Tobias Clemens und Bianca Tzankov (Foto, im Gespräch mit Jobcenter-Geschäftsführer Stefan Graaf) erzählen von ihren ersten Schritten im Förderzentrum „Junge Perspektive“.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

„Junge Perspektive“ ebnet neue Wege

Qualifizierung und Vermittlung in Arbeit – Förderzentrum für Menschen unter 25

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Aachen. Nur wer sät, kann auch ernten: Gemeinsam mit einem Team aus Sozialpädagogen, Jobcoaches und Ausbildern zeigt die Qualitec der Handwerkskammer Aachen jungen Erwachsenen eine berufliche Perspektive. Wer sich nach seinem Schulabschluss beruflich orientieren oder einen Ausbildungsplatz finden möchte, ist bei der „Jungen Perspektive“ richtig.

Jugendliche und junge Erwachsene werden in diesem Förderzentrum, das im April gestartet ist, auf eine Ausbildung, Arbeitsstelle oder weiterführende Qualifizierungsangebote theoretisch und praktisch vorbereitet. Sie erhalten umfassende Unterstützung und das bis zu sechs Monate nach erfolgreicher Integration.

Gefördert durch das Jobcenter Städteregion Aachen wird die „Junge Perspektive“ im Kooperationsverbund von Qualitec, low-tec gemeinnützige Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Düren und dem TÜV Nord Bildung angeboten. Der Geschäftsführer des Jobcenters, Stefan Graaf, erläutert, dass „mit dem von uns entwickelten Förderzentrum nunmehr ein ganzheitliches Angebot unter einem Dach für unsere Kunden zur Verfügung steht. Mit den kurzen Wegen und der intensiven Zusammenarbeit von Kunden, Träger und Jobcenter versprechen wir uns gute Integrationserfolge. So helfen wir den Kunden und den Arbeitgebern bestmöglich“.

Die Teilnehmer haben unter anderem die Möglichkeit, sich im Handwerk zu erproben und mit Gleichgesinnten Projekte zu entwickeln, welche sie und ihre Fähigkeiten fordern. „Das Angebot der ‚Jungen Perspektive‘ bietet den Teilnehmern die Möglichkeit mitzugestalten, mitzuentscheiden, kreativ zu sein und ihre Stärken zu entdecken und zu nutzen. Das alles spricht die jungen Leute sehr an“, sagt Maria Charalabides-Bständig, Fachbereichsleiterin Integrationsförderung bei der Qualitec der Handwerkskammer Aachen.

Es wird alles getan, um eine Integration in Ausbildung beziehungsweise Arbeit zu ermöglichen oder zumindest die Chancen einer Arbeitsaufnahme durch den weitestgehenden Abbau von Vermittlungshemmnissen deutlich zu verbessern. Der längerfristige Ansatz und die Kombination von bisher in der Regel nur einzeln verfügbaren Angeboten  zeichnet das  Förderzentrum „Junge Perspektive“ aus und grenzt es von anderen Angeboten ab.

Teilnehmende im Förderzentrum „Junge Perspektive“ sind unter 25-jährige Bezieher von Arbeitslosengeld II, die durch individuelle Unterstützung innerhalb der nächsten sechs Monate auf dem ersten Arbeitsmarkt integriert werden können. Voraussetzung ist, dass die Teilnehmer ihre derzeitige Situation verändern wollen, es in der Vergangenheit ohne fachlich versierte Unterstützung jedoch noch nicht geschafft haben, vielleicht auch noch unsicher sind, wie ihr Weg aussehen kann.

Die Eingangsphase, in der Regel drei Wochen, dient zum gegenseitigen Kennenlernen und der Entwicklung sowie Festlegung von individuellen Förderzielen. In der Eingangsphase legen die Teilnehmer ihre persönlichen Ziele fest und entwickeln mit den Mitarbeitern des Trägers einen Plan, um diese zu erreichen. Bereits vorhandene berufliche, aber auch aus dem privaten Bereich stammende, Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Interessen werden erfasst und auf ihre berufliche Verwertbarkeit hin überprüft.

