Mehr Geld für die berufliche Bildung

Aufstiegs-BAföG wird attraktiver. Vorstoß für mehr Begabtenförderung.

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Berlin. Das Bundeskabinett hat die von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek eingebrachte Novelle des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) beschlossen. Sie setzt ein weiteres wichtiges Zeichen zur Stärkung der beruflichen Bildung.

Aus Sicht des Handwerks ist es gut, dass Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ihre Ankündigungen vom Juni zur Reform des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes rasch umgesetzt hat und jetzt ein entsprechender Gesetzentwurf vom Bundeskabinett beschlossen werden konnte. „Ausdrücklich begrüßen wir, dass die Novelle vorsieht, die berufliche Fortbildung im Rahmen des Aufstiegs-Bafög künftig besser finanziell zu fördern.

Vor allem die Förderung von bis zu drei aufeinander aufbauenden Fortbildungen ist ein wichtiger Beitrag, um die dringend benötigten Fachkräfte zu sichern. Sie ist zudem Ausdruck jener Wertschätzung, die das Fortbildungssystem der höheren Berufsbildung verdient. Damit kommen wir einer gleichwertigen Behandlung der beruflichen und akademischen Ausbildung ein weiteres Stück näher“, sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke.

Für Existenzgründer ist darüber hinaus ein vollständiger Darlehenserlass geplant. Das sei ein gutes Signal, um mehr junge Handwerker zur Betriebsgründung oder -nachfolge zu ermuntern. Schwannecke: „Das ist auch von gesamtgesellschaftlichem Interesse, da in den nächsten Jahren Zehntausende Unternehmensnachfolgen anstehen.“

Um die volle Gleichehandlung zwischen akademischer und beruflicher Bildung herzustellen, sei es erforderlich, dass alle erfolgreichen Prüfungsabsolventen vom Restdarlehen für die Fortbildungskosten befreit werden. Nach dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung müssen Absolventen der höheren Berufsbildung, die keine berufliche Selbstständigkeit anstreben, 25 Prozent ihrer Fortbildungskosten selber tragen und werden damit im Vergleich zu kostenfrei Studierenden benachteiligt.

„Spitzen-Azubis fördern“

Zu dem kürzlich in den Bundestag eingebrachten Antrag „Spitzen- Azubis fördern“ der FDP-Fraktion erklärt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer: „Es ist zu begrüßen, dass die FDP-Fraktion mit ihrem Antrag ‚Spitzen-Azubis fördern‘ die seit Langem auch vom Handwerk vorgebrachte Forderung aufgreift, die Begabtenförderung in der beruflichen Bildung endlich auf Augenhöhe mit der akademischen Begabtenförderung zu stellen. Insbesondere die Forderung, die finanziellen Mittel deutlich aufzustocken, muss aus Sicht des Handwerks dringend umgesetzt werden.“

Wollseifer frage sich, warum die Bundesregierung im Haushaltsentwurf für 2020 erneut die akademische Begabtenförderung mit 300 Millionen Euro deutlich besser ausstatten wolle als die Begabtenförderung in der beruflichen Bildung, die mit 61 Millionen Euro nur ein Fünftel so viel Mittel erhalte. „Dies ist – vor dem Hintergrund des bereits kostenlosen Studiums – unseren angehenden Meistern nur schwer zu vermitteln“, so der ZDH-Präsident.

Die ideellen Förderangebote der akademischen Begabtenförderungswerke auch für beruflich Qualifizierte zu öffnen, wie es die FDP in ihrem Antrag vorsieht, ließe sich aus Sicht des Handwerks vergleichsweise kurzfristig umsetzen. Von dem daraus resultierenden fachlichen Austausch und der engen Vernetzung beruflich und akademisch Qualifizierter würden die Beteiligten selbst und ihre Betriebe profitieren. Wollseifer: „Wichtig ist jedoch, etablierte Strukturen zu stärken und den Aufbau von Parallelstrukturen zu vermeiden. Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) und die Handwerkskammern betreuen Stipendiaten in der beruflichen Bildung seit Jahren gut und effizient.“

Info: Mit dem AFBG werden Teilnehmer an Maßnahmen beruflicher Aufstiegsfortbildung finanziell unterstützt. Sie erhalten einkommensunabhängig einen Beitrag zu den Kosten der Fortbildung und bei Vollzeitmaßnahmen zusätzlich einkommensabhängig einen Beitrag zum Lebensunterhalt. Die Förderung erfolgt teils als Zuschuss, teils als zinsgünstiges KfW-Darlehen. 2018 wurden rund 167.000 Personen mit AFBG unterstützt. Seit Bestehen des Aufstiegs-BAföGs (früher „Meister-BAföG“) 1996 konnten rund 2,8 Mio. berufliche Aufstiege zu Führungskräften, Mittelständlern und Ausbildern für Fachkräfte von morgen mit einer Förderleistung von insgesamt rund 9,2 Mrd. Euro ermöglicht werden.