Tag gegen Lärm: Im Bildungszentrum BGZ Simmerath erklärte und zeigte Dipl.-Ing. Hartmut Schulz von der BG BAU den Teilnehmern alles rund ums Thema Lärm.
© Handwerkskammer Aachen, Foto: Michael Strauß

Risiken für junge Bauleute

Der Tag gegen Lärm stand unter dem Motto „Laut war gestern“ – Rund 150 Teilnehmer im BGZ Simmerath

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Simmerath. Handwerker, vor allem im Baugewerbe, müssen häufig Lärm ertragen und darunter leidet ihre Gesundheit: Die Lärmschwerhörigkeit ist die zweithäufigste anerkannte Berufskrankheit in der Bauwirtschaft. Dabei wären viele Gehörschäden vermeidbar, denn mancher Baulärm kann bereits an der Quelle deutlich vermindert werden. Der „Tag gegen Lärm“ stand unter dem Motto „Laut war gestern!“ Das nahm die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) zum Anlass und hat den beruflichen Nachwuchs mit praktischen Aktionen direkt in den Ausbildungszentren angesprochen.

Im Bildungszentrum BGZ Simmerath der Handwerkskammer Aachen haben an zwei Tagen insgesamt 13 Gruppen aus den Gewerken Maurer, Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker, Stuckateure, Fliesenleger, Straßenbauer und Maler mit rund 150 Auszubildenden im ersten Lehrjahr teilgenommen. Zunächst erfuhren die Teilnehmer, was Lärm überhaupt bedeutet, wie unser Ohr aufgebaut ist und welche Folgen – irreparable Schäden – Lärm bewirken kann. Sie lernten Messverfahren sowie deren Einheiten kennen und konnten einen Hörtest machen, wenn sie wollten.

Die Lehrlinge konnten bei Messungen an Maschinen und Werkzeugen erleben, dass zum Beispiel der Lärm von Rüttelplatten, Bohrhämmern oder Baukreissägen über 85 Dezibel erreicht. Beim Messen des Schalls einer Automusikanlage stellte sich heraus, dass auch hier Lärmpegel von mehr als 100 Dezibel auftreten können. „Ausgewählt wurden Autos von Teilnehmern mit ‚dickeren Soundanlagen‘. Gemessen wurde im verschlossenen Fahrgastraum sowie außerhalb des Autos. Die Teilnehmer waren erstaunt, wie schnell Werte von über 85 Dezibel erreicht sind“, so Heinz-Gerd Jansen, stellvertretender Referatsleiter Bautechnik.

Ein Schallpegel ab 80 Dezibel kann die Gesundheit schädigen, wer Lärm über 85 Dezibel zu lange ohne Gehörschutz ausgesetzt ist, droht schwerhörig zu werden. Bei einem höheren Lärmpegel, etwa einem Knall von 140 Dezibel, können Schäden sofort eintreten.

Daher macht die BG BAU auf lärmreduzierte Baumaschinen und Werkzeug aufmerksam. Zum Beispiel gibt es schallgedämpfte Sägeblätter für Baustellenkreissägen, Spezialzangen für wesentlich leisere Abbrucharbeiten, geräuschreduzierte Diamanttrennscheiben für Steinsägen oder lärmgeminderte Flämm-Geräte für Dacharbeiten. Diplom-Ingenieur Hartmut Schulz von der BG BAU hatte sein Hauptziel an beiden Veranstaltungstagen erreicht: die Auszubildenden zum Thema Lärm zu sensibilisieren.

Abhilfe schaffen, das geht auch ganz einfach durch Tragen von Gehörschutz. Wenn man nicht unmittelbar am Lärmerzeuger arbeitet, heißt es Abstand nehmen. Zimmerermeister Jansen: „Wir haben die Aufgabe immer wieder auf die Teilnehmer einzuwirken und auf Gefahren während der Arbeit sowohl in der Bildungseinrichtung als auch auf der Baustelle hinzuweisen und Präventionen aufzuzeigen. Aufgrund jahrelanger guter Zusammenarbeit unterstützt die BG BAU uns in dieser Angelegenheit, ist immer wieder Gast in unserem Hause und führt gerne verschiedene Veranstaltungen in unserer Bildungseinrichtung  durch.“

Weitere Informationen finden Sie im Netz unter www.bau-auf-sicherheit.de

Info: „Die Zahlen machen deutlich, dass es gute Gründe für den Einsatz leiserer Maschinen gibt: Allein im Jahr 2016 musste die BG BAU 17,5 Millionen Euro für über 6.200 Lärmgeschädigte aufbringen. Über ein Drittel aller Berufskrankheiten in der Bauwirtschaft hat Hörschäden als Ursache. Alle gewerblichen Berufsgenossenschaften zusammen zahlten sogar 117,5 Millionen Euro für mehr als 38.000 Lärmgeschädigte“, sagte Bernhard Arenz, Leiter der Prävention bei der BG BAU.
Für die Betroffenen ist gesundheitsschädlicher Lärm tragisch: Stress, Schlafstörungen, steigendes Herzinfarktrisiko, Tinnitus sowie zunehmende Leistungs- und Konzentrationsstörungen sind als Folgen von Lärm nachgewiesen.