Gut funktionierendes Netzwerk: Auch wenn das Programm „Jugend in Arbeit plus“ eingestellt worden ist, bleibt das Thema Auftrag.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

„Jugend in Arbeit“ ist ein Dauerthema

Auch wenn mit dem Programm nach 20 Jahren Schluss ist

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Aachen. Auch wenn Deutschland im EU-Vergleich mit seiner geringen Arbeitslosigkeit glänzt – die Jugendarbeitslosenquote von 6,8 Prozent ist sogar am niedrigsten: Die berufliche Integration junger Menschen bleibt eine wichtige Zielsetzung der Arbeitsmarktpolitik des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen, denn der Fachkräftemangel deckelt den Aufschwung.

Umso erstaunlicher ist es für die Akteure des Landesprogramms „Jugend in Arbeit plus“, dass selbiges nach 20 Jahren eingestellt worden ist, pünktlich zum 1. Januar 2019, kein froher Start ins neue Jahr! „JA+“ gehörte zu den erfolgreichsten Programmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit junger Erwachsener.

Dies wird von allen Beteiligten zutiefst bedauert und es besteht der Wunsch, die langjährige Kooperation weiterzuführen, um die seit 20 Jahren bestehenden Netzwerke von Jobcenter, Arbeitsagentur, Kammern, Beratungsstellen, Arbeitgebern und zahlreichen sozialen Einrichtungen weiterhin zu nutzen.

„Doch leider feiern wir heute kein Happy End, es handelt sich eher um einen Filmriss“, sagte Thomas Jochum beim letzten offiziellen Treffen der Programm-Partner. Jochum koordinierte JA+ bei der Handwerkskammer Aachen und hob noch einmal hervor, dass die Akteure wichtige Ansprechpartner gewesen seien für all diejenigen, die ohne Unterstützung nur sehr eingeschränkte Chancen hätten, berufliche Ziele zu verwirklichen.

„‚Jugend in Arbeit plus‘ ist ein geschichtsträchtiges, erfolgreiches Programm mit über 90.000 Beratungsterminen und über 44.000 Vermittlungen in Arbeit“, sagte Georg Stoffels, Geschäftsführer für Berufsbildung bei der Handwerkskammer. Hinter allen Beteiligten stehe ein großes Fragezeichen, warum das Land dieses Programm einstelle. Stoffels: „Die Begründung: Es gibt keine. Man erhofft sich durch neue Programme, zum Beispiel das Ausbildungsprogramm NRW, noch bessere Erfolge.“ Der HWK-Geschäftsführer lobte die hervorragende Netzwerk-Arbeit und den „großen Pool an Playern“. Dieses Netzwerk bleibe bestehen. „Ich sehe dies nicht als endgültig, denn ‚Jugend in Arbeit‘ ist ein Dauerthema, der Projekttitel bleibt weiterhin Auftrag“, so Stoffels.

Mariola Piotrzkowski, Koordinatorin für „Jugend in Arbeit plus“ bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, ließ mit einer Präsentation die 20 Jahre von JA+ Revue passieren. „Wir sind die Dinosaurier, was solche Programme betrifft. Wir haben es vom ersten ins zweite Jahrtausend geschafft, das sollte man sich mal auf der Zunge zergehen lassen“, zeigte Piotrzkowski aller Traurigkeit zum Trotz die Entwicklung des Programms humorvoll auf. So war das Ende der damaligen Initiative nach dem offiziellen Start im Juli 1998 bereits Ende 2000 geplant. „Dann haben wir es aber doch noch gute 18 Jahre geschafft“, so die Koordinatorin bei der IHK.

Mitte 2004 hieß es, JA+ solle Ende 2015 auslaufen. Dann die Kehrtwende: Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales entschied für eine Weiterführung mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds. Aus der Initiative wurde zudem ein Programm. Nach vielen erfolgreichen Jahren verkündete Arbeitsminister Karl-Josef Laumann Anfang 2018 das Auslaufen von „Jugend in Arbeit plus“.