Zuerst in den Friseurberuf geschnuppert, dann Nageldesign: Beim Boys' Day im Bildungszentrum für Friseure und Kosmetiker kamen die Jungs auf ihre Kosten.
© Handwerkskammer Aachen

Handwerk für Mädchen und Jungs

Löten, Malen, Feilen, Frisieren – am Girls‘ Day/ Boys‘ Day sind Werkstätten auf

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Aachen. Was haben Föhn und Gurke, elektronischer Würfel und Tischuhr gemeinsam? Sie werden in den Bildungszentren der Handwerkskammer Aachen eingesetzt, und zwar für den Girls‘ Day und den Boys‘ Day.

Die Farbe steht bereit, die Arbeitsplätze auf der Werkbank sind vorbereitet. Im Bildungszentrum BGE Aachen der Handwerkskammer haben sich Meister und Pädagogen schon seit Längerem auf die insgesamt 33 Schülerinnen, die die Berufe Maler und Lackierer, Metallbauer und Elektrotechniker kennenlernen wollen, gefreut. Heute ist Girls‘ Day – und natürlich ist das Handwerk dabei. Und auch für Jungs gibt es ein Angebot. Am gleichzeitig stattfindenden Boys‘ Day dürfen 15 Schüler im Bildungszentrum für Friseure und Kosmetiker der Kammer das Haareschneiden und Stylen ausprobieren.

Und was hat es nun mit Gurke und Föhn auf sich? Unter der Anleitung von Ausbildungsmeister Patrick Ansorge erfahren die 13-jährige Yara vom Rhein-Maas-Gymnasium und die anderen Nachwuchs-Elektrotechnikerinnen, dass beim Haaretrocknen rund 50 Euro jährlich pro Kopf „in den Wind geblasen“ werden. Isabelle, 14 Jahre alt, Schülerin am Clara-Fey-Gymnasium in Schleiden, staunt aber auch nicht schlecht, als die unter Strom gesetzte Gewürzgurke aufleuchtet.

Leuchtende Farben pinseln und rollen die „Girls“ unter Aufsicht von Malermeisterin Rebecca Jordan auf Spanplatten. Die selbstgestalteten Bilder können sie später natürlich mitnehmen. Meike (14) und Marlene (13) malen gerne und sind kreativ. Die Schülerinnen am Einhard-Gymnasium sind heute hier, weil Marlenes Schwester ihr handwerkliches Talent beim letzten Girls‘ Day entdeckt hat.

Fähigkeiten testen, Interessen herausfinden – das sind Ziele der Aktionen. Während ihres eintägigen Praktikums werden die teilnehmenden Schüler von Beratern der Agentur für Arbeit Aachen-Düren über Jobperspektiven informiert. Bei Interesse können sich die Jugendlichen auch zu einer Einzelberatung anmelden. Nicht nur die Kammer, sondern auch Handwerksbetriebe in der Region öffnen am Girls‘ Day / Boys‘ Day für Jugendliche die Türen zu ihren Werkstätten.

48 Mädchen und Jungen haben die Angebote der Handwerkskammer angenommen. Ein gutes Zeichen für das Handwerk, deren Betriebe ständig auf Talentsuche sind. Nachwuchs und Fachkräfte zu finden ist für sie zu einer großen Herausforderung geworden. Wilhelm Grafen, Geschäftsführer der Bildungszentren der Handwerkskammer Aachen, ist es ein besonderes Anliegen, die jungen Menschen bei der Berufsorientierung zu fördern und sie auch auf neue Wege hinzuweisen. „Wir wollen zeigen, was das Handwerk alles zu bieten hat.“

Deshalb bieten Girls‘ Day und Boys‘ Day die hervorragende Möglichkeit, Jugendlichen die spannende Arbeiten näherzubringen. Während der praktischen Berufsorientierung in den Bildungszentren lernen die Schüler Werkzeuge und Material kennen und dürfen so wie Lehrling, Geselle und Meister im Berufsalltag handwerkliche Tätigkeiten ausführen. Sie erhalten wertvolle Einblicke, welche Fähigkeiten in den einzelnen Berufen gefragt sind.


Während die Mädchen der Malergruppe tapezieren und Spanplatten gestalten und die Nachwuchs-Elektrotechnikerinnen einen elektronischen Schüttel-Würfel löten, stellen die Teilnehmerinnen im Metallbereich eine kleine Tischuhr her. Metallbaumeister Jan Zimmermann erklärt der 14-jährigen Julia vom Einhard-Gymnasium, wie sie die Ständerbohrmaschine nutzt, während sich ihre Mitschülerin Juliana (14) ganz aufs Feilen konzentriert.

Im Friseurzentrum geht es um professionelle Haarwäsche an Übungsköpfen und um Lockwelltechniken. Zudem erproben sich die Jungs im Nageldesign. Allerdings brauchen der zwölfjährige Alix von der Waldschule Eschweiler und die anderen „Boys“ hier nicht feilen, sondern können sich ganz auf die kreative Gestaltung der Nägel konzentrieren. Das Ergebnis gefällt nicht nur Friseurmeisterin Nicole Bell.

Bei den Angeboten in den Bildungszentren werden die Teilnehmer von Sozialpädagogen betreut. Am Ende des „Arbeitstages“ berichten sie in einer gemeinsamen Abschlussrunde über ihre Erfahrungen im Handwerk und vergleichen ihre Erlebnisse mit den Erwartungen im Vorfeld.

In Kooperation mit der Agentur für Arbeit strebt die Handwerkskammer danach, Berufe bekannter zu machen. Immer wieder stellen ihre Berater nämlich fest, dass junge Menschen nur einen kleinen Teil der etwa 250 möglichen Ausbildungsberufe im Agenturbezirk kennen. Deshalb ist es beiden Institutionen wichtig, am Girls‘ Day und Boys‘ Day Vielfalt zu präsentieren und Schüler zu ermutigen, ihre Potenziale und Neigungen zu entdecken.

Der Girls‘ Day und Boys‘ Day wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Neben vielen anderen Partnern unterstützt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die Aktionstage inhaltlich und organisatorisch.