Ziel ist es die Kooperation weiterzuführen, um die seit 20 Jahren bestehenden Netzwerke von Jobcenter, Arbeitsagentur, Kammern, Beratungsstellen, Arbeitgebern und zahlreichen sozialen Einrichtungen weiterhin zu nutzen.
Jugend in Arbeit plus

Noch eine Chance für „Jugend in Arbeit plus“?

Die Initiative soll zum 1. Januar eingestellt werden – Akteure setzen sich fürs Programm ein

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Kammerbezirk. Die Initiative „Jugend in Arbeit plus“, ein Landesprogramm, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, wird zum 1. Januar 2019 eingestellt, obschon sie zu den erfolgreichsten Programmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit junger Erwachsener gehört.

Dies wird von allen Akteuren zutiefst bedauert und es besteht der Wunsch, die langjährige Kooperation weiterzuführen, um die seit 20 Jahren bestehenden Netzwerke von Jobcenter, Arbeitsagentur, Kammern, Beratungsstellen, Arbeitgebern und zahlreichen sozialen Einrichtungen weiterhin zu nutzen. Ziel ist es, jungen Menschen eine langfristige berufliche Perspektive durch Arbeitsaufnahme und Ausbildung aufzuzeigen.

Es gibt zahlreiche Gründe, das Programm auch in 2019 weiterzuführen. Erfahrene Träger im Bereich der Jugendberufshilfe bieten alle personellen, räumlichen und materiellen Ressourcen zur Durchführung des Programmes. „Die Einstellung des Programmes in der Städteregion Aachen betrachten wir als eine nicht nachvollziehbare Fehlentscheidung seitens der Landesregierung“, sagte Andrea Gilleßen de Pomareda, Sozialarbeiterin bei der Jugendberufshilfe In Via Aachen und seit 2010 für das Programm „Jugend in Arbeit plus“ tätig, im Rahmen einer Pressekonferenz.

Die Integration junger Menschen in den ersten Arbeitsmarkt beziehungsweise Ausbildungsmarkt ist von gesamtgesellschaftlicher und damit öffentlicher Bedeutung. Beim Pressegespräch verdeutlichten die Akteure dies noch einmal – auch, um all denjenigen eine Stimme zu verleihen, die ohne Unterstützung nur sehr eingeschränkte Chancen haben, berufliche Ziele zu verwirklichen.

Ihre Enttäuschung über das Ende des Programms drückten auch Yvonne Schipper und Alpha Koné aus. Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern sagte: „Ohne das Programm hätte ich nie so schnell eine Ausbildung bekommen, sondern wäre mit 450-Euro-Herlferjobs abgespeist worden. Jetzt bin ich schon im zweiten Lehrjahr.“ Yvonne Schipper ist über In Via zu Thomas Jochum gekommen, der bei der Handwerkskammer Aachen „Jugend in Arbeit plus“ koordiniert.

Bewerbung, Praktikum, Beginn der Teilzeitausbildung zur Fleischereifachverkäuferin, so unkompliziert kann es gehen. „Dank der engen Zusammenarbeit mit den Kammern, die einen direkten Draht zu den Arbeitgebern haben. Das ist unbürokratisches Arbeiten“, so Andrea Gilleßen de Pomareda. Fleischermeister Robert Wolf, bei dem Schipper arbeitet, weiß es besonders zu schätzen, dass dank des starken Netzwerks von „Jugend in Arbeit plus“ jeder Jugendliche individuell gesehen wird. Manche schafften den Weg ins Berufsleben eben über Schlenker.

So wie Alpha Koné. Er kommt aus Mali, macht bei Maler- und Lackierermeister German Gonzales-Arias eine Ausbildung. Jetzt läuft es gut. Das war vorher nicht so. Der junge Mann war in anderen Betrieben, wo es nicht lief, aber eben auch das gehört dazu und kann mit einem Program wie „Jugend in Arbeit plus“ und seinen vernetzten Akteuren aufgefangen werden. „Es war ein langer Beratungsprozess, aber wir bleiben da am Ball, so lange, bis es passt“, so Thomas Jochum. Und auch Alpha Konés Patenmutter Claire Chadenas, fand lobende Worte: „Es ist immer jemand da, der uns unterstützt, der uns zur Seite steht.“ Konés Chef German Gonzales-Arias hat schon viele junge Leute zum Gesellenbrief gebracht, „ich fänd’s sehr traurig, wenn wir an der Jugend sparen würden. Das ist ein tolles Programm, es greift alles ineinander über. Gerade im Handwerk trägt es dazu bei, ein Match zu haben.“