Welche Folgen hat Schwarzarbeit und wie kann sie bekämpft werden? Fakt sei: Wo schwarzgearbeitet wird, gibt es auch negative Auswirkungen für Arbeitnehmer.
In der Handwerkskammer diskutierten (v.l.n.r.): Peter Deckers (Handwerkskammer Aachen), Thomas Hartmann (DGB), Thomas Krumscheid (IG Bauen-Agrar-Umwelt), Marcel Wunsch, Karina Schnitzler (beide Städteregion Aachen), Felix Kendziora (Handwerkskammer Aachen) und Nikolas Bley (Entwicklungsgesellschaft für Erziehung, Bildung und Arbeit gGmbH). © Handwerkskammer Aachen, Foto: Elmar Brandt

Kein Kavaliersdelikt

Thema Schwarzarbeit beim Arbeitnehmerstammtisch in der Handwerkskammer

News

Aachen. 340 Milliarden Euro. So hoch beziffert Nikolaus Bley den Schaden durch Schwarzarbeit im Jahr 2016. „Das waren 13 Prozent des Bruttoinlandprodukts“, sagt der Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft für Erziehung, Bildung und Arbeit gGmbH beim 3. Arbeitnehmerstammtisch in der Handwerkskammer Aachen. Es geht  bei dieser Veranstaltung um die Frage, wie Schwarzarbeit betrieben wird und wie man sie bekämpfen kann.

Bley hat ermittelt, dass das Handwerk und hier speziell das Baugewerk 38 Prozent Anteil an der Schwarzarbeit haben. Dass die Folgen der Schwarzarbeit für viele sehr negativ sind, davon ist Bley überzeugt. Bei Ausschreibungen und Vergaben gäbe es häufig Klagen von Anbietern, dass einzelne Angebote von Konkurrenten so niedrig lägen, dass „Pfusch“ im Spiel sein müsse. Fakt sei, so Bley: Wo schwarzgearbeitet wird, gibt es auch schlechte Auswirkungen für Arbeitnehmer.

Die Aufgabe von Karina Schnitzler und Marcel Wunsch von der Städteregion Aachen besteht darin, Verdachtsfällen nachzugehen und Betriebe und Baustellen zu überprüfen. Dazu gehört dann, vor Ort die „Lage zu checken“, wie Wunsch sagt, und zu ermitteln, ob Ordnungswidrigkeiten begangen wurden. Die Arbeit erfolgt in enger Kooperation mit dem Zoll.

Thomas Krumscheid von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt findet, dass zur Bekämpfung der Schwarzarbeit mehr Personal eingesetzt werden müsste. Außerdem müsse auch bei Auftraggebern eine erhöhte Sensibilität dafür erreicht werden, dass Schwarzarbeit kein Kavaliersdelikt ist, sondern erheblichen Schaden anrichtet. Außerdem müssten Unternehmen Hilfestellung erhalten und verpflichtet werden, Arbeitszeiten richtig zu dokumentieren.

Für Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, ist es selbstverständlich, dass sein Haus mit dafür sorgen muss, dass der Markt sauber bleibt. Zum einen gehe es um die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen, zum anderen aber auch darum, dass die Sozialkassen die ihnen zustehenden Beiträge erhalten. In diesem Sinne sei Schwarzarbeitsbekämpfung auch eine Form der Wirtschaftsförderung. Da ist es hilfreich, dass derzeit auch eine bundesweite Vernetzung und Zusammenarbeit im Kampf gegen Schwarzarbeit vorangetrieben wird.