Dämmen mit Zellulose oder anderen nachwachsenden Rohstoffen: Ökologisches Bauen und Sanieren gewinnt immer mehr an Bedeutung.
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Nachwachsende Rohstoffe

Bauen und Dämmen unter ökologischen Gesichtspunkten – Experten informierten bei der Handwerkskammer Aachen

Bauwirtschaft

Aachen. Beweise für den Klimawandel gibt es ausreichend: Die Luft an der Erdoberfläche hat sich deutlich erwärmt, die Temperaturrekorde häufen sich immer mehr, die Ozeane haben sich deutlich erwärmt, die Eismassen an den Polen und Gletschern schwinden und der Kohlendioxidgehalt der Erde nimmt stetig zu. Und, wie zuletzt auch in der Aachener Region in krasser Weise mitzuerleben, die schweren Gewitter nehmen zu und richten große Schäden an. Für Michael Stephan, Geschäftsführer bei altbau plus, steht fest, dass das Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen immer wichtiger wird. Einige Gründe nannte er bei einer Informationsveranstaltung der Handwerkskammer Aachen zum Nachhaltigen Bauen.

Laut Diplom-Ingenieur Michael Stephan sind 32 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und 19 Prozent aller Treibhausemissionen auf Gebäude zurückzuführen. Bauherren und ausführenden Unternehmen bieten sich Chancen, diese Anteile zu reduzieren.

Beispiel Sommerlicher Wärmeschutz: Holzwerkstoffe und Zellulosedämmung verfügen über eine niedrige Temperaturleitfähigkeit, was dazu führt, dass heiße Außentemperaturen erst in den kühleren Nachtstunden an den Innenseiten von Wänden ankommen und das aufgeheizte Bauteil dann wieder abkühlen kann. Und für ein gutes Raumklima kann stark aufnehmender Lehmputz sorgen, der die Luft entfeuchtet.

Gute Dämmung macht viel aus. So setzt Martin Knoben von der Heinsberger Knoben Haus & Holzbau GmbH auf Holzfaser. In seinem Vortrag bei der Infoveranstaltung lieferte er zahlreiche Beispiele für gelungene Decken- und Fassadenbauten aus Holz, die zudem schön aussehen. Gute Chancen, diesen Markt weiter anzukurbeln, sieht Knoben auch im gewerblichen Bau. Denn Ökölogie am Arbeitsplatz komme Mitarbeitern und Kunden entgegen, eine moderne Natürlichkeit trage zu einem guten Image bei, ein gesundes Raumklima zum Wohlfühlen. Knoben appellierte, den Rohstoff Holz intensiver zu nutzen, da er nachwachsend, klimaschonend und damit „gesund“ sei.

Ein wertvoller Vorteil der Baustoffe Lehm, Sand, Kies, Gips und Glas ist für Maria Feldhaus, Energieberaterin bei der Verbraucherzentrale NRW in Aachen, dass sie nicht brennen. Darüber hinaus bedürfe es bei vielen Dämmstoffen nur einer kleinen Menge, um einen großen Effekt beispielsweise beim Wärmeschutz zu erzielen.

Mehr Förderung
Georg Raida, Geschäftsführer von Raida Dämmtechnik, unterstützt den Einsatz dieser effizienten Dämmstoffe. Er weist aber auch sehr deutlich darauf hin, dass dieser durch politische Maßnahmen und höhere Förderung stärker nach vorne gebracht werden müsste. Bei deutschen Kunden erlebte Raida schon häufig, dass sie weniger dämmen wollten als möglich war – wegen der Kosten. In anderen Ländern gebe es dagegen so viel Fördergeld, dass die Kunden oft fragen würden, wie stark sie maximal dämmen könnten und dann eher enttäuscht seien, wenn aufgrund der Gebäudestruktur weniger möglich sei.

Raida erzählte in der Handwerkskammer von vielen Beispielen, wo sich die Investition nach wenigen Jahren rentiert hat, weil der Energieverbrauch sich extrem verringerte. Gerade in Bezug auf den Bedarf fürs Heizen gebe es ein sehr hohes Einsparpotenzial.

Die Infoveranstaltung der Handwerkskammer gehörte zum Rahmenprogramm der Bundesausstellung „BAUnatour“, die Station in Aachen machte. Außerdem organisierte die Kammer eine Exkursion zu einem Wohnhaus mit Atelier aus dem Jahre 1912, in dem seit 2006 umfangreiche, energiesparende Sanierungsmaßnahmen unter ökologischen Gesichtspunkten vorgenommen worden sind. Die Teilnehmer konnten dort die nachhaltige Integration von ursprünglich vorhandenen Bauelementen erleben.

Außerdem besichtigte die Gruppe ein Mehrfamilienhaus, Baujahr 1927, das saniert wurde. Hier lag das besondere Augenmerk auf der obersten Geschossdecke, die mit Zellulose gedämmt wurde. Die Teilnehmer erfuhren dort, wie bei dem nicht druckbelastbaren Dämmstoff der Fußboden als begehbare Fläche hergestellt wird.

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