Unternehmensbewertung und rechtliche Vorgaben: Damit kennt Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. André Gerick (Mitte) sich bestens aus.
Gemeinsam mit Kurt Krüger (unteres Bild links) und Rainer Hupke (rechts) informierte er Handwerker, die einen Nachfolger für ihren Betrieb suchen. © Handwerkskammer Aachen, Foto: Doris Kinkel

Optimale Nachfolge im Handwerksunternehmen

Gibt’s die überhaupt? Wer beim Infoabend der Kammer war, weiß die Antwort

Betriebswirtschaft

Aachen. 20 Prozent aller Handwerksbetriebe sind im Übergabeprozess. Ausschließlich im Kammerbezirk Aachen. Das sind etwa 3.000 Unternehmen. Wer einen Nachfolger an der Hand hat, kann sich glücklich schätzen. Das weiß Kurt Krüger, Leiter Unternehmensberatung bei der Handwerkskammer Aachen. Und das wissen jetzt auch die Handwerkerinnen und Handwerker, die am 6. Dezember zahlreich zur Info-Veranstaltung der Kammer gekommen sind.

Wer Fragen zur Übergabe seines Betriebes hatte oder unsicher war bei der Übernahme eines bestehenden Unternehmens, ist bei der Veranstaltung „Unternehmensnachfolge im Handwerk“ genau richtig gewesen.

„Wer absehen kann, dass er einen Betrieb übergeben oder übernehmen will, sollte sich so früh wie möglich informieren“, sagte Kurt Krüger. Das heißt: Wer den Hammer fallen lassen möchte, sollte sich mindestens vier bis fünf Jahre vorher um einen Nachfolger kümmern.

Viele kämen gar nicht oder sehr spät, „schön, dass Sie heute hier sind“, so der Diplom-Kaufmann. Natürlich weiß er, dass es im laufenden Geschäft nicht immer einfach ist, sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Das sei wohl auch ein Grund, „warum wir ein Übergabe-Problem im Handwerk haben. Denn konjunkturstarke Zeiten sind gründerschwache Zeiten“, so Krüger.

Wichtige Partner im Übergabeprozess sind neben der Handwerkskammer mit ihren vielfältigen Beratungsleistungen vor allem der Steuerberater, aber auch Anwalt, Notar, Innung und Fachverband. Der Betriebsinhaber wird bei seiner Absicht, sein Unternehmen und damit sein Lebenswerk fortzuführen, von einem guten Netzwerk unterstützt.

Die Veranstaltung der Handwerkskammer richtete sich an Unternehmer im Handwerk, die 55 Jahre und älter sind. Sie richtete sich aber auch – altersunabhängig – an Existenzgründer, die mit dem Gedanken spielen, einen bestehenden Betrieb zu übernehmen.

Bei der Veranstaltung gab zunächst der betriebswirtschaftliche Berater Kurt Krüger wichtige Hinweise über Herangehensweisen und optimale Übergabe. Danach machte Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. André Gerick deutlich, was bei der Unternehmensbewertung und an rechtlichen Vorgaben zu beachten ist. Anschließend fanden zwei parallel stattfindende Workshops statt, der eine geleitet vom betriebswirtschaftlichen Berater Rainer Hupke, der andere von André Gerick. Für Gründer gab es Erstinformationen zur Übernahme eines Betriebes und für Übergeber zum Thema steuerliche und rechtliche Hinweise beim Verkauf ihres Unternehmens.  Anschließend bestand die Gelegenheit, mit den Referenten bei einem Imbiss zu diskutieren.

Wer einen Betrieb übergeben oder übernehmen will, sollte immer zuerst die Berater der Handwerkskammer kontaktieren. „In unserem Übergabecenter bieten wir einen umfassenden Service, der sehr häufig und gerne in Anspruch genommen wird“, sagt Kurt Krüger. „In einem ersten Gespräch stimmen wir die Vorgehensweise ab und betreuen den Unternehmer anschließend individuell bis zum Ausscheiden aus seinem Betrieb. Unsere Kollegen von der betriebstechnischen Beratung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, vor allem bei der Firmenwertermittlung. Zudem arbeiten bei der Kammer Juristen, die bei der Prüfung von Kaufvertragsentwürfen wertvolle Hilfestellung leisten sowie haftungs- und arbeitsrechtliche Fragen klären. Natürlich helfen wir auch den potenziellen Nachfolgern bei allen anfallenden Themen“, so Krüger.

www.uebergabecenter.de