Eingebettet in projektorientiertes, praxisnahes Arbeiten in den Beschäftigungsfeldern Farbe/Raumgestaltung, Hotel und Gaststätte, Hauswirtschaft/Ernährung/Holz erweitern und stabilisieren die Teilnehmenden ihre beruflichen Kenntnisse.

Sie erproben, erweitern und festigen ihre Handlungs- und Methodenkompetenzen. Ihre Leistungen sollen sie ziel- und ergebnisorientiert erbringen. Sie erfahren, was es bedeutet, in einem Team zu arbeiten und lernen dabei, ihre Kommunikations- und Konfliktfähigkeit zu erweitern.

Begleitet wird dieser praxisorientierte Ansatz in der Woche durch attraktive Gruppenangebote. Dazu gehören unter anderem Sport und Fitness, Ernährung, Gesundheitsorientierung, Bewerbungstraining und Sprachförderung.

Der Jobcoach erarbeitet mit den jungen Frauen und Männern die individuell erforderlichen Handlungsschritte, steuert und begleitet den Weg zum beruflichen Ziel.  Er unterstützt sie bei ihrer beruflichen Vermarktungsstrategie, so dass sie ihre erworbenen Kompetenzen und Fähigkeiten in einer betrieblichen Erprobung testen und einen potenziellen Ausbildungsbetrieb oder Arbeitgeber von sich überzeugen.

Die sozialpädagogische Betreuung hilft, Probleme aus dem persönlichen Bereich – zum Beispiel Schulden, Probleme in der Partnerschaft oder der Kinderbetreuung, Sucht – anzugehen und wenn möglich zu beheben.

Zurzeit nehmen 59 junge Frauen und Männer teil und präsentierten jüngst im Bildungszentrum BGE der Handwerkskammer Aachen, was sie schon auf den Weg gebracht haben. „Viele wissen noch nicht, was sie machen wollen. Durch die Erprobung in den Werkstätten findet man ja auch heraus, was für einen nicht in Frage kommt“, sagte Tobias Clemens. Dem 22-Jährigen macht die Teilnahme Spaß, weil er viel ausprobieren kann.

Die Orientierungsphase hat Bianca Tzankov viel gebracht, sagt sie. Die Teilnehmer könnten sich den Sozialarbeitern anvertrauen, der Teamgeist werde gefördert. Einen ersten Einblick ins Berufsleben hatte die 21-Jährige auch schon: Gemeinsam mit den anderen half sie auf einer Baustelle mit, hat angestrichen und tapeziert und ist fristgerecht fertig geworden. „Ich bin vom ersten Tag an gut hier angekommen, obwohl mir anfangs das Wort ‚Maßnahme‘ ehrlich gesagt nicht gefallen hat. Seitdem ich hier bin, habe ich wieder Lust, den Tag zu meistern“, sagt die junge Frau.

Erfolge in Sachen Vermittlung gibt es mittlerweile auch schon: So hat Mohammad Rahmati, der vor viereinhalb Jahren aus Afghanistan nach Deutschland floh und zunächst nicht wusste, was er beruflich wollte, ein Praktikum gemacht und am 1. August die Ausbildung zum Lagerist bei der Firma Deubner begonnen. Danach möchte er noch eine kaufmännische Ausbildung draufsetzen. „Ich bin froh, ihn als Lehrling bekommen zu haben – als Bürger der Stadt Aachen und als Unternehmer“, betonte Geschäftsführer Rolf Deubner.  

Deubner appelliert an seine Kollegen, jungen Menschen eine Chance zu geben, egal ob sie mal ein Jahr Schule versäumt haben oder als Flüchtling nach Deutschland gekommen sind. „Man ist als Unternehmer nicht allein, wenn es Probleme gibt. Das Jobcenter, die Handwerkskammer, das Bildungszentrum – alle helfen.“ Auch das ist übrigens etwas Besonderes: Sowohl die Teilnehmer als auch die Arbeitgeber können sich auch nach Förderende noch an die Jobcoaches wenden.

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