Freude über und auf die weitere gute Zusammenarbeit: die Projektpartner bei der Restaurierung von Teilstücken einer Römischen Wasserleitung im Bildungszentrum BGZ Simmerath.
© Handerkskammer Aachen, Foto: Elmar Brandt

Lehrlinge restaurieren römische Wasserleitung

Spannendes Projekt im Bildungszentrum BGZ Simmerath

BGZ Simmerath Pressemitteilung

Simmerath. Auf Lehrlinge des dritten Lehrjahres und ihre Ausbildungsmeister in den Berufen Maurer und Betonbauer wartet im BGZ Simmerath ein spannendes Projekt. Vor wenigen Tagen wurden im Bildungszentrum der Handwerkskammer Aachen acht Teilstücke einer Römischen Wasserleitung angeliefert, die 2005 bei der Planung der Umgehungsstraße B 256 in Hürth-Hermülheim in drei Meter Tiefe entdeckt worden waren. Die über 1.800 Jahre alten Segmente der Leitung, die von Mechernich mit einem leichten Gefälle über 95 Kilometer bis Köln führte, werden demnächst im BGZ von Auszubildenden unter Anleitung ihrer Ausbilder sowie in Kooperation mit einem Archäologen und Restaurator im Rahmen der Überbetrieblichen Unterweisung rekonstruiert.

Für die Projektgruppen im BGZ stellt die Restaurierung der einzelnen Stücke eine große Herausforderung dar; alle Teilnehmenden sind jetzt sehr motiviert und in Vorfreude. Die Bauteile, die etwa 150 Jahre in Betrieb waren, weisen eine besondere Zusammensetzung aus Beton, Quarz und Flußkies vor. Sie wiegen zwischen vier und fünf Tonnen. Die Bauzeit der gesamten Leitung um 90 nach Christus betrug etwa fünf Jahre.

Für die Öffentlichkeit

Die Verantwortlichen im BGZ freuen sich, dass eines der Teilstücke, und auch noch das größte, nach den erfolgten Arbeiten im Bildungszentrum verbleiben und somit als historisches Bauelement für die Öffentlichkeit zugänglich werden darf. Das Teilstück wird in den Neubau des Internats am BGZ integriert.

Das Projekt „Römische Wasserleitung“ realisiert die Handwerkskammer Aachen in enger Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland. Beteiligt werden außerdem die Bezirksregierung Köln, die Handwerkskammer zu Köln, in deren Bildungsstätte ebenfalls Teile restauriert werden, sowie verschiedene Firmen, die ihre Expertise und Dienstleistung wie zum Beispiel den Transport teilweise kostenlos zur Verfügung gestellt haben. Die Aachener Kammer muss lediglich das Personal stellen, die Ausgaben für Material und Begleitung werden von den Erwerbern der Bauwerke getragen.

Die Restaurierungsarbeiten mit den Lehrlingen sollen Ende Mai beginnen. Ausbildungsmeister Marcel Fink freut sich, dass die Tätigkeiten, die erledigt werden müssen, genau in den Rahmenlehrplan der Unterweisung passen und somit die Anforderungen an die Ausbildung erfüllen. „Im ersten Schritt geht es zunächst einmal darum, die Statik sicherzustellen und Unterfangungen für die Teilstücke, die zum Teil doch stark an Substanz verloren haben, herzustellen. Wir müssen dabei sehr vorsichtig vorgehen“, sagt Fink, „und aufpassen, dass uns keine Flanke abreißt.“ Im späteren Verlauf werden Überwölbungen gemauert, die wie im ursprünglichen Original auf die U-Rinnen gesetzt werden. Von diesen Überwölbungen war an der Fundstelle so gut wie nichts mehr vorhanden.

Langfristiger Erhalt

Das gesamte Projekt steht unter Leitung des Diplom-Restaurators Thomas Sieverding. Er zeichnete im Vorfeld der Anlieferung für die konservatorische Ertüchtigung verantwortlich, die den langfristigen Erhalt des hochkarätigen Bodendenkmals sicherstellen soll.

Wilhelm Grafen, Geschäftsführer für den Bereich Bildungszentren bei der Handwerkskammer Aachen, freut sich, dass die restaurierten Teilstücke später nach dem Verkauf an verschiedenen Orten historische Baukultur und handwerkliches Können darstellen werden. An den einzelnen Segmenten sollen die Namen der am Projekt beteiligten Firmen, Institututionen und Personen genannt werden. So bleiben die Lehrlinge und Ausbilder für immer mit der Römischen Wasserleitung verbunden. Grafen lädt zudem Schulen ein, die Teilstücke der Leitung im BGZ zu besichtigen und den Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Wer daran interessiert ist, darf sich gerne im Simmerather Bildungszentrum melden.