„Wir können nicht jeden wild drauflos arbeiten lassen“, sagte Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur.
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Qualität entscheidet

Handwerk will die Meisterpflicht

Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

Berlin. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer dringt auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen und warnt vor Marktverzerrungen. „Wir können nicht jeden wild drauflos arbeiten lassen“, sagte Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem Thema bewege sich aber etwas. Es ist eine Koalitions-Arbeitsgruppe gebildet worden. Die wird sich mit zwei Gutachten beschäftigen. Eines liegt vor, das besagt, eine Rückkehr von Handwerkern in die Meisterpflicht wäre unter Einhaltung bestimmter Kriterien verfassungs- und europarechtlich möglich.

„Wir wollen die Wiedereinführung der Meisterpflicht in den zulassungsfreien Gewerken, weil das wieder zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und zu fairen Marktbedingungen führen würde. In den zulassungsfreien Gewerken wie beispielsweise Fliesenleger kann seit der Deregulierung jeder einfach loslegen, ohne dass er dafür irgendeinen Qualifikationsnachweis vorlegen muss. Entsprechend weniger Menschen qualifizieren sich dort zum Meister weiter“, so der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.

Seit der Deregulierung braucht man als Rolladen- und Jalousienbauer, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Gold- und Silberschmied, Orgelbauer oder Musikinstrumentenhersteller keinen Meisterbrief und keinen Qualifikationsnachweis mehr, um in diesen Gewerken selbstständig am Markt zu sein. Wollseifer: „Für diese Tätigkeiten sollte man aber qualifiziert sein. Inzwischen sind jedoch einige unterwegs, die sich zwar als Handwerker betiteln, aber gar nicht ausgebildet sind, und die liefern natürlich nicht immer die Qualität ab, die es sein sollte. Das schädigt den Ruf des Handwerks insgesamt."  

Seit der Deregulierung seien im Handwerk Zigtausende Soloselbstständige dazugekommen. Es komme zu Verwerfungen am Markt und Wettbewerbsverzerrungen. „Viele Solo-Selbstständige geben an, dass sie weniger als 17.500 Euro Umsatz haben, damit müssen sie den Kunden gar keine Mehrwertsteuer in Rechnung stellen. Sie können ihre Leistungen deutlich günstiger anbieten als seriös arbeitende Handwerksbetriebe, die die Mehrwertsteuer abrechnen“, sagte Wollseifer. Diese Betriebe seien außerdem selten darauf angelegt, Personal aufzubauen und auszubilden.

„Deswegen ist es richtig, die Fehlentwicklungen, die mit der Abschaffung der Meisterpflicht für 53 der 94 Handwerksberufe im Jahr 2004 in Gang gesetzt wurden, zu überprüfen und zu korrigieren. Es geht um den Verbraucherschutz gerade in den Bereichen, die sich sehr innovativ entwickelt haben, und in denen viel neues Wissen hinzugekommen ist. Es geht vor allem aber auch um Qualitätssicherung und soziale Aspekte: Wir wollen nachhaltige und beständige Betriebe, die Menschen beschäftigen und anständig bezahlen, und keine Betriebe, die sich selbst ausbeuten, schnell wieder aus dem Markt verschwinden und die Gewährleistungspflicht nicht einhalten“, so Wollseifer.

Info: Weitere Informationen zum Zentralverband des Deutschen Handwerks finden Sie im Internet unter www.zdh.de.