Haustür ist es nicht getan“, so Kluth.

Laut ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte bleibt beim flächendeckenden Ausbau von schnellem Internet noch viel zu tun, gerade in ländlichen Regionen. Hinzukommen müsse eine gezielte Unterstützung kleiner Unternehmen beim digitalen Wandel. Deshalb soll das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk als Anlaufstelle weitergeführt werden. Eine zentrale Frage im Bereich der digitalen Geschäftsmodelle sei, wer demnächst Zugang zu digitalen Daten erlangt. „Wir dürfen nicht die Schnittstelle zum Kunden an die Hersteller verlieren!“, so Schulte. Zum Thema DSGVO forderte Schulte die Unternehmerinnen auf, nicht sozial-adäquate Fälle direkt an den ZDH zu melden. Ein Gesetz gegen Abmahn-Missbrauch soll 2019 in Kraft treten.

Zur „Großwetterlage“ im Handwerk bestätigte Schulte, dass es dem Handwerk nach wie vor gut geht. Mit 3 Prozent Umsatzwachstum habe man bereits das neunte „fette Jahr“ in Folge. Dennoch sei auch derzeit nicht alles golden. Neben dem sich verschärfenden Fachkräftemangel, der alle Betriebe trifft, stehe man in den neuen Bundesländern – knapp 30 Jahre nach der Wiedervereinigung – vor der ersten großen Welle von Betriebsübergaben. In vielen Betrieben ist die Nachfolge nicht gesichert – ein Problem, mit dem sich die Handwerkskammern vor Ort intensiv auseinandersetzen. „Denn jede erfolgreiche Nachfolge ist gleichbedeutend mit einer Existenzgründung. Nicht nur StartUps sind Existenzgründungen“, so Schulte.

Die von Brüssel geplante Ausweitung der Tachografen-Pflicht auch für leichtere Transporter kritisiert der ZDH scharf und fordert umfassende Handwerkerausnahmen, damit nur der gewerbsmäßige Transport betroffen sei.

Im Arbeitsrecht rechnet man mit weiteren Knebelungen wie dem Rückkehrrecht in Vollzeit und dem Wegfall der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverhältnissen. Als positiv bewertet dagegen die geplante Altersvorsorgepflicht für Selbstständige. Analoge Regelungen sollten auch bei der gesetzlichen Unfallversicherung ernsthaft geprüft werden.

Gleichwertig finanzieren
Die UnternehmerFrauen im Handwerk fordern gleichwertige Finanzierung von beruflicher und akademischer Bildung, sagte Kluth vor rund 30 Unternehmerfrauen, Schulte und Dr. Volker Born, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung beim ZDH. Diese Forderung bekräftigt der ZDH ausdrücklich. Der einzige Bildungsbereich, so Born, für den der Bund zuständig sei, sei die berufliche Bildung. „Trotzdem werden Milliarden für eine kostenfreie akademische Bildung ausgegeben, aber nur einige Millionen für die Förderung der beruflichen Bildung“, bemängelte Schulte. Dieses Ungleichgewicht müsse ein Ende haben. Dazu gehöre auch die finanzielle Unterstützung der Auszubildenden zum Beispiel bei deren Mobilität in Form von Azubi-Tickets für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), analog zu den bereits existierenden Studententickets. Als sehr problematisch bewertet Schulte die für 2020 geplante Mindest-Ausbildungsvergütung, die die Politik ab Herbst im Rahmen der Novelle des Berufsbildungsgesetzes auf den Weg bringen will. Starre Grenzen würden der Vielfalt in Regionen und Gewerken nicht gerecht. Es drohe gerade in Kleinstbetrieben ein Rückgang der Ausbildungsbereitschaft. Die Handwerksorganisation warnt vor einer schleichenden Verstaatlichung des Ausbildungssystems und fordert, dass Tarifverträge Vorrang haben und bestehende Lehrverträge Gültigkeit behalten müssen.

Ein weiteres wichtiges Zukunftsthema wird laut Born sein, die Qualität der Ausbildung in Betrieben und Berufsschulen zu sichern. Fortbildungen müssten stärker vereinheitlicht werden, um Qualitätsstandards zu setzen. In den letzten Jahren seien gravierende Verschiebungen im Schulsystem zu beobachten: „Das Gymnasium ist die neue Volksschule“, formulierte Born. Mit dem Berufsabitur müsse deshalb künftig die Ausbildung im Handwerk positiv und zukunftsorientiert besetzt werden. Es sei wichtig, die Botschaft zu senden, dass im Handwerk eine lebenslange Berufslaufbahn für jeden möglich ist, egal aus welcher Schulart man kommt.

Info: Der Verband der UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) ist die bundesweite Vertretung aller Frauen in Führungspositionen des Handwerks. Rund 5.000 UnternehmerFrauen sind in 14 Landesverbänden und über 150 regionalen Arbeitskreisen bundesweit vernetzt. Weitere Informationen im Netz unter www.bv-ufh.de.

